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„Die Muse im Gulag“ – 4. Teil

Die schönsten Träume von Freiheit
werden ja im Kerker geträumt.
Friedrich Schiller

Unsere deutschen Kriegsgefangenen, lügenhaft als „Faschisten“ und „Kriegsverbrecher“ bezeichnet, waren vom „bösen Nachbarn, dem es nicht gefiel, daß die Deutschen zum inneren Frieden gefunden“ und das Volk wie-der zu sich selbst geführt sowie ihre Wirtschaft auf gesunde Füße gestellt hatten, nach dem Sieg der „ruhmreichen Sowjetunion“ nach ihrem „vaterlän-dischen (Verteidigungs-)Krieg“, der in Wirklichkeit ein geplanter Angriffskrieg war, in die Sowjetunion als „Kriegsgefangene“, in Wirklichkeit allerbilligste Arbeitskräfte für Stalins Großprojekte verschleppt worden.

Im Gulag von Stalingrad kam es zu musischen Be-tätigungen nach 10-12-stündiger Schwerstarbeit dazu, daß sich Hochbegabte unter den deutschen Gefangenen zu musischen Veranstaltungen aller-erster Güte zusammenfanden. In den vorherigen 3 Folgen ist darüber berichtet worden. Hier wollen wir davon lesen, wie alles endete. 

Das literarische Programm war überaus reichhaltig. So kam schließlich auch die Operette „Die Fleder-maus“ von Johann Strauß zur Aufführung, ein Riesenspaß.

Ein Kamerad, der womöglich nur durch unser Theater, durch die Muse im Gulag, animiert worden ist, in Freiheit jemals ins Theater zu gehen, sagte Jahre nach der Gefangenschaft einmal:

„Ich habe in Köln zu Sylvester die ,Fle-dermaus‘ gesehen, die war nicht halb so gut wie eure Aufführung in Stalingrad!“

Das war nun wirklich übertrieben, denn die winzige Bühne und die fehlenden technischen Ausrüstungen ließen einen solchen Vergleich zwischen Stalingrad und Köln gar nicht zu. Die Aussage des Kameraden belegt aber deutlich, wie tiefgehend wirksam die Muse im Gulag Stalingrad gewesen sein muß und welch bleibenden Wert sie für die Seele eines jeden der Gefangenen hatte.

Erbauung hieß es noch zu Zeiten des klassi-schen Theaters an Stelle von Erziehung oder gar Umerziehung. Die Muse hatte die Trübsal des Gefangenendaseins besiegt und wirkte fort bis heute in unser aller Erinnerung, viel-leicht hat sie manchem Schwachen auch das Überleben, wenn nicht gesichert, so doch leichter gemacht.

… der Organisator, Mädchen für alles, war auch noch der Requisiteur und mußte von Werkstatt zu Werkstatt und von Bastler zu Bastler rennen. Geld für die Bezahlung hatte er nicht, nur gute Worte. Ja, er mußte auch meist noch die Rohstoffe stellen oder von den Arbeitsbrigaden organisieren lassen.

Aus Blech, Kupferrohr, Messing und Stahl, aus bunten Glasscherben, aus abgebrochenen Stielen farbiger Zahnbürsten wurden wahre Kunstwerke an Schmuck, Putz, Ringen und Orden hergestellt. Vieles kam unter den Trümmern Stalingrads hervor, doch das meiste mußte ganz einfach geklaut oder erst hergestellt werden.

… Nun wurde gewerkelt, gebastelt, geschnei-dert, gebaut und gepinselt. Die Bühnenbilder wurden nach den Vorlagen vom „Reibübi“, dem ehemaligen Reichsbühnenbildner, un-serem Kameraden Benno von Arent, Berlin, unter dem tätigen Beistand der Grafiker und Maler Willi Clarmann, Wiesbaden, und Horst Kluger, Kiel, die die Kulissen zu bemalen hatten, entworfen und als bindende Vorlagen zu Papier gebracht.

Nach den Figurinen von Benno wurden die Kostüme stilgerecht in der Schneiderei genäht, und der Meister Fritz Timm, Lübeck, kam gehörig ins Schwitzen.

Mit den vielen Paketen aus der Heimat, dirigiert durch heimlichen Code an die Angehörigen, waren inzwischen nicht nur Buntstifte und Aquarellfarben zum Tausch-handel, sondern auch für die Bühne in die Hand der Künstler gelangt …

Nicht nur die Singstimmen für die Frauen-rollen mußten transponiert werden, auch die unserer Tenöre …

Unser Fußballstar, Edwin Bretz, Kaiserslautern …, hatte mit Norbert Rencher und Kleinwäng-ler die Choreographie für das Fledermaus-Ballett entwickelt und mit sieben (männli-chen!) Balletteusen und dem Ballettmeister Heinz Spiekermann einstudiert.

Dieses Ballett, wegen seiner Kostümierung eher flatternden Rebhühnern gleich, wurde im derben Bühnen-Jargon dann auch nur so gerufen. Wenn sie zur Probe auf die Bühne mußten, dann hieß es nur: „Die Rebhühner Marsch auf die Bühne!“

Aber sie machten ihre Sache gut in der Szene beim Fest des Fürsten Orloffski. Allen voran die Primaballerina, Siegfried Jahn, der heute als solche nicht mehr auftreten könnte wegen seines kleinen Bäuchleins. Aber das trifft auch für alle Akteure zu, wie Peter Grosse, Hamburg, und die anderen, die in Mehrzahl schon nicht mehr unter den Lebenden sind.

Wenn anfangs nur drei Vorstellungen geplant waren, so wurden es schließlich sechs. Ein Jubel ohnegleichen …

Es gab frenetischen Beifall, vor den Fenstern hingen Trauben von Gefangenen, die kaum etwas sehen konnten, allein die göttliche Muse der Musik hatte alle herbeigerufen. Es war Hochsommer, und alle Fenster standen offen.

Die Russen staunten und applaudierten den Darstellern, wie den Musikern überschweng-lich. Den Faschisten und vermeintlichen Kriegsverbrechern, den „bösen Nemzes“, hätten sie niemals applaudiert. Ihr politisches Gewissen hätte ihnen das verboten. Doch hier allein hatte die Muse über jeden Haß gesiegt, die Muse im Gulag war stärker als die verordnete Doktrin.

Die Premiere lief bravourös. Die Arien, die von Männern in Frauenrollen gesungen wurden, und eigens für die Männer wieder transponiert worden waren, klangen wie im Original. Alle hatten wirklich ihr Bestes ge-geben. Manche Zuschauer wollten kaum glauben, daß hinter den Frauenrollen Männer standen.

Der besoffene Gefängniswärter Frosch, Karl Pütz, lief zu unwahrscheinlicher Komik auf, allein dessen Szene mußte während der Premiere zweimal wiederholt werden.

Das Orchester war weiter gewachsen. Unser Klavier konnte neuerdings mit drei fähigen Pianisten im Wechsel besetzt werden … Weitere Geigen …, ein zweites Cello …, ein weiterer Kontrabaß, beide im Eigenbau er-stellt, ein Saxophon, eine zweite Trompete und Posaune, ein chromatisches Accordeon … und ein diatonisches Accordeon …, eine Konzertflöte, eine Klarinette und eine Flöte, ja sogar eine Okarina waren dem Orchester zugewachsen.

Mit den Laienmusikern … und weiteren musikkundigen Kameraden glich das große Orchester fast einem „Sinfonischen“.

… ein Friseurmeister war auch gleichzeitig unser Theaterfriseur und für die Perücken wie die Masken, also auch fürs Schminken zu-ständig. Echte Schminke gab es natürlich nicht, die mußte erst mit Staufferfett (Wagen und Achsenschmiere) aus den Fabriken oder die bessere mit Vaseline aus der Ambulanz hergestellt werden.

Jede Aufführung der Fledermaus brachte mindestens sieben Vorhänge und freneti-schen Beifall. Alle Russen waren aufgestan-den und zollten den „faschistischen Kriegs-verbrechern“ wiederholt auf der Bühne stehend Beifall.

Major Orlow kam persönlich ins Bühnen-zimmer und lobte die dort Versammelten, den Orchesterleiter den Regisseur, den Intendanten und ließ noch den Elektriker herbeirufen, um zu fragen, wo denn das ganze Licht hergekommen sei, was dieser mit dem lapidaren Satz: „Das haben die Männer besorgt“ beantwortete.

So wuchs allmählich die Achtung der „Bürger der ruhmreichen Sowjetunion“, der Russen, vor den „Faschisten und Kriegsverbrechern“, die dann auch einmal ein russischer Offizier (versehentlich?) als „Deutsche“ bezeichnete. Die Deutschen trauten ihren Ohren nicht. Es kam dann auch vor,

daß einer unserer Ärzte schon mal nach draußen gerufen wurde, um einem „höheren Parteigenossen“ auch mal zu friedvollem Stuhlgange zu verhelfen oder daß an Kindern unserer Bewacher auch mal eine kleine Ope-ration vorgenommen wurde, das wußten wir schon, doch Geigenunterricht von einem sogenannten Kriegsverbrecher, das war nun wirklich neu. 

Und so kam es, daß unser Konzertmeister Peter Monnet aus Köln zweimal in der Woche mit einem Jeep abgeholt wurde, um in der Wohnung des Kommandanten dessen Töch-terlein zu virtuosem Violinspiel zu drillen. Sichtlich angeheitert und mit vollem Magen zurück, warf sich Peter dann Stunden später immer auf die Pritsche.

Von dieser Zeit an war die erste Sitzreihe in unserem Theater immer voll besetzt, und dort saßen nur Russen. Das war ein Privileg in stiller und schon selbstverständlicher Verein-barung. Und wenn die widerrechtlich gefan-genengehaltene Kreatur, der Mime, von der Bühne in den Saal auf seine Kerkermeister in der ersten Reihe blickte, dann war das schon eine erstaunliche Situation, die zur klassischen Komödie wurde, wenn die Kerkermeister den Verurteilten auch noch frenetischen Beifall spendeten.

Hier wurde die russische Volksseele deutlich. Das vollendete Spiel und die meisterliche Musik waren die Zauberer, die den Kerker-meistern ihre verordnete und eingeimpfte Handlungsweise vergessen ließen. Nun ka-men sie zu allen Vorstellungen und brachten stolz auch ihre Frauen mit, ja selbst das musikalische Töchterlein. 

Was hätte wohl Stalin dazu gesagt? Vermutlich nur ein knappes Wort: „Liquidieren!“

… Die Muse hatte sich im Gefangenenlager endgültig etabliert … „Aufhören, Aufhören! Wir wollen nach Hause!“ schrie das Gewissen dazwischen. Es wollte nicht, daß das noch Jahre dauern sollte …

Major Orlow war noch einmal in der Fleder-mausvorstellung erschienen. Diesmal kam er allein und bemühte sich anschließend wieder in das Bühnenzimmer, um … nach Details zu fragen und um die Leistungen der Musiker und Darsteller erneut zu loben. Seine unver-hohlene Bewunderng gipfelte schließlich in dem Satz:

„Ach, ihr Deutschen mit eurem Organi-sationstalent! Wenn ihr nur an die Sowjetmacht glauben würdet. Ihr mit eurem Organisationstalent und wir mit unseren ungeheuren Ressourcen an Menschen und Rohstoffen, wenn wir zusammengehen würden, wir könnten die ganze Welt beherrschen!“

Darauf der Optimist und Bühnenorganisator:

„Die Welt beherrschen? Nein! Nein! Von Beherrschungsgelüsten sind wir völlig frei! Schickt uns in Frieden nach Hause, nur so könnt ihr euch mit uns und Deutschland versöhnen!“

Da stand der indoktrinierte Major auf und brummte nur „Short poberija!“ („Hol‘s der Teufel“) und verschwand …

Als sie sich Jahrzehnte später in Deutschland trafen, meinte der 

hochdekorierte „Held der Sowjetunion“ sinnierend …

„Kommen Sie wieder, Gospodin Mayer, zwischen Deutschland und Rußland liegt kein Ozean!“

Heute sehen wir von einem sog. Bundeskanzler – von der international tätigen Investmentgesellschaft mit Sitz in New York „BlackRock“ abhängig – die Inter-essen des eigenen Landes mit Füßen treten, indem er unser Volk und Land hochverschuldet hat, um mit unserem Geld den Krieg gegen Rußland zu befeuern. 

Was die kriegsgefangenen deutschen Soldaten mit ihrer Muse im Gulag aufgebaut haben, das macht Friedrich Merz nieder zum Schaden Rußlands und Deutschlands.

So offensichtlich und tollwütig hat es bisher noch kein Politiker in Deutschland zu treiben gewagt.

 

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