Wilhelm II. an Paul von Hindenburg über das schon nach dem 1. WK beabsichtigte Siegertribunal gegen uns Deutsche
Sonntag, 25. Oktober 2026 von Adelinde
Kersti Wollnow
entdeckte den untenstehenden Brief des ehemaligen Kaisers Wilhelm II. an den Feldmarschall des 1. Welt-krieges Paul von Hindenburg in der Biografie des Kaisers „Ereignisse und Gestalten 1878-1914“. Sie schreibt:
Dieses für mich sehr wichtige Buch gab es jahrelang nur in Archiven, aber 2008 druckte es der Melchior Verlag Wolfenbüttel als Re-print. Das Original stammt von 1922. Es ist wichtig für uns, alte Schriften als Beweise für das uns angetane Unrecht zu suchen …
Da wird vieles angesprochen, was sich die Alliierten bis heute erlauben, da es für sie anscheinend ein Völkerrecht einfach nicht gilt.
Wogegen sich Wilhelm II. schon auflehnte, ist heute Normalität. So ist das, wenn Untaten und Unrecht nie einer Bestrafung zugeführt werden. Was sich die Bande in Nürnberg er-laubte, hat Kaiser Wilhelm in dem Brief an-gesprochen und ist für uns Deutsche einge-treten. Wir Deutschen genießen bei den Völkern keinerlei Achtung mehr.
Man kann natürlich sagen, das alles seien alte Kamellen, aber auf dem Unrecht von 1918 fußt das heutige, das sich weltweit ausge–breitet hat. Wie sagte Antony Lee heute:
„Die machen einfach weiter“.
So läuft Unrecht bis zum heutigen Tag. Ich habe mich beim Lesen im Heute wiederge-funden …
Nun folgt die Abschrift des Briefes Wilhelms II. an Paul von Hindenburg:
Haus Doorn, den 5. April 1921
Mein lieber Feldmarschall!
Haben Sie warmen Dank für Ihren Brief vom 30.v.M. – Sie haben recht. Das ist das Schwerste für mich: Im Auslande leben müs-sen, mit glühender Seele die furchtbaren Geschicke unseres teuren Vaterlandes, dem meine ganze Lebensarbeit gegolten hat, verfolgen und von der Mitarbeit ausgeschlos-sen sein.
Sie haben während der dunklen, unseligen Novembertage 1918 mir zur Seite gestanden. Wie sie wissen, habe ich mich zu dem schwe-ren, furchtbaren Entschluß, außer Landes zu gehen, nur auf Ihre und meiner übrigen be-rufenen Ratgeber dringende Vorstellung durchgerungen, daß es nur allein auf diesem Wege möglich sei, unserem Volke günstigere Waffenstillstandsbedingungen zu verschaffen und ihm einen blutigen Bürgerkrieg zu ersparen.
Das Opfer ist umsonst gewesen. Nach wie vor wollen die Feinde für die angebliche Schuld des „Kaiserlichen Deutschlands“ das deutsche Volk büßen lassen.
In dem Bestreben, alle persönliche Rücksich-ten dem Wohle Deutschlands unterzuord-nen, halte ich mich völlig zurück. Ich schwei-ge zu allen Lügen und Verleumdungen, die über mich verbreitet werden. Ich halte es unter unserer Würde, mich gegen Angriffe und Schmähungen zu verteidigen.
Dieser Zurückhaltung entsprechend habe ich die von Ihnen erwähnten „Geschichtstabellen“ streng objektiv gehalten und nur einem en-gen Kreise von Bekannten zugänglich ge-macht, auf welche Weise sie jetzt durch In-diskretion (oder Diebstahl?) in die Öffentlich-keit gekommen sind, ist mir völlig unver-ständlich.
Die Absicht, die mich bei der Abfassung der historischen Tabellen leitete, war die, durch eine systematische Aufzählung nüchterner Tatsachen streng geschichtliches Material zusammenzutragen, das dem Leser in die Möglichkeit versetzen sollte, über die Vor-geschichte des Krieges sich selbst ein Urteil zu bilden.
Meine besten, überzeugendsten Quellen habe ich – nebenbei bemerkt – in der nach dem Kriege entstandenen Literatur gerade von An-gehörigen der feindlichen Staaten gefunden. Darum freue ich mich, daß Sie meinen be-scheidenen Beitrag zur Geschichte nützlich finden.
Für Ihre Anregung, der deutschen Presse die inzwischen vollständigen Tabellen zugänglich zu machen, danke ich Ihnen, ich werde ihr entsprechen. (Anmerkung als Fußnote: Das ist inzwischen erfolgt.) Die „Vergleichenden Geschichtstabellen von 1878-1914“ sind im Dezember 1921 im Verlage K.F. in Leipzig erschienen.*
*) Im Internet findet man sie gleichfalls. K.W.
Die Wahrheit wird sich Bahn brechen, machtvoll, unaufhaltsam, wie eine Lawine. Wer sich ihr nicht wider besseres Wissen verschließen will, muß erkennen, daß wäh-rend meiner 26-jährigen Regierungszeit vor dem Kriege die deutsche Außenpolitik lediglich auf die Erhaltung des Friedens gerichtet war.
Sie erstrebte einzig und allein den Schutz des von Ost und West bedrohten heiligen Heimat-bodens sowie die friedliche Entwicklung un-seres Handels und unserer Volkswirtschaft.
Hätten wir je kriegerische Absichten gehabt, so hätten wir 1900 losgeschlagen, als Eng-land durch den Burenkrieg, oder 1905, als Rußland durch den Japanischen Krieg gebun-den war, und uns ein nahezu sicherer Sieg gewinkt hätte. Aber sicherlich hätten wir uns nicht gerade das Jahr 1914 ausgesucht, wo uns eine erdrückende Übermacht gegenüber-stand.
Auch muß sich jeder Unbefangene sagen, daß Deutschland von dem Kriege gar nichts zu erwarten hatte, während unsere Feinde davon alles für ihre seit langem zu unserer Vernich-tung festgesetzten Ziele erhofften.
Daß mein und meiner Regierung heißes Be-mühen in den kritischen Juli- und August-tagen 1914 ausschließlich der Erhaltung des Weltfriedens gegolten hat, wird durch die neusten literarischen aktenmäßigen Veröf-fentlichungen von deutscher und besonders von feindlicher Seite mehr und mehr erhärtet.
Den durchschlagenden Beweis dafür bringt das Wort Sasonows:
„Die Friedensliebe des Deutschen Kaisers bürgt uns dafür, daß wir den Zeitpunkt für den Krieg selbst bestimmen können“.
Was bedarf es noch weiteren Zeugnisses für unsere Unschuld? Das bedeutet: Die Absicht, einen Überfall auf einen Ahnungslosen zu machen. Gott ist mein Zeuge, daß ich, um dem Krieg vorzubeugen, bis an die äußerste Grenze dessen gegangen bin, was ich mit Rücksicht auf die Sicherheit und Unversehrt-heit meines teuren Vaterlandes verantworten konnte.
Von einer Schuld Deutschlands am Kriege kann nicht die Rede sein. Es besteht heute kein Zweifel mehr, daß nicht Deutschland, sondern der Feindbund den Krieg planmäßig vorbereitet und absichtlich herbeigeführt hat.
Zur Verdunkelung dieses Vorgehens hat der Feindbund in dem schmachvollen Friedens-vertrag das unwahre „Schuldbekenntnis“ Deutschlands erzwungen und meine Gestel-lung vor einen feindlichen Gerichtshof verlangt.
Sie, mein lieber Feldmarschall, kennen mich zu gut, um nicht zu wissen, daß mir für mein geliebtes Vaterland kein Opfer zu groß ist. Doch ein Gerichtshof, in dem der Feindbund gleichzeitig Ankläger und Richter wäre, wür-de nicht ein Organ des Rechtes, sondern ein Instrument politischer Willkür sein und nur dazu dienen, durch meine selbstverständliche Verurteilung die uns auferlegten unerhörten Friedensbedingungen nachträglich zu rechtfertigen.
Natürlich war daher das feindliche Ansinnen meinerseits zurückzuweisen. Aber auch meine Gestellung vor ein wie immer zusam-mengesetztes neutrales Gericht kann für mich nicht in Frage kommen. Ich erkenne wegen der Anordnungen, die ich als Kaiser und König, also unverantwortlicher** Re-präsentant der deutschen Nation, nach be-stem Wissen und Gewissen getroffen habe, das strafrechtliche Urteil irgendeines irdi-schen Richters, wie hoch er auch immer gestellt sein mag, nicht an, da ich dadurch die Ehre und Würde des von mir vertretenen deutschen Volkes preisgeben würde.
**) Parlament mit dem Kanzler standen darüber (K.W.)
Ein Schuld-und-Strafverfahren, das sich ausschließlich gegen das Oberhaupt eines der am Kriege beteiligten Staaten richtet, entklei-det diesen Staat jeder Gleichberechtigung mit den anderen Staaten und damit seines Anse-hens in der Gemeinschaft der Völker.
Außerdem würde es von vornherein den von den Feinden beabsichtigten Eindruck er-wecken, als ob es sich bei der ganzen „Schuldfrage“ nur um dieses eine Staatsober-haupt und die eine von ihm vertretene Nation handelte.
Dazu kommt noch, daß eine unparteiische Beurteilung der „Schuldfrage“ ausgeschlossen ist, wenn das Verfahren nicht auch auf die Staatsoberhäupter und leitenden Staatsmän-ner der feindlichen Mächte erstreckt und deren Verhalten der gleichen Kritik unterstellt wird.
Denn das Verhalten des einzelnen Staates bei Ausbruch des Krieges kann selbstverständlich nur unter Berücksichtigung des Vorgehens seiner Gegner richtig bewertet werden.
Eine wirkliche Aufklärung der „Schuldfrage“, woran Deutschland sicher kein geringeres Interesse hätte als seine Feinde, könnte nur in der Weise erfolgen, daß durch eine inter-nationale unparteiische Instanz nicht einzelne Persönlichkeiten strafrechtlich abgeurteilt, sondern alle Vorgänge, die zum Weltkriege geführt haben, ebenso wie alle sonstigen Völkerrechtsverletzungen festgestellt wür-den, um danach das Verschulden der betei-ligten Persönlichkeiten auf Seiten aller krieg-führenden Mächte richtig zu bemessen.
Ein solcher loyaler Vorschlag ist von deut-scher Seite nach Beendigung des Krieges in amtlicher Form gemacht, aber, soweit mir bekannt, von den Feinden teils ablehnend beantwortet, teil überhaupt keiner Antwort gewürdigt worden.
Deutschland hat überdies seine Archive ohne jede Einschränkung geöffnet, während der Feindbund sich bisher wohl gehütet hat, solchem Beispiel zu folgen. Die in Amerika jetzt in Veröffentlichung befindlichen Ge-heimdokumente aus den russischen Archiven sind erst der Anfang dazu.
Schon dieses Verhalten des Feindbundes neben überwältigendem einlaufenden Belastungsmaterial gibt den Fingerzeig dafür, wo die „Schuld am Kriege“ in Wirklichkeit zu suchen ist!
Für Deutschland aber erweist es sich um so mehr als gebieterische Pflicht, mit allen Mitteln alles irgendwie für die „Schuldfrage“ in Betracht kommende Material zu sammeln, zu sichten und zu veröffentlichen, um da-durch die wirklichen Ursachen des Krieges zu entlarven.
Im Befinden I.M. ist leider eine Verschlech-terung eingetreten. Mein Herz krampft sich in schmerzvoller Sorge zusammen.
Ihr dankbarer
gez. Wilhelm