Das Rodło-Zeichen des Bundes der Polen in Deutschland seit 1933 soll den Verlauf der Weichsel darstellen. Es ist in den Farben der National-flagge rot-weiß gehalten.
Bei „Porta Polonica“ lesen wir:
Am 6. März 1938 fand in Berlin der 1. Kongreß der Polen in Deutschland statt. Er war die größte Zusammenkunft der Polen in Deutschland überhaupt.
Am Kongreß nahmen ca. 5.000 Personen aus unterschiedlichen Teilen Deutschlands teil. Trotz der strengen Überwachung von Seiten der NS-Machthaber wurden die Festlichkeiten und Debatten nicht behindert. Am Ende des Kongresses wurden die sogenannten ‚Wahr-heiten der Polen‘, die zum kleinen ‚Dekalog‘ der Polen in Deutschland wurden, veröffentlicht. Sie lauten:
Erste Wahrheit: Wir sind Polen.
Zweite Wahrheit: Der Glaube unserer Väter ist der Glaube unserer Kinder.
Dritte Wahrheit: Ein Pole ist dem andern Polen ein Bruder.
Vierte Wahrheit: Der Pole dient jeden Tag seinem Volk.
Fünfte Wahrheit: Polen ist unsere Mutter – über die Mutter darf man nichts Schlechtes sagen.
Vorbildlich. Für dieses völkische Denken der Polen hatten die Bewacher des Kongresses in Berlin, die deutschen Nationalsozialisten, vollstes Verständnis und dachten nicht daran, die Polen zu stören. 5000 Personen nahmen an dem Kongreß teil.
Was sie nicht wissen konnten: Die fünf Wahrheiten wurden 80 Jahre später auf einer Gedenktafel in Stettin ausgestellt und eingeweiht.
Die Gedenktafel wurde 2018 zum 80. Jah-restag des Ereignisses auf Initiative des Vereins Senat Obywateli Szczecina durch die Stadt Szczecin gestiftet.
Polen hatte, um das deutsche Stettin zu verein-nahmen, die sog. Oder-Neiße-Linie westlich um Stettin herum bis hin nach Swinemünde ausgebogen und dabei auch noch den östlichen Zipfel von Usedom an sich gerissen. An dieser Grenze sitzen heute die polnischen Bewacher schwerbewaffnet den deutschen Strandbesuchern gegenüber. Ich habe selbst einmal diese Grenzidylle auf Usedom „genossen“.
Weiteres über Polen erfahren wir aus einem Bericht, der Adelinde zugesandt wurde:
Adalbert Korfanty (später Wojciech Korfanty) wurde am 20. April 1873 in der Kolonie Sadzawki bei Siemianowitz (Laurahütte) geboren.
Er war Journalist und Abgeordneter des Deutschern Reichstages, später Mitglied des polnischen Sejms.
Nach dem I. Weltkrieg trat er als Freischärler und polnischer Nationalist in Erscheinung. In Polen wird er als Schöpfer der schlesischen Autonomie in der 2. polnischen Republik gesehen.
Korfanty war ursprünglich Mitglied der katholischen Deutschen Zentrumspartei und der erste Abgeordnete, der mit einem Mandat der neugegründeten Polen-Partei (Polnische Nationaldemokratische Partei) seit 1903 bis 1912 Mitglied des Reichstages war.
In der Zeit von 1904 bis 1918 war Korfanty außerdem Mitglied des Landtages in Berlin (bzw. Abgeordneter des Preußischen Land-tages), wo er sich durch sein Eintreten für die Interessen der polnischsprachigen Bevölke-rung in Preußen hervortat.
Kurz vor Ende des I. Weltkrieges plädierte er in seiner Reichstagsrede vom 25. Oktober 1918 für den Anschluß deutscher Ostgebiete an den polnischern Staat.
Grundlage seiner Rede war der 13. Punkt des 14-Punkte-Programms der „offiziellen Friedensziele der Alliierten“ (formuliert von US-Präsident Woodrow Wilson), der die Wiederherstellung eines unabhängigen polnischen Staates vorsah.
Dabei standen aber nicht mehr die historischen Grenzen Polens vor den polnischen Teilungen des 18. Jahrhunderts im Focus, sondern alle
„von einer unbestreitbar polnischen Bevölkerung bewohnten Gebiete“.
Wir sehen hier den Durchbruch der immer wieder auftretenden Unersättlichkeit der Polen wie auch in folgender Tatsache:
Wojciech Korfanty war Organisator der Aufstände in Oberschlesien, die den Anschluß ganz Oberschlesiens an Polen zum Ziel hatten.
Zu den Nachbesserungen des Versailer Vertrages, die die deutsche Regierungsde-legation vor dessen Unterzeichnung erreichen konnte, gehörte die Durchführung einer Volksabstimmung in Oberschlesien. Im Fall eines knappen Stimmenverhältnisses sah der Vertrag die Möglichkeit einer Aufteilung dieses Gebietes vor.
Die polnischen Freikorps Polska Organizacja Wojskowa Górnego Śląska der geheimen Polnischen Militärischen Organisation (POW; Polska Organizacja Wojskowa) lösten am Morgen des 17. August 1919 in Paprotzan (polnisch Paprocany, jetzt Stadtteil von Tychy, damals im zum Kreis Pleß), einen Aufstand aus, der durch die Korps der Schwarzen Reichswehr (Brigade Ehrhardt), in den Kämpfen um Oberschlesien niederge-schlagen wurde.
Das Gebiet wurde in der Folge durch die Interalliierte Regierungs- und Plebiszits-kommission für Oberschlesien verwaltet und Korfanty mit der Organisation der Volksabstimmung beauftragt.
Korfanty konnte die Abstimmung nicht wie geplant verhindern. Bezogen auf das gesamte Abstim-mungsgebiet erbrachte die Abstimmung eine klare Absage an Polen.
Nach der Bekanntgabe des Ergebnisses, das mit 59,6% eine deutliche Entscheidung für den Verbleib Oberschlesiens bei Deutschland erbrachte, setzte Korfanty wiederum auf eine gewaltsame Lösung und löste in der Nacht vom 2. zum 3. Mai 1921 den dritten oberschlesischen Aufstand aus.
In den Kämpfen am St. Annaberg schlug der aus deutschen Freikorps gebildete Selbst-schutz Oberschlesien am 21. Mai 1921 die Freischärler Korfantys endgültig.
Derlei Beispiele ließen sich auch aus anderen bis 1919/1920 preußischen Gebieten auf-zählen. In Masuren, in Westpreußen, in Posen verübten die Polen Anschläge und wendeten brutale Gewalt an, um ihre politischen Ziele zu erreichen und möglichst große Teile des Deutschen Reiches abzuspalten und in den neuen polnischen Staat einzuverleiben.
In der Zeit der Weimarer Republik bzw. um 1935 lebten im Deutschen Reich mehrere Hunderttausend Menschen polnischer Ab-stammung oder mit polnischer Mutter-sprache, insbesondere in Oberschlesien, im Ermland und in Masuren (Ostpreußen), in Hinterpommern, in der Grenzmark Posen-Westpreußen (ab 1938 an Pommern angegliedert) sowie im Ruhrgebiet.
Der 1922 gegründete „Bund der Polen in Deutschland“ (Związek Polaków w Niemczech, abgek. ZPwN) vertrat die Angehörigen der polnischen Minderheit und zählte in den 1930er Jahren schätzungsweise einige zehn-tausend bis über 100.000 organisierte bzw. nahestehende Mitglieder und Unterstützer. [1*]
Die Gesamtzahl der in der Regel deutsch-sprachigen bzw. zweisprachigen Minder-heitenangehörigen lag höher, ergab sich jedoch bereitwilligst der Assimilierung und Eindeutschung. Der Großvater der Angela Merkel liefert hierfür bestes Beispiel.
Der Großvater väterlicherseits von Angela Merkel hieß Ludwik Kazmierczak (später eingedeutscht in Ludwig Kasner). Geboren wurde er am 24.10.1896 in Posen (Provinz Posen, Königreich Preußen).
Im I. Weltkrieg war er deutscher Soldat, der 1915 an der Westfront in französische Ge-fangenschaft geriet. Nach der Kriegsgefan-genschaft trat er in die in Frankreich gebildete Haller-Armee ein und wurde an der deutschen Westfront eingesetzt. [2*]
(Die auch Haller-Armee genannte Blaue Armee, polnisch offiziell Armia Polska we Francji, „polnische Armee in Frankreich“, sowie Błękitna Armia, wörtlich „Himmelblaue Armee“) war der Name der auf Seiten der Entente kämpfenden polnischen Streitkräfte, die im Juni 1917 gebildet wurden.)
[1*] Der „Bund der Polen“, der seinen Sitz in Berlin hatte, bestand anfänglich aus 4, ab 1923 bereits aus 5 und ab 1938 aus 6 Landesverbänden (Dzielnice): I Schlesien (mit Sitz in Oppeln), II Mitteldeutschland (Berlin), III Westfalen (Bochum), IV Ermland und Masuren (Allenstein) und V Kreis Flatow-Land, Kreis Bomst und Kaschubei. Zu Beginn der 1930er-Jahre zählte der ZPwN 40.000 Mitglieder, wobei der Bezirk III (Westfalen) mit 16.000 Mitgliedern am stärksten war. Die dortigen polnischen Aktivisten spielten eine bedeutende Rolle bei den Unternehmungen der Organisation.
[2*] Ludwig Kasner (urspr. Ludwik Kazmierczak) wurde unehelich als Sohn von Ludwik Wojciechowski und Anna Kaźmierczak (1867–1943), beide ethnische Polen, geboren. Seine Mutter war die Tochter von Bartłomiej Kaźmierczak (geb. 1828) und Apolonia Bielejewicz (1826–1903). Der Name Kaźmierczak leitet sich von Jan Kaźmierczak ab, einem Polen aus dem 18. Jahrhundert aus der Gegend von Posen. Ludwig Kazmierczak diente bis zum Ende des Ersten Weltkriegs in der polnischen Haller-Armee, danach in der neu gebildeten polnischen Armee und war Kriegsteilnehmer im polnisch-ukrainischen Krieg und im polnisch-sowjetischen Krieg.
1921 schied er aus der polnischen Armee aus. Zwei Jahre später, 1923, zog Kasner nach Berlin, wo er in den Polizeidienst eintrat und zweimal befördert wurde. Er erreichte den Rang eines Hauptwachtmeisters.
1930 änderten Kasner und seine Familie offiziell ihren Nachnamen von ihrem Ge-burtsnamen Kaźmierczak. Kasner deutschte zudem seinen Namen von Ludwik zu Ludwig, was damals üblich war, um sich in die deutsche Gesellschaft zu integrieren. Trotzdem hielt die Familie weiterhin Kontakt zu ihren polnischen Verwandten und pflegte gute Beziehungen. 1933 wurde Kasner aufgrund seiner Einstufung als „politisch unzuverlässig“ eingestuft und gezwungen, seinen Dienst bei der Berliner Polizei zu quittieren. 1943 trat Kasner zusammen mit seinem Sohn Horst in die Deutsche Wehrmacht ein.
Im II. Weltkrieg dienten insgesamt 500.000 ethnische Polen in der Deutschen Wehrmacht. Diese stammten jedoch überwiegend aus den 1939 gebildeten Angliederungsgebieten der sog. Neuen deutschen Ostgebiete (Regierungsbezirk Zichenau, Oberschlesien, Westpreußen, Reichsgau Wartheland). Diese polnischstämmigen deutschen Soldaten wurden über die „Deutsche Volksliste“ (Gruppe 3) erfaßt und zum Wehrdienst verpflichtet. 90.000 überlebten die Kriegszeit.
Der 1. Kongreß der Polen in Deutschland fand am 6. März 1938 in Berlin statt (siehe oben), wo die oben erwähnten „Wahrheiten“ verkündet wurden.
… Nach Berlin zogen – oft in Trachten – Polen aus Oberschlesien (Oppelner Schlesien), aus dem Kreis Bomst (Grenzmark Posen-West-preußen), aus der Kaschubei in Hinterpom-mern, aus dem ostpreußischen Ermland, dem Marienburger Land (Regierungsbezirk Westpreußen, bis 1939 zu Ostpreußen), aus Gebieten an der Elbe, aus Westfalen und dem Rheinland.
Es kamen auch Delegierte der polnischen Organisationen aus Frankreich, der Tsche-choslowakei, den USA, Rumänien und anderen Ländern sowie die Vertreter anderer nationaler Minderheiten in Deutschland. Jeder Teilnehmer übernahm selbst die Fahrt-, Übernachtungs- und Verpflegungskosten.
Der Sonntag war ein Sonnentag, auf den Straßen Berlins waren die weiß-roten Farben zu sehen. Bald gab es im Theater des Volkes keine Plätze mehr. Der Kongreß wurde am Mittag eröffnet.
In der Mitte der Bühne stand das übergroße Rodło-Zeichen, auf der linken Seite die Muttergotteskapelle (sie wurde im Anschluß an den Kongreß nach Sakrau (jetzt Zakrzów) gebracht).
Auf der rechten Seite stand das Rednerpult und hinter ihm ein Lindenblatt, das Zeichen der polnischen Jugend in Deutschland. Der Kongreß wurde durch eine Polonaise eröffnet, die Aleksander Sienkiewicz dirigierte.
Den Eröffnungsvortrag hielt der Präses des „Bundes der Polen in Deutschland“, Pfarrer Dr. Bolesław Domański. Es wurde das Rodło-Lied gesungen. Auf die Bühne kamen später fünf junge Leute, die die fünf Abteilungen des Bundes symbolisierten: Schlesien, Berlin. Elbegebiet, Westfalen und Rheinland, Ost-preußen, Region Bomst, Meseritzer Land und die Kaschubei.
Im Eröffnungsvortrag sprach Pfarrer Domański über das Vaterland und die Einheit der polnischen Nation. Später wurden Gruß-worte des Primas Kardinal August Hlond verlesen. Zu Wort meldeten sich unter-schiedliche Personen, wie der Vertreter des „Verbandes der Nationalen Minderheiten in Deutschland“.
Den offiziellen Teil schloß die Rede des Generalsekretärs des „Bundes der Polen in Deutschland“, Dr. Jan Kaczmarek, ab. Er widmete seine Aufmerksamkeit der Lage der Polen im Deutschen Reich und dem Kampf um die Achtung und Anerkennung der Rechte der polnischen Minderheit in diesem Land. Seine Rede wurde mehrmals von Beifall unterbrochen. Er schloß sie mit den Worten:
„Am 6. März 1938 geben wir, die Söhne der polnischen Nation, treue Söhne unter dem Rodło-Zeichen versammelt, auf dem großen Kongreß der Polen in Deutsch-land, feierlich die fünf Wahrheiten der Polen bekannt …“ (s. oben).
Diese Sätze wurden zum „Dekalog“ der Polen in Deutschland. In den nächsten Monaten verbreiteten sie alle polnische Radiosender und die Presse. Im Senat der Republik Polen sprach am 9. März 1938 der Senator aus Posen, Witold Jeszke, wie folgt:
„Der Kongreß in Deutschland war ein stolzes und würdiges Fest. Auf diesem Kongreß wurden die Wahrheiten der Polen feierlich verabschiedet. Von diesen Wahrheiten sollten sich nicht nur die nationalen Minderheiten leiten lassen, wo sie sich auch immer befinden, sondern sie sollten ein Beispiel für alle Polen sein…“.
Der Kongreß sollte von einem Berliner Sen-der, dem Deutschlandsender, mit dem der Polnische Sender (Polskie Radio) einen Vertrag geschlossen hatte, aufgenommen werden. Die Mitarbeiter des Deutschland-senders kamen erst Mitte des Kongresses. Am nächsten Tag informierten sie die verblüfften Veranstalter, daß aufgrund technischer Probleme mit den Aufnahmegeräten der
„Verlauf des Kongresses nicht aufgezeichnet wurde“.
Zum Glück hatten die Veranstalter parallel zu der Abmachung mit den Deutschen eigene Aufnahme veranlaßt. Die Aufnahmegeräte wurden im Theatersaal geheim installiert.
Im Berliner Studio der schwedischen Firma Mix/Goernes haben der Techniker Antoni Brzozowski und der Redakteur Edmund Osmańczyk das Material gesichtet und mon-tiert: eine 30-Minuten-Reportage für den Radiosender und eine 60-Minuten-Doku-mentaraufnahme für ein Schallplattenalbum.
Eine Woche später wurde das Material gesendet, und die Schallplatten in einer Auflage von 500 Exemplaren wurden in Deutschland und im Ausland vertrieben.
Der Kongreß stellte die Organisationsfähig-keiten des „Bundes der Polen in Deutschland“ sowie die Mobilisierung und die Einheit seiner Mitglieder unter Beweis. Er belebte die Tätig-keit der Organisation in den Regionen, mani-festierte die Lebendigkeit der nationalen Zugehörigkeit der Polen in Deutschland.
Quelle: https://www.porta-polonica.de/de/atlas-der-erinnerungsorte/der-erste-kongress-der-polen-deutschland-1938