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Thomas Engelhardt

vermittelt im Folgenden die Möglichkeit, in eine „Welt“ der religiös begründeten Raff- und Weltherrschaftsgier in Ost und West zu blicken:

Die Chabad-Lubawitscher und Chassidim in Rußland und in den Vereinigten Staaten:

Der nachstehende bereits 2017 im Politico-Magazin[1] veröffentlichte Beitrag erscheint sauber recherchiert. Jedoch nur vordergrün-dig. Bei genauerer Betrachtung erweisen sich etliche der genannten Verknüpfungen und dargestellten Zusammenhänge konstruiert oder zumindest als Fehlinterpretationen. Darauf deuten beispielsweise Formulierungen des Autors hin wie „soll Berichten zufolge …“. Lesenswert und aufschlußreich ist er dennoch.

Am 26.10.2026 wurde der Beitrag von dem privaten Informationsdienst Medienmonitor (Michael Wolski/Berlin) erneut veröffentlicht. Ben Schreckinger, geboren 1990, ist ein US-amerikanischer Journalist und Autor und war zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des Beitrags politischer Korrespondent des Politico Magazine. 

Die im Beitrag feststellbare Tendenz einer Überhöhung der Chassidim ist zu relativieren. Innerhalb des orthodoxen Judentums haben die Chassidim nur eine untergeordnete Bedeutung.[2] Die chassidische Bewegung stellt eine der spirituellen Strömungen des orthodoxen Judentums dar und hat ihren Schwerpunkt heute in der Diaspora, namentlich in den Vereinigten Staaten.

Die Chabad-Lubawitscher wiederum stellen innerhalb der chassidischen Bewegung lediglich einen Flügel bzw. eine Gruppierung dar. Innerhalb des gläubigen Judentums gelten die Lubawitscher als Sekte.[3] Gegründet wurde diese vor mehr als  250 Jahren im russisch-weißrussischen Raum.[4] Der Gründungsort Ljady lag seinerzeit im russischen Gouvernement Witebsk und liegt heute in Weißrußland, unmittelbar an der russischen Grenze.[5]

Der Name Chabad stellt ein hebräisches Akronym für die geistigen Kräfte Chochma (Weisheit), Bina (Verstehen) und Da’at (Wissen) dar. Lubawitsch ist der Name des früheren Hauptsitzes der Sekte, eines Dorfes im belorussischsprachigen Teil Westrußlands (Gebiet Smolensk)[6], was in der Übersetzung „Stadt der Bruderliebe“ bedeutet.

Die Lubwawitscher sind nicht, wie der Autor schreibt, im heutigen Litauen entstanden. Die Sekte hat auch keineswegs sechsstellige Anhängerzahlen. Die chassidische Bewegung der Lubawitscher zeichnet sich heute insbesondere durch den Betrieb und die Unterhaltung religiöser Einrichtungen, auch in der BRD, aus.

Ein internationales Netzwerk lokaler Zentren, Schulen, Synagogen und der sogenannten Schluchim (Gesandten) widmet sich in der Hauptsache der Förderung jüdisch-orthodo-xen Lebens.[7] Insofern sind auch alle Vermutungen, die Chassidim, die heute wieder in der Ukraine aktiv sind, würden, das chasarische Erbe antretend, ein jüdisches Staatsgebilde in der Ukraine neu errichten wollen, in das Reich der Phantastereien zu verlegen.[8]

 

Putin mit Chabat Lubawitschern im Kreml (Ghetty)

Korrekt aber ist die Darstellung, daß es den Lubawitschern gelang, im heutigen Rußland eine herausragende Stellung, die entspre-chende Bedeutung und großen Einfluß zu erlangen. Die Chabad-Lubawitscher bilden heute das institutionelle und religiöse Rückgrat des orthodoxen Judentums in Rußland.[9]

Die chassidische Bewegung stellt dabei über die Föderation Jüdischer Gemeinden Rußlands (FEOR) die einflußreichste jüdische Kraft dar und hat sich eine staatlich privilegierte Position gesichert.

Der der Chabad-Bewegung angehörende Rabbiner Berel Lazar[10] wird von der russi-schen Regierung offiziell als Oberrabbiner Rußlands anerkannt. Er gilt seit Jahren als loyal zum Kreml und vertritt die jüdische Gemeinschaft bei staatlichen Anlässen.

Durch die mit dem Kreml geschlossene Allianz konnte Chabad andere jüdische Strömungen wie das nicht-chassidische, eher liberale oder traditionelle Judentum unter Pinchas Goldschmidt[11] organisatorisch und beim Zugang zu staatlich kontrollierten Immobilien in den Hintergrund drängen und deren Bedeutung marginalisieren. Chabad betreibt heute in Rußland tatsächlich ein großes Netzwerk, das weit über die religiöse Praxis hinausreicht. (Thomas Engelhardt)

Die unbeschwerte jüdische Gruppe, die Trump und Putin verbindet. Wo Trumps Immobilienwelt auf einen hochrangigen religiösen Verbündeten des Kremls trifft

Von Ben Schreckinger | 9. April 2017

Das Chabad-Zentrum von Port Washington, ein jüdisches Gemeindezentrum an der Manhasset Bay auf Long Island, befindet sich in einem gedrungenen Backsteingebäude gegenüber einer Shell- Tankstelle und einem Einkaufszentrum.

Das Zentrum ist ein unscheinbares Gebäude in einer unscheinbaren Straße – bis auf eine Besonderheit: Einige der kürzesten Wege zwischen Donald Trump und Wladimir Putin führen direkt hindurch. Vor zwei Jahrzehnten, als der russische Präsident seine Macht auf der einen Seite der Welt festigte, begann er mit dem Projekt, die bestehende jüdische Zivilgesellschaft seines Landes zu verdrängen und durch eine ihm treu ergebene Parallelstruktur zu ersetzen.

Auf der anderen Seite der Welt arbeitete ein draufgängerischer New Yorker Immobili-enentwickler daran, sich ein Stück vom Kuchen der massiven Kapitalströme zu sichern, die aus der ehemaligen Sowjetunion abflossen, um im Westen, insbesondere in Immobilien, nach sicheren Anlagen zu suchen. Er suchte in New York nach Partnern mit Verbindungen in die Region.

Ihre jeweiligen Ambitionen führten dazu, daß die beiden Männer – zusammen mit Trumps zukünftigem Schwiegersohn Jared Kushner – ein Netz enger, sich überschneidender Beziehungen in einer kleinen Welt knüpften, die sich mit Chabad, einer internationalen chassidischen Bewegung, überschneidet, von der die meisten Menschen noch nie gehört haben.

Ab 1999 beauftragte Putin zwei seiner engsten Vertrauten, die Oligarchen Lew Lewiw und Roman Abramowitsch, die später zu den größten Förderern von Chabad weltweit werden sollten, mit der Gründung der Föderation Jüdischer Gemeinden Rußlands unter der Führung von Chabad-Rabbiner Berel Lazar, der später als „Putins Rabbiner“ bekannt werden sollte.

Einige Jahre später suchte Trump nach russischen Projekten und Kapital, indem er sich mit der von den sowjetischen Emigranten Tevfik Arif, Felix Sater und Tamir Sapir geführten Partnerschaft Bayrock-Sapir zusammentat – die enge Verbindungen zu Chabad pflegen. Die Unternehmungen des Unternehmens führten zu mehreren Betrugsklagen und strafrechtlichen Ermittlungen gegen ein Wohnbauprojekt in Manhattan.

Unterdessen intensivierten sich die Verbindungen zwischen Trump und Chabad immer weiter. 2007 richtete Trump die Hochzeit von Sapirs Tochter und Levievs engstem Vertrauten in seinem Anwesen Mar-a-Lago in Palm Beach aus. Wenige Monate nach der Zeremonie traf sich Leviev mit Trump, um mögliche Geschäfte in Moskau zu besprechen.

Trump inmitten jüdischer Freunde (ghetty)

Anschließend richtete er die Beschneidungs-zeremonie (Bris) für den ersten Sohn des Paares an der heiligsten Stätte des Chabad-Judentums aus. Trump nahm an der Zeremonie zusammen mit Kushner teil, der später ein 300 Millionen Dollar teures Gebäude von Leviev erwarb und Ivanka Trump heiratete. Diese pflegte eine enge Beziehung zu Abramowitschs Frau Dasha Schukowa. Schukowa empfing das Paar 2014 in Rußland und soll Berichten zufolge als deren Gast an Trumps Amtseinführung teilgenommen haben.

Dank dieser transatlantischen Diaspora und einiger weltenbummelnder Immobilienmo-gule wirken der Trump Tower und der Rote Platz in Moskau mitunter wie ein und dasselbe, eng verbundene Viertel. Doch seit Trump im Oval Office seinen Wunsch geäußert hat, die Weltordnung durch verbesserte Beziehungen der USA zu Putins Regierung neu auszurichten – und das FBI mögliche unzulässige Absprachen zwischen Trumps Mitarbeitern und dem Kreml untersucht –, hat diese kleine Welt plötzlich überragende Bedeutung erlangt.

Trumps Art von Juden

Die 1775 in Litauen gegründete Chabad-Lubawitsch-Bewegung zählt heute fünf- oder vielleicht sechsstellige Anhängerzahlen. Was ihr an Mitgliedern fehlt, macht sie durch ihren Enthusiasmus wett, denn sie ist bekannt für die Ausübung einer besonders freudvollen Form des Judentums.

Mort Klein, Präsident der Zionistischen Organisation von Amerika, erinnerte sich daran, wie ihm diese Eigenschaft bei einer Familienhochzeit besonders deutlich wurde. Die beiden Tische, an denen seine Cousins, Chabad-Rabbiner, saßen, stellten die übrigen Gäste in den Schatten.

„Die tanzten wie die Wilden. Ich dachte erst, sie wären schwarz. Dabei tragen sie nur Chabad-Hüte“,

sagte Klein und bezog sich dabei auf ihre traditionelle chassidische Kleidung.

Trotz seiner geringen Größe hat sich Chabad zur weltweit größten jüdischen Institution entwickelt und ist in über 1.000 Städten vertreten, darunter auch in Metropolen wie Kathmandu und Hanoi mit nur wenigen jüdischen Einwohnern.

Die Bewegung ist bekannt für ihre Außenstellen, die sogenannten Chabad-Häuser, die als Gemeindezentren dienen und allen Juden offenstehen.

„Selbst in den entlegensten Städten der Welt gibt es einen McDonald’s und ein Chabad-Haus“,

erklärte Ronn Torossian, ein jüdischer PR-Manager aus New York.

Chabad-Anhänger unterscheiden sich von anderen chassidischen Juden in zahlreichen kleinen Bräuchen, darunter die Vorliebe der Chabad-Männer, Filzhüte statt Pelzmützen zu tragen. Viele Anhänger glauben, daß der letzte lebende Anführer der Bewegung, Rabbi Menachem Mendel Schneerson, der 1994 starb, der Messias ist, und einige glauben sogar, er lebe noch. Chabad-Anhänger sind laut Klein auch „bemerkenswerte“ Spendensammler.

Da Chabad der jüdischen Welt am nächsten an Evangelisierung kommt – ein Großteil ihrer Arbeit ist darauf ausgerichtet, Juden auf der ganzen Welt stärker in das Judentum einzubinden – betreut Chabad viel mehr Juden, die keine vollwertigen Anhänger sind.

Laut Schmuley Boteach, einem prominenten Rabbiner in New Jersey und langjährigen Freund des demokratischen Senators Cory Booker, bietet Chabad Juden eine dritte Möglichkeit, ihre religiöse Identität zu leben.

„Als Jude hat man drei Möglichkeiten“, erklärte er. „Man kann sich assimilieren und sich nicht sehr stark einbringen. Man kann religiös und orthodox sein, oder es gibt eine dritte Möglichkeit, die Chabad für Menschen bietet, die nicht den vollständig orthodoxen Weg gehen, aber dennoch im traditionellen Spektrum bleiben möchten.“

Dieser dritte Weg könnte die Affinität erklären, die Trump zu einer Reihe von Chabad-Anhängern gefunden hat – Juden, die das liberale Reformjudentum zugunsten des Traditionalismus ablehnen, aber nicht streng fromm sind.

„Es ist nicht überraschend, daß sich Menschen mit Trump-Gesinnung bei Chabad engagieren“, sagte Torossian. „Chabad ist ein Ort, an dem sich starke, selbstbewußte Juden wohlfühlen. Chabad ist ein Ort ohne Vorurteile, an dem sich auch Menschen wohlfühlen, die nicht traditionell sind und sich nicht an die Regeln halten.“

Er faßte die Chabad-Haltung, die weniger streng ist als die orthodoxe, mit folgendem Satz zusammen:

„Wenn du nicht alle Gebote halten kannst, halte so viele wie möglich.“

Torossian, der sich zufällig als Freund und PR-Manager von Sater bezeichnete, erklärte außerdem, daß diese Ausgewogenheit besonders für Juden aus der ehemaligen Sowjetunion attraktiv sei, die die Verbindung traditioneller Elemente mit einer liberalen Haltung gegenüber der religiösen Praxis schätzten.

„Alle russischen Juden gehen zu Chabad“, sagte er. „Russische Juden fühlen sich in einer liberalen Synagoge nicht wohl.“

Putins Art von Juden

Die Hinwendung des russischen Staates zu Chabad war, wie so vieles in Putins Rußland, das Ergebnis eines Machtkampfes zwischen verschiedenen Fraktionen. 1999, kurz nach seinem Amtsantritt als Ministerpräsident, beauftragte Putin Abramowitsch und Lejew mit der Gründung des Verbandes Russischer Jüdischer Gemeinden.

Dessen Ziel war es, den bestehenden Dachverband der russischen jüdischen Zivilgesellschaft, den Russischen Jüdischen Kongreß, unter der Führung des Oligarchen Wladimir Gusinski, zu schwächen – ein potenzieller Feind Putins und Präsident Boris Jelzins.

Ein Jahr später wurde Gusinski von Putins Regierung verhaftet und ins Exil gezwungen. Zu jener Zeit hatte Rußland bereits einen vom Russischen Jüdischen Kongreß anerkannten Ober-rabbiner, Adolf Schajewitsch. Doch Abramowitsch und Lejew setzten Chabad-Rabbiner Lazar an die Spitze ihrer rivali-sierenden Organisation. Der Kreml entfernte Schajewitsch aus seinem Religionsrat und erkennt seither Lazar als Rußlands Oberrabbiner an, wodurch das Land zwei rivalisierende Anwärter auf diesen Titel hat.

Die Allianz zwischen Putin und Chabad hat beiden Seiten Vorteile gebracht. Unter Putin wurde Antisemitismus offiziell bekämpft – ein Bruch mit jahrhundertelanger Diskriminie-rung und Pogromen – und die Regierung hat eine staatlich anerkannte Version jüdischer Identität als willkommenen Bestandteil der Nation akzeptiert.

Mit Putins Festigung seiner Macht in Rußland wurde Lazar spöttisch als „Putins Rabbi“ bezeichnet. Er begleitete den russischen Präsidenten zur Klagemauer in Jerusalem und nahm an der Eröffnungsfeier der Olympi-schen Spiele in Sotschi teil, Putins Prestige-projekt, und zwar am jüdischen Sabbat.

Putin revanchierte sich, indem er Lazar den Zutritt zum Stadion ermöglichte, ohne daß dieser sich den Sicherheitskontrollen unterziehen mußte, die gegen die Schabbat-Regeln verstoßen hätten.

Im Jahr 2013 wurde in Moskau unter der Schirmherrschaft von Chabad und mit finanzieller Unterstützung von Abramowitsch ein 50 Millionen Dollar teures Jüdisches Museum und Toleranzzentrum eröffnet. Putin spendete einen Monatslohn für das Projekt, während der Inlandsgeheimdienst FSB, der Nachfolger des KGB, relevante Dokumente aus seinen Archiven zur Verfügung stellte.

Im Jahr 2014 war Lazar der einzige jüdische Anführer, der bei Putins triumphaler Verkündung der Annexion der Krim anwesend war.

Doch der Rabbiner mußte für seine Treue zu Putin einen hohen Preis zahlen. Seit der Annexion hat seine anhaltende Unterstützung des russischen Autokraten zu einem Bruch mit den Chabad-Führern in der Ukraine geführt. Jahrelang widersetzte sich die russische Regierung einer amerikanischen Gerichtsentscheidung, die sogenannte „Schneerson-Bibliothek“, eine Sammlung von Chabad-Texten, an das Chabad-Lubawitsch-Hauptquartier in Crown Heights, Brooklyn, herauszugeben.

Kurz nach der Eröffnung des Toleranzmu-seums ordnete Putin an, die Sammlung stattdessen dorthin zu verlegen. Dadurch wurde Lazar zum Hüter einer wertvollen Sammlung, die seinen Genossen in Brooklyn ihrer Ansicht nach rechtmäßig zusteht.

Sollte Lazar Bedenken hinsichtlich seiner Rolle in den internen Auseinandersetzungen der Chabad-Bewegung haben, hat er dies nicht öffentlich durchblicken lassen.

„Die Regierung herauszufordern, entspricht nicht dem jüdischen Weg“,

sagte der Rabbiner im Jahr 2015.

Trump, Bayrock, Sapir

Währenddessen suchte Trump auf der anderen Seite der Welt in den ersten Jahren dieses Jahrhunderts in der ehemaligen Sowjetunion nach Geschäftsmöglichkeiten und Investoren und knüpfte dabei eine dauerhafte Beziehung zu einer Firma namens Bayrock-Sapir. Bayrock wurde von Felix Sater, einem verurteilten Mafia-Mitglied, mitgeleitet.

Sater und ein weiterer Bayrock-Mitarbeiter, Daniel Ridloff, der wie Sater später direkt für die Trump Organization arbeitete, gehören dem Chabad-Haus in Port Washington an. Sater erklärte gegenüber dem „POLITICO Magazine“, daß er neben seiner Tätigkeit im Vorstand des Chabad-Hauses in Port Washington auch in zahlreichen anderen Chabad-Organisationen in den USA und im Ausland, jedoch nicht in Rußland, im Vorstand sitzt.

Das Ausmaß von Saters Verbindungen zu Trump ist umstritten. Von Trump Tower aus arbeitete Sater mit dem prominenten Immo-bilienentwickler an zahlreichen Projekten unter der Marke Trump zusammen und suchte für ihn nach geeigneten Objekten in der ehemaligen Sowjetunion.

2006 begleitete Sater Trumps Kinder Ivanka und Don Jr. durch Moskau, um die Stadt nach potenziellen Projekten abzusuchen. Beson-ders eng arbeitete er mit Ivanka an der Entwicklung des Trump SoHo zusammen, einem Hotel- und Wohngebäude in Man-hattan, dessen Bau 2006 in der Fernseh-sendung „The Apprentice“ angekündigt wurde.

2007 wurde Saters Verurteilung wegen Aktienbetrugs öffentlich. Diese Enthüllung hielt Trump nicht davon ab, ihn 2010 als „Seniorberater der Trump Organization“ einzustellen. 2011 verklagten mehrere Käufer von Wohnungen im Trump SoHo Trump und seine Partner wegen Betrugs, woraufhin die New Yorker Generalstaatsanwaltschaft Ermittlungen zum Marketing des Gebäudes einleitete.

Laut der New York Times einigten sich die Käufer jedoch außergerichtlich und ver-pflichteten sich, nicht mit den Ermittlungen zu kooperieren. Die Ermittlungen wurden daraufhin eingestellt. Zwei ehemalige Führungskräfte ver-klagen Bayrock wegen Steuerhinterziehung, Geldwäsche, organisierter Kriminalität, Bestechung, Erpressung und Betrug.

Unter Eid beschrieb Sater eine enge Bezie-hung zu den Trumps, während Trump unter Eid aussagte, Sater kaum zu kennen und ihn in einer Menschenmenge nicht wiederer-kennen zu können.

Mehrere Personen, die in dieser Zeit eng mit Sater zusammenarbeiteten und unter der Bedingung der Anonymität aussagten – aus Angst vor Repressalien beider Männer –, wiesen Trumps Aussage unglaubwürdig zurück und berichteten von häufigen Treffen und fast ununterbrochenen Telefonaten zwischen den beiden. Eine Person erinnerte sich an zahlreiche gemeinsame Abendessen von Trump und Sater, unter anderem im inzwischen geschlossenen Restaurant Kiss & Fly im Meatpacking District von Manhattan.

„Trump rief Felix fast jeden zweiten Tag in sein Büro. Daß er behauptet, ihn nicht zu kennen, ist also völliger Unsinn“,

sagte ein ehemaliger Kollege von Sater.

„Sie standen definitiv ständig in Kontakt. Sie telefonierten ununterbrochen.“

Im Jahr 2014 ernannte das Chabad-Haus in Port Washington Sater zu seinem „Mann des Jahres“. Bei der Zeremonie zu Ehren Saters erzählte der Gründer des Chabad-Hauses, Shalom Paltiel, wie Sater ihm stets seine Erlebnisse als Regierungsmitarbeiter in heiklen Fragen der nationalen Sicherheit anvertraute.

„Ich habe Felix erst vor Kurzem gesagt, daß ich ihm das meiste davon nicht wirklich geglaubt habe. Ich dachte, er hätte vielleicht zu viele James-Bond-Filme gesehen und zu viele Tom-Clancy-Romane gelesen“,

sagte Paltiel bei der Zeremonie.

„Jeder, der Felix kennt, weiß, daß er gut erzählen kann. Ich habe ihnen einfach nicht allzu viel Bedeutung beigemessen.“

Paltiel berichtete jedoch weiter, Jahre später eine Sondergenehmigung erhalten zu haben, um Sater zu einer Zeremonie im Bundesge-bäude in Manhattan zu begleiten. Dort, so Paltiel, hätten Vertreter aller amerikanischen Geheimdienste Saters geheime Arbeit gewürdigt und

„Dinge enthüllt, die fantastischer und unglaublicher waren als alles, was er mir je erzählt hatte“.

Ein Video der Veranstaltung zu Ehren Saters wurde von der Website des Chabad-Hauses in Port Washington entfernt, ist aber weiterhin auf YouTube verfügbar.

Als ich Paltiel für diesen Artikel kontaktierte, legte er sofort auf, nachdem ich mich vorge-stellt hatte. Ich wollte ihn nach einigen Verbindungen fragen, auf die ich im Zuge meiner Recherchen gestoßen war.

Neben seiner Beziehung zu Sater steht Paltiel auch „Putins Rabbi“ Lazar nahe und bezeich-nete ihn in einer kurzen Notiz über eine zufällige Begegnung mit ihm an Schneersons Grab in Queens als „meinen lieben Freund und Mentor“. Laut Boteach ist das nicht verwunderlich, denn Chabad ist eine Gemeinschaft, in der jeder jeden kennt.

„In der Chabad-Welt gingen wir alle gemeinsam zur Jeschiwa, wir wurden alle gemeinsam ordiniert“, erklärte Boteach. „Ich kannte Berel Lazar aus der Jeschiwa.“

Das Chabad-Haus in Port Washington hat noch eine weitere Verbindung zu Bayrock. Unter den 13 wichtigsten Förderern des „Chai Circle“, wie er auf der Website aufgeführt ist, befindet sich auch Saters Partner, Bayrock-Gründer Tevfik Arif.

Arif, ein ehemaliger sowjetischer Beamter, der zum wohlhabenden Immobilienentwickler wurde, besitzt eine Villa in Port Washington, einem noblen Vorort von Los Angeles. Sein Engagement für das dortige Chabad- Zentrum wirkt jedoch ungewöhnlich.

Arif, ein in Kasachstan geborener türkischer Staatsbürger mit einem muslimischen Namen, ist laut Aussagen von Personen, die mit ihm zusammengearbeitet haben, nicht jüdisch. 2010 wurde er bei einer Razzia auf einer Yacht in der Türkei, die einst dem Gründer des modernen türkischen Staates, Mustafa Kamal Atatürk, gehörte, festgenommen und wegen des Betriebs eines internationalen Kinderprostitutionsrings angeklagt. Später wurde Arif von den Vorwürfen freigesprochen.

Vor dem Skandal auf Atatürks Yacht arbeitete Arif eng mit Trump, Ivanka Trump und Sater bei der Entwicklung von Trump SoHo zusam-men, zusammen mit der Familie Sapir, einer New Yorker Immobiliendynastie und der anderen Hälfte von Bayrock-Sapir.

Der Patriarch des Unternehmens, der ver-storbene Milliardär Tamir Sapir, wurde im sowjetischen Staat Georgien geboren und kam 1976 nach New York, wo er im Flatiron District ein Elektronikgeschäft eröffnete, das laut der New York Times hauptsächlich KGB-Agenten bediente .

Trump bezeichnete Sapir als „einen guten Freund“. Im Dezember 2007 richtete er die Hochzeit von Sapirs Tochter Zina in Mar-a-Lago aus. Bei der Feier traten Lionel Richie und die Pussycat Dolls auf. Der Bräutigam, Rotem Rosen, war der Geschäftsführer der amerikanischen Niederlassung von Africa Israel, der Holdinggesellschaft des Putin-Oligarchen Leviev.

Fünf Monate später, Anfang Juni 2008, hielten Zina Sapir und Rosen eine Be-schneidungszeremonie (Bris) für ihren neugeborenen Sohn ab. In den Einladungen wurde Rosen als Levievs „rechte Hand“ bezeichnet.

Leviev war zu diesem Zeitpunkt bereits der größte Einzelspender von Chabad weltweit und sorgte persönlich dafür, daß die Beschneidung am Grab Schneersons, dem heiligsten Ort von Chabad, stattfand.

Trump nahm an der Beschneidungszeremonie teil. Einen Monat zuvor, im Mai 2008, hatten er und Leviev sich laut einem zeitgenössi-schen russischen Nachrichtenbericht in Moskau getroffen, um mögliche Immobilien-projekte zu besprechen . Ein undatiertes Foto auf einem Pinterest-Konto namens LLD Diamond USA, dem Namen einer auf Leviev registrierten Firma, zeigt Trump und Leviev beim Händeschütteln und Lächeln. (Das Foto wurde zuerst von Pacific Standard entdeckt.)

Im selben Jahr begleitete Sapir, selbst ein aktiver Chabad-Spender, Leviev nach Berlin, um die Chabad- Einrichtungen der Stadt zu besichtigen.

Jared, Ivanka, Roman, Dasha

Auch Kushner war bei der Beschneidung von Sapir und Rosen anwesend. Er und seine jetzige Ehefrau Ivanka Trump haben enge Verbindungen zu Putins Chabad-Verbünde-ten geknüpft. Kushners Familie, die dem modernen orthodoxen Judentum angehört, engagiert sich seit Langem stark in der jüdischen Welt, unter anderem für Chabad-Organisationen.

Während seines Studiums in Harvard war Kushner im Chabad-Haus der Universität aktiv. Drei Tage vor der Präsidentschaftswahl besuchte das Paar Schneersons Grab und betete für Trump. Im Januar erwarben sie ein Haus im Washingtoner Stadtteil Kalorama und wählten die nahegelegene Chabad-Synagoge, bekannt als „TheSHUL of the Nation’s Capital“, als ihr Gotteshaus.

Im Mai 2015, einen Monat bevor Trump offiziell in die republikanischen Präsident-schaftsvorwahlen einstieg, kaufte Kushner von Leviev für 295 Millionen Dollar die Mehrheitsbeteiligung am alten New York Times- Gebäude in der West 43rd Street.

Kushner und Ivanka Trump pflegen auch enge Beziehungen zu Abramowitschs Ehefrau Dasha Schukowa. Abramowitsch, ein Indu-strieller mit einem Vermögen von über sieben Milliarden Dollar und Eigentümer des briti-schen Fußballclubs Chelsea FC, war Gouverneur der russischen Provinz Tschukotka, wo er noch immer als Held verehrt wird.

Seinen Reichtum verdankt er seinem Triumph in den postsowjetischen „Aluminiumkriegen“, in denen schätzungsweise über 100 Men-schen im Kampf um die Kontrolle von Aluminiumraffinerien ums Leben kamen.

Abramowitsch gab 2008 zu, sein Vermögen durch Bestechungsgelder in Milliardenhöhe angehäuft zu haben. 2011 beschuldigte ihn sein ehemaliger Geschäftspartner, der ver-storbene Boris Beresowski – ein Oligarch, der sich mit Putin überworfen hatte und im Exil im Trump International am Central Park West lebte – in einem Prozeß in Großbritannien der Bedrohung, Erpressung und Einschüchterung. Abramowitsch gewann den Prozeß.

Abramowitsch soll Jelzin als Erster empfohlen haben, Putin zu seinem Nachfolger zu ernen-nen. In ihrer 2004 erschienenen Biografie über Abramowitsch schreiben die britischen Journalisten Chris Hutchins und Dominic Midgely:

„Wenn Putin eine geheimnisvolle Kraft brauchte, um hinter den Kulissen gegen seine Feinde vorzugehen, konnte er sich auf Abramowitsch als willigen Komplizen verlassen.“

Die Biografen vergleichen die Beziehung der beiden Männer mit der zwischen Vater und Sohn und berichten, daß Abramowitsch persönlich die Kandidaten für Putins erstes Kabinett interviewte. Er soll Putin eine 30 Millionen Dollar teure Yacht geschenkt haben, was Putin jedoch bestreitet.

Abramovichs umfangreiche Geschäftsbetei-ligungen und sein Privatleben überschneiden sich in vielerlei Hinsicht mit Trumps Welt.

Laut einem Bericht von Forschern der Cornell University aus dem Jahr 2012 hat Evraz, ein Unternehmen, an dem Abramowitsch Anteile hält, Verträge zur Lieferung von 40 Prozent des Stahls für die Keystone-XL-Pipeline. Deren Fertigstellung wurde im März nach jahrelanger Verzögerung von Trump genehmigt.

Bereits 2006 erwarb Abramowitsch eine bedeutende Beteiligung am russischen Ölkonzern Rosneft, der nun wegen seiner möglichen Rolle in mutmaßlichen Absprachen zwischen Trump und Rußland unter Beobach-tung steht. Sowohl Trump als auch der Kreml wiesen ein Dossier, das behauptet, ein kürzlich erfolgter Verkauf von Rosneft-Aktien sei Teil eines Komplotts zur Lockerung der US-Sanktionen gegen Rußland gewesen, als „Fake News“ zurück.

Seine Frau Zhukova verkehrt derweil schon lange in denselben Gesellschaftskreisen wie Kushner und Ivanka Trump: Sie ist eine Freundin und Geschäftspartnerin von Rupert Murdochs Ex-Frau Wendi Deng, einer von Ivankas engsten Freundinnen und eine Freundin von Karlie Kloss, der langjährigen Freundin von Kushners Bruder Josh.

Über die Jahre hat Zhukova ein enges Verhältnis zu Jared und Ivanka aufgebaut. Im Februar 2014, einen Monat bevor Putin die Krim völkerrechtswidrig annektierte, postete Ivanka Trump auf Instagram ein Foto von sich mit Zhukova, Wendi Deng und einer Flasche Wein mit der Bildunterschrift:

„Danke [Zhukova] für vier unvergeßliche Tage in Rußland!“

Deng wurde kürzlich eine Beziehung mit Putin nachgesagt, die sie jedoch dementierte. Weitere Fotos der Reise zeigen, daß Kushner sich zu diesem Zeitpunkt ebenfalls in Rußland aufhielt.

Im vergangenen Sommer teilten sich Kushner und Ivanka Trump bei den US Open eine Loge mit Zhukova und Deng. Im Januar soll Zhukova als Begleitung von Ivanka Trump an Trumps Amtseinführung teilgenommen haben.

Am 14. März entdeckte die Daily Mail Josh Kushner beim gemeinsamen Abendessen mit Zhukova in New York. Laut dem Blatt

„verbarg Josh Kushner sein Gesicht, als er das Restaurant mit Dasha verließ“.

Eine Woche später, als Jared Kushner und Ivanka Trump mit ihren beiden Brüdern und deren Familien in Aspen Urlaub machten, flog Abramo-witschs Flugzeug laut einem Flugver-folgungsdienst von Moskau nach Denver. Abramowitsch besitzt zwei Immobilien in der Gegend um Aspen. Ein Sprecher von Abramovich lehnte eine offizielle Stellungnahme zu den Überschneidungen in Colorado ab.

Das Weiße Haus verwies Anfragen zu den Paaren an eine persönliche Sprecherin von Ivanka Trump. Diese, Risa Heller, hatte zunächst zugesagt, Fragen zu den Über-schneidungen in Colorado und den jüngsten Kontakten zwischen den Paaren zu beantworten, tat dies aber nicht.

Berichten zufolge hat Präsident Trump Sicherheitsüberprüfungen für Kushner und Ivanka beantragt, die in seinem Weißen Haus zunehmend wichtige Aufgaben übernommen haben.

Für alle anderen würde eine enge persönliche Beziehung zur Familie eines engen Vertrauten Putins erhebliche Hürden bei der Erlangung einer Sicherheitsfreigabe darstellen, so ehemalige hochrangige Geheimdienstmitar-beiter. Der politische Druck, den Kindern des Präsidenten die Freigabe zu erteilen, dürfte jedoch jegliche Sicherheitsbedenken außer Kraft setzen.

„Ja, solche Verbindungen zu Rußland sollten bei der Sicherheitsüberprüfung eine Rolle spielen“,

sagte Steve Hall, ehemaliger CIA-Stationschef in Moskau.

„Die Frage ist nur, ob sie es auch tun werden.“

„Ich glaube nicht, daß es für die Familie Trump Probleme mit den Sicherheits-überprüfungen geben wird, solange kein Lügendetektortest im Spiel ist“,

sagte Milt Bearden, ehemaliger Leiter der CIA-Abteilung für Osteuropa.

„Das klingt zwar verrückt, wird aber kein Problem darstellen.“

Während in Washington die Spionageabwehr-ermittlungen des FBI über die Beziehungen zwischen Trumps Umfeld und Putins Kreml für Aufsehen sorgen, bleiben deren sich überschneidende Netzwerke Gegenstand intensiver Beobachtung und Faszination. 

Im März berichtete die New York Times , daß Lazar sich im vergangenen Sommer mit Jason Greenblatt, dem Sonderbeauftragten der Trump-Regierung für internationale Verhand-lungen und damals Anwalt der Trump Organization, getroffen hatte. Beide bezeichneten das Treffen als übliche Maßnahme im Rahmen von Greenblatts Wahlkampfaktivitäten zur Kontaktaufnahme mit jüdischen Führungspersönlichkeiten und gaben an, daß dabei allgemein über die russische Gesellschaft und Antisemitismus gesprochen wurde.

Das Treffen wurde von dem New Yorker PR-Berater Joshua Nass vermittelt, und Lazar erklärte, er habe dieses Treffen nicht mit der russischen Regierung besprochen.

Ende Januar traf sich Sater mit Trumps persönlichem Anwalt Michael Cohen, um über ein vorgeschlagenes Friedensabkommen für die Ukraine zu sprechen, das die US-Sanktionen gegen Rußland beenden sollte. Laut der „New York Times“ übergab Cohen dieses Abkommen anschließend Trumps damaligem Nationalen Sicherheitsberater Michael Flynn im Weißen Haus. Cohen hat unterschiedliche Versionen des Vorfalls geschildert.

Laut einem jüdischen Republikaner, der angab, Cohen dort „ständig“ zu sehen, ist Cohen selbst regelmäßig im Midtown Chabad an der Fifth Avenue anzutreffen, etwa zwölf Blocks südlich des Trump Tower und etwa sechs Blocks südlich seines derzeitigen Büros am 30 Rockefeller Plaza.

Cohen widersprach dem und sagte:

„Ich war noch nie in einem Chabad-Zentrum, auch nicht in einem in New York City.“

Er fügte hinzu, sein letzter Besuch in einem Chabad-Zentrum liege über 15 Jahre zurück, und zwar anläßlich einer Beschneidungszere-monie. Die letzte Veranstaltung mit Chabad-Bezug, an der er teilgenommen habe, sei am 16. März in einem Hotel in Newark gewesen, wo er bei einem Abendessen zu Ehren von David Shulkin, dem damaligen US-Vetera-nenminister, gesprochen habe. Gastgeber des Abendessens war das Rabbinical College of America, eine Chabad-Organisation.

Für diejenigen, die mit russischer Politik, Trumps Welt und dem chassidischen Judentum nicht vertraut sind, mögen all diese Verbindungen zu Chabad verwirrend erscheinen. Andere nehmen sie einfach mit einem Achselzucken hin.

„Die Vernetzung der jüdischen Welt durch Chabad ist nicht überraschend, da Chabad einer der wichtigsten jüdischen Akteure ist“, sagte Boteach. „Ich nehme an, daß der New Yorker Immobilienmarkt auch nicht so riesig ist.“

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Anmerkungen

[1] Politico ist ein US-amerikanisches Nachrichtenportal, das früher auch als Tageszeitung erschien. Das Portal wurde 2007 in den Vereinigten Staaten gegründet und hat sich zu einem der wichtigsten Medien im Politikbetrieb des US-amerikanischen Regierungszentrums Washington entwickelt. Seit 2015 wird eine europäische Ausgabe veröffentlicht. Im August 2021 wurde das Unternehmen durch den Axel Springer Verlag erworben.

[2] Die chassidische Bewegung entstand als mythisch-spirituelle jüdisch-religiöse Bewegung im 18. Jh. des westlichen Teils der Ukraine (damals zu Polen-Litauen gehörend). Gründer war Rabbi Israel ben Elieser, bekannt als Baal Schem Tov     (1698–1760). Er lehrte, daß Gott in allem zu finden ist und jeder Mensch eine innige, persönliche Beziehung zum Göttlichen herstellen kann. Die Zahl der Chassidim wird heute mit ca. 130.000 chassidischen Familien weltweit   angegeben (Stand 2016).  Die Gruppierung zählt mehr als 230 Rebbes.

[3] Ihre Zahl geht insgesamt nicht über einige Tausend Anhänger hinaus. 2018 wurden 17.000 Familien genannt, die der Sekte angehören.

[4] Chabad oder Lubawitscher (oder auch Chabad-Lubawitscher), ist eine innerhalb des gläubigen Judentums durchaus umstrittene jüdische Sekte, die von dem Rabbiner Schne’ur Salman  („Schneur Salman von Liadi“), * 1745, † 1812) in Ljady gegründet wurde. Schne’ur Salman war um 1800 einer Einladung von Prinz Stanislaus Lubomirski nach Ljadi gefolgt.

[5] Ljady, jetzt Raijon Dubrouna, Oblast Witebsk (weißruss.: Wizebsk), Weißrußland/Belarus.

[6] Jetzt Lyubavichi (Ljubawitschi); 1784 befand sich der jüdische Ort im Besitz der polnischen Fürstenfamilie Lubomirski. Ende d. 18. Jh. (nach den polnischen Teilungen) gehörte das Dorf zum Ujesd Orschanskij (Gouvernement Mogilew, Russischen Reich), jetzt zum Raijon Rudnyansk, Oblast Smolensk, Rußland.

[7] Im heutigen Rußland betreibt Chabad jedoch im Gegensatz dazu ein großes Netzwerk, das weit über die religiöse Praxis hinausreicht. Diese Aktivitäten erscheinen in der Regel wenig transparent.

[8] Seit fast zwei Jahrhunderten feiern orthodoxe chassidische Juden aus aller Welt das jüdische Neujahrsfest Rosch ha-Schana in der ihnen heiligen Stadt Uman in der mittleren Ukraine. Jedes Jahr im Herbst verwandelt sich die     zentralukrainische Kleinstadt Uman für einige Tage in die Hauptstadt der orthodoxen chassidischen Juden. Die Anhänger des Brazlawer Zweigs des Chassidismus betrachten es als ihre Pflicht, mindestens einmal im Leben   während des jüdischen Neujahrsfestes Rosch ha-Schana das Grab ihres Gerechten Nachman von Brazlaw (1772-1810) zu besuchen. Sie glauben, daß das Feiern dieses Festes am Grab des Rabbiners Erfolg für das kommende Jahr bringen wird.

[9] Heute leben insgesamt nur noch etwa 125.000–150.000 Juden im Gebiet der Rußländischen Föderation. Allein seit dem Beginn des Ukraine-Kriegs 2022 haben mehrere zehntausende Juden das Land verlassen. (1991 lebten noch etwa 508.000 Juden in Rußland.) Im ehemaligen Jüdischen Autonomen Gebiet Birobidschan (jetzt Jüdischer Autonomer Oblast), 1934 von Stalin als jüdisches Ansiedlungsgebiet (36.000 km²) gegründet, leben heute nur noch etwa 1.00o bis 2.000 Menschen jüdischer Abstammung (weniger als 1 % der Bevölkerung).

[10] Berel Lazar, * 16.05.1964 Mailand, Italien, Rabbiber. Lazar ist seit September 2005 auch Mitglied der Gesellschaftlichen Kammer Rußlands, einer Versammlung verschiedener gesellschaftlicher Gruppen.

[11] Pinchas Goldschmidt, * 21.07.1963 Zürich, Vorsitzender der Europäischen Rabbinerkonferenz, 1993–Juli 2022 Oberrabbiner von Moskau, geistlicher Führer der zentralen Choral-Synagoge in Moskau, Vorstandsmitglied des Russischen Jüdischen Kongresses.

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1 Kommentar
KWHugo
KWHugo
2 Stunden zuvor

„Die Regierung herauszufordern, entspricht nicht dem jüdischen Weg“, sagte der Rabbiner im Jahr 2015. Nein, der jüdische Weg beschreitet den Weg, sich in neue Gesellschaften, wie dem neuen Rußland, einzunisten, neu zu organisieren, sich verflochten miteinander zum großen Ziel zu vereinigen, nämlich sich unmerklich durch Korruption und Erpressung in die sich bildende Herrschaftsstruktur einzubinden, um dann die Politik zu bestimmen/zu übernehmen. Wie von Thomas Engelhardt hier herausgearbeitet, scheut man beim Aufstieg auch keine mafiösen Strukturen und ist bei Fälschungen und Betrügereien immer dabei. Strafen schüttelt man wie Jahrhunderte zuvor ab.

Durch ihre Medienmacht gibt es auch kein Erinnern z.B an die Mafiabosse in Chicago. Wie sie sich in den USA eingenistet haben, machen sie es mit dem neuen? Rußland. Der Zar verfolgte sie, Stalin zum Schluß ebenfalls, beide sind gestorben? Wie Möllemann, Barschel u.v.a. Da sie nie bestraft werden, morden und betrügen sie weiter. Putin und Trump sehen wir als scheinbare Gegensätze, sie agieren aus dem Dunkel heraus für ihr gemeinsames Ziel. Als Staatsmann müßte man solchen Umgang meiden. Das sagt alles, was ich von Putin und Trump halte. Meine Familie hat sie gemieden, ich übrigens auch instinktiv seit meiner Kindheit.

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