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Wilhelm II. und Bismarck

Der Lotse geht von Bord („Dropping the Pilot“ – Weltbekannte Karikatur des englischen Satiremagazins „Punch“ vom 29.03.1890 zur Entlassung Bismarcks)

Wilhelm II., mit vollem Namen Friedrich Wilhelm Viktor Albert von Preußen (*27. Januar 1859 in Berlin; † 4. Juni 1941 in Doorn, Niederlande), aus dem Hause Hohen-zollern war von 1888 bis 1918 letzter Deutscher Kaiser und König von Preußen.

Im sogenannten Dreikaiserjahr folgte der 29-jährige Wilhelm II. seinem nur 99 Tage herr-schenden, 56-jährigen Vater Friedrich III. und seinem 90-jährigen Großvater Wilhelm I. auf den Thron Preußens und des Deutschen Reiches. Durch seine Mutter Victoria von Großbritannien und Irland war er Enkel der britischen Königin Victoria.

Diese Angaben verdanken wir Wikipedia, dessen Tonfall im übrigen dem der Linken gleicht: schmähend, herablassend. Doch man sollte beide Seiten anhören, in diesem Falle Kaiser Wilhelm II. selbst. Da hört sich seine Zeit der Auseinander-setzung mit Bismarck ganz anders an.

So wollen wir hier einmal seine eigene Darstellung des Falles zur Kenntnis bringen, die wir seinem spannenden Geschichtsbuch „Ereignisse und Gestalten“ entnehmen.

Sein Großvater Wilhelm I. hatte mit Bismarck als seinem Kanzler eine großartige Staatskunst zum Wohle der Deutschen in einem Deutschen Reich der deutschen Völker ver-wirklicht.

Die sichere Hand des großen Kanzlers war jedoch in der folgen-den Zeit mit Wilhelm II. als 29-jährigem Nachfolger seines Groß-vaters Wilhelm I. offensichtlich vom Standpunkt des jungen Kaisers überstark.

Bismarck schien von dieser seiner Stärke weiterhin Gebrauch machen zu wollen. Doch die Geschichte schreitet voran, neue Entschlüsse und Herange-hensweisen sind gefragt. Und der junge Kaiser fühlte sich vom alten Kanzler erdrückt. Wilhelm II. schreibt (S. 3):

 

Bismarck im Ruhestand in seinem Alterssitz in Friedrichsruh bei Hamburg

Die staatsmännische Größe des Fürsten Bismarck und seine unvergänglichen Ver-dienste um Preußen und Deutschland sind historische Tatsachen von so gewaltiger Bedeutung, daß es wohl in keinem politischen Lager einen Menschen gibt, der es wagen könnte, sie anzuzweifeln.

Deshalb schon ist es eine törichte Legende, daß ich die Größe Bismarcks nicht anerkannt hätte. Das Gegenteil ist richtig. Ich verehrte und vergötterte ihn. Das konnte nicht anders sein.

Man bedenke, mit welcher Generation ich groß geworden bin. Es war die Generation der Bismarckverehrer. Er war der Schöpfer des Deutschen Reiches, der Paladin meines Groß-vaters, wir alle hielten ihn für den größten Staatsmann seiner Zeit und waren stolz darauf, daß er ein Deutscher war.

Bismarck war der Götze in meinem Tempel, den ich anbetete. Aber Monarchen sind eben auch Menschen aus Fleisch und Blut, deshalb sind auch sie den Wirkungen ausgesetzt, die sich aus den Handlungen Anderer ergeben.

So wird man wohl menschlich verstehen können, daß Fürst Bismarck durch seinen Kampf gegen mich mit wuchtigen Schlägen selbst den Götzen zertrümmert hat, von dem ich vorher sprach. Meine Verehrung für den großen Staatsmann Bismarck ist davon un-berührt geblieben.

… Meine Verehrung für den großen Staats-mann konnte mich indessen nicht veran-lassen, als ich Kaiser geworden war, politi-sche Pläne oder Handlungen des Fürsten, die ich für Fehler hielt, mir zu eigen zu machen.

Schon der Berliner Kongreß 1878 war meines Erachtens ein Fehler, ebenso der Kultur-kampf. Außerdem war die Reichsverfassung auf Bismarcks ungewöhnliche Maße zuge-schnitten, die großen Kürassierstiefel paßten nicht jedem andern.

Dann kam die Arbeiterschutzgesetzgebung. Ich habe den daraus zwischen uns entstan-denen Konflikt aufs tiefste bedauert, aber ich mußte damals den Weg des Ausgleichs ge-gen, der überhaupt in der inneren wie in der äußeren Politik mein Weg gewesen ist.

Deshalb konnte ich den offenen Kampf gegen die Sozialdemokratie, den der Fürst wollte, nicht führen …

Meine Tragik im Falle Bismarck liegt darin, daß ich der Nachfolger meines Großvaters wurde, also gewissermaßen eine Generation übersprang. Das ist schwer. Man hat immer mit alten verdienten Männer zu tun, die mehr in der Vergangenheit als in der Gegenwart leben und in die Zukunft nicht hineinwachsen können.

Wenn der Enkel auf den Großvater folgt und einen von ihm verehrten, aber alten Staats-mann von der Größe Bismarcks vorfindet, so ist das nicht ein Glück, wie es scheinen könnte und wie ich gedacht hatte. Bismarck selbst deutet das in seinem dritten Bande (S. 40) an, als er im Kapitel über Bötticher von der greisenhaften Vorsicht des Kanzlers und dem jugendlichen Kaiser spricht.

Und der Fürst hat, als Ballin ihn einen Blick auf den neuen Hamburger Hafen werfen ließ, selbst empfunden, daß eine neue Zeit heran-gebrochen war, die er nicht mehr völlig ver-stand; der Fürst sagte damals staunend:

„Eine andere Welt, eine neue Welt!“

Admiral Alfred von Tirpitz (wiki)

In ähnlicher Weise zeigte sich diese Erscheinung bei dem Besuche des Admirals v. Tirpitz in Friedrichsruh, als dieser den Altreichskanzler für die ersten Flottenvorlage gewinnen wollte.

Ich persönlich habe die Genugtu-ung, daß Bismarck mir 1886 die recht delikate Mission nach Brest anvertraute und von mir gesagt hat:

„Der wird einmal sein eigener Kanzler sein.“

Der Fürst muß also etwas von mir gehalten haben … Das Auswärtige Amt war nur ein Büro des großen Kanzlers, in dem auf dessen Weisung gearbeitet wurde. Hervorragende Männer mit selbständigen Ideen wurden in ihm nicht geschult und ausgebildet. Im Gegensatz zum Generalstab unter Moltke.

Hier wurde nach Grundsätzen, die sich be-währt hatten, unter Wahrung alter Traditio-nen und unter Berücksichtigung aller Erfah-rungen der Neuzeit der Nachwuchs sorgfältig ausgebildet und zu selbständigem Denken und Handeln erzogen.

Im Auswärtigen Amt hingegen befanden sich nur ausführende Organe EINES Willens, die, über die großen Zusammenhänge der ihnen zur Bearbeitung überwiesenen Fragen nicht orientiert, keine selbsttätige Mitarbeit leisten konnten. Der Fürst lagerte wie ein mächtiger Granitfindling auf der Wiese: wälzt man ihn fort, so findet man hauptsächlich Gewürm und abgestorbene Wurzeln darunter.

Ich gewann mir das Vertrauen des Fürsten, der vieles mit mir besprach … Späterhin habe ich noch öfters über die Kolonialfrage mit dem Fürsten gesprochen und stets mehr die Absicht vorgefunden, die Kolonien als Han-dels- oder Tauschobjekte zu benutzen, als sie für das Vaterland nutzbringend zu ver-werten oder zur Rohstofflieferung zu gebrauchen.

Ich machte pflichtgemäß den Fürsten darauf aufmerksam, daß der Kaufmann und der Ka-pitalist energisch anfingen, die Kolonien zu entwickeln, und demgemäß – wie ich aus Hansakreisen wußte – auf Schutz durch eine Flotte rechneten. Daher müsse man für den rechtzeitigen Ausbau einer Flotte sorgen, damit deutsche Werte im Auslande nicht schutzlos blieben.

Die deutsche Flagge habe der Fürst nun mal in der Fremde entfaltet; hinter ihr stehe das Volk; es müsse aber auch eine Flotte dahinter stehen. Allein, der Fürst machte taube Ohren und gebrauchte sein beliebtes Motto:

„Wenn die Engländer bei uns landen sollten, würde ich sie arretieren lassen“; die Kolonien würden zu Haus verteidigt.

Der Fürst legte keinen Wert darauf, daß schon die bloße Annahme, die Engländer könnten in Deutschland ungehindert landen – Helgoland war englisch -, für Deutschland unerträglich war, und daß wir, um eine Landung von vorn-herein auszuschließen eine genügend starke Flotte und Helgoland brauchten …

Der Fürst arbeitete vorwiegend mit Rußland, Österreich, Italien und Rumänien, deren Be-ziehungen zu Deutschland und untereinan-der er andauernd kontrollierte. Über die Um-sicht und Kunst, mit der er operierte, machte Kaiser Wilhelm der Große (der I.) einmal sei-nem Kabinettschef v. Albedyll gegenüber eine treffende Bemerkung. 

Der General fand Seine Majestät nach einem Vortrage Bismarcks sehr erregt, so daß er für die Gesundheit des alten Kaisers fürchtete. Er bemerkte daher, der Kaiser möge sich doch den weiteren Ärger ersparen; wenn der Fürst nicht wie Seine Majestät wolle, möge man ihn gehen lassen. Darauf erwiderte der Kaiser:

Trotz seiner Bewunderung und Dankbarkeit für den großen Staatsmann habe auch er schon daran gedacht, da das selbstbewußte Wesen des Fürsten manchmal allzu drückend werde. Aber er und das Vaterland brauchten ihn zu nötig, da der Fürst der einzige Mann sei, der mit fünf Kugeln jonglieren könne, von denen mindestens zwei immer in der Luft seien; das könne er, der Kaiser, nicht …

Trotz mancher Verschiedenheit unserer Auf-fassungen blieb der Fürst mir freundlich und gewogen, und trotz dem großen Altersunter-schiede bildete sich ein angenehmes Verhält-nis zwischen uns, da ich, wie die ganze Ge-neration, ein glühender Bewunderer des Fürsten war und durch meinen Eifer und meine Offenheit sein Vertrauen gewonnen hatte und es niemals getäuscht habe.

… Meine Eltern standen dem Fürsten Bis-marck nicht sehr freundlich gegenüber und verdachten es dem Sohne, in seine Kreise eingetreten zu sein. Man befürchtete Beein-flussung gegen die Eltern, Hyperkonservati-vismus und wie die Gefahren alle hießen, die von Ohrenbläsern aller Art aus England wie aus „liberalen Kreisen“, welche im Vater ihren Hort erblickten, gegen mich angeführt wurden.

Ich habe mich niemals auf solche Dinge ein-gelassen. Aber die Stellung im Elternhause ist mir dadurch recht erschwert und manchmal peinlich gestaltet worden. Ich habe mich nie-mals auf solche Dinge eingelassen. Aber die Stellung im Elternhause ist mir dadurch recht erschwert und manchmal peinlich gestaltet worden.

Ich habe wegen meines Arbeitens unter dem Fürsten und meiner oft auf die schwersten Proben gestellten Diskretion für den Kanzler in der Stille recht Schweres zu tragen gehabt; der Fürst fand das anscheinend ganz selbst-verständlich.

Bei seiner Übernahme der Krone als Kaiser mußte er dann bei seinen Ministerien erkennen, daß sie aus-schließlich Instrumente des Kanzlers Bismarck waren und für seine, des Kaisers, Anregungen nur zu antworten wußten:

Das will der Fürst Bismarck nicht …

Was Kaiser und Kanzler dann vollends trennte, waren ihre unterschiedlichen Einstellungen zum „Sozialis-mus“. Bismarck hatte zur Bekämpfung dieser Gefahr für Volk und Vaterland seine Sozialistengesetze herausgegeben.

Ein bestimmter Paragraph sollte gemildert werden, um das Gesetz zu retten. Bismarck wollte nicht. Es kam zu scharfen Auseinan-dersetzungen. Ich befahl einen Kronrat. Bismarck sprach im Vorzimmer mit meinem Adjutanten und erklärte:

Seine Majestät vergesse ganz, daß er Offizier sei und ein Potepee trage; er müsse auf die Armee zurückgreifen und sie gegen die Sozialisten führen, falls diese zu revolutio-nären Taten schreiten sollten: der Kaiser solle ihm freie Hand lassen, dann werden man endlich Ruhe haben.

Im Kronrat blieb Bismarck bei seinem Standpunkt. Die einzelnen Minister, zur Meinungsäußerung aufgefordert, sprachen sich lau aus. Es kam zur Abstimmung, und das ganze Ministerium stimmte gegen mich.

Diese Abstimmung zeigte mir wiederum die absolute Herrschaft, die der Kanzler über seine Minister ausübte.

Der Arbeiterschaft, die unter dem Einfluß der Sozialisten stand, ging es schlecht.

Mancher Wunsch der Arbeiter hatte seine Berechtigung und hätte zum mindesten wohlwollender Prüfung unterzogen werden sollen, sowohl seitens der Arbeitgeber wie der Behörden.

So ließ Kaiser Wilhelm den Staatsrat zusammenrufen und zu den Verhandlungen Arbeitgeber und Arbeitnehmer hinzuziehen unter seinem, des Kaisers, Vorsitz.

Es sollten dabei leitende Grundsätze und Material gewonnen werden, die dann dem Kanzler und der preußischen Staatsregierung als Unterlagen für die Ausarbeitung dement-sprechender Gesetzesvorlagen dienen sollten.

Zu befürchten war, daß Bismarck sofort Widerstand leisten werde gegen solches Verfahren.

Ich bestand auf meinem Vorsatz, den Grundsatz Friedrichs des Großen anführend: „Ich will ein König der Armen sein.“

Er sah es als seine Pflicht an,

für die von der Industrie aufgebrauchten Landeskinder zu sorgen, ihre Kräfte zu schützen und ihre Existenzmöglichkeiten zu verbessern.

Der vorgefaßte Widerstand des Fürsten ließ nicht lange auf sich warten. Es kostete, da die Großindustrie sich  zum Teil hinter den Kanzler scharte, viel Mühe und Kämpfe, bis meine Absicht durchgesetzt war. Der Staatsrat trat unter meinem Vorsitz zusammen.

In der Eröffnungssitzung erschien unerwartet auch der Kanzler. Er hielt eine Ansprache, in der er das ganze von mir ins Werk gesetzte Unternehmen mit Ironie kritisierte und mißbilligte und seine Mitwirkung versagte. Dann verließ er den Saal.

Nach dem Fortgang des Kanzlers stand die Versammlung unter dem Eindruck dieser eigenartigen Szene … machte auf mich und alle Anwesenden einen imponierenden Eindruck. Trotzdem mußte ich der Vorfall tief verletzen.

Die Versammlung nahm dann ihre Arbeiten wieder auf und lieferte reiches Material zur Weiterbildung der von Kaiser Wilhelm dem Großen (dem I.) ins Leben gerufenen sozialen Gesetzgebung, die den Stolz Deutschlands bildet und eine Fürsorge für das arbeitende Volk darstellt, wie sie in keinem Lande der Welt zu finden ist.

Darauf beschloß ich, einen allgemeinen Sozialkongreß einzuberufen. Auch dem widersetzte sich Fürst Bismarck …

Später habe ich mit Bismarck über sein Ansinnen, die Sozialisten im Falle revolu-tionärer Betätigung durch Kanonen und Bajonette zu bekämpfen, gesprochen und versucht, ihn davon zu überzeugen, daß ich, kaum daß Kaiser Wilhelm der Große nach gesegneter Regierung die Augen geschlos-sen, doch unmöglich meine ersten Regierungsjahre mit dem Blut meiner eigenen Landeskinder beflecken könne.

Bismarck blieb dabei und erklärte, er werde das auf seine Kappe nehmen, ich sollte ihm die Sache nur überlassen …

Der Gegensatz der Anschauungen des Kaisers und des Kanzlers über die soziale Frage, d.h. die Förderung des Wohles der Arbeiterbevöl-kerung unter Anteilnahme des Staates, ist der eigentliche Grund zum Bruche zwischen uns gewesen und hat mir die Feindschaft Bismarcks und damit die eines großen Teiles des ihm ergebenen deutschen Volkes und besonders des Beamtentums auf Jahre hinaus eingetragen …

Bismarck war – das möchte ich nach dem Gesagten betonen – nicht etwa arbeiterfeind-lich. Im Gegenteil! Er war ein viel zu großer Staatsmann, um die Wichtigkeit der Arbei-terfrage für den Staat zu verkennen. Er faßte diese ganze Angelegenheit aber rein vom staatlichen Zweckmäßigkeitsstandpunkte auf …

Fürsorge auf der einen, die Panzerfaust auf der anderen Seite, das war die Bismarcksche Sozialpolitik. Ich aber wollte die Seele des deutschen Arbeiters gewinnen und habe um dieses Ziel heiß gerungen. Ich war von einem klaren Pflicht und Verantwortlichkeitsbe-wußtsein meinem ganze Volke, also auch den arbeitenden Klassen gegenüber, erfüllt.

Diese Fürsorge für die arbeitenden Menschen unterscheidet sich grundsätzlich von den sozialistischen Bestrebungen, die Karl Marx und die Bolschewiken in Rußland angetrieben haben, die keineswegs das Wohl des Arbeiters im Blick hatten als vielmehr ihre Weltherrschaftsgelüste, verbunden mit den Vorstellungen einer einheitlichen, wurzellosen, ihren Völkern entfremdeten Menschenmenge, die sie zu beherrschen beabsichtigten.

Sie haben von ihrem völkervernichtenden, schöpfungsfeindlichen Wollen bis zum heutigen Tage um ihrer Weltherrschaft willen nicht nachgelassen. Sie drangsalieren die Völker, verunglimpfen jede völkische Bewegung und möchten sie im Keime ersticken. Viele Volkstreue sitzen in Gefängnissen fest oder sterben plötzlich.

Diejenigen Arbeiter andererseits, die blindlings den sozialistischen Führern folgten, haben mir keinen Dank für den ihnen geschaffenen Schutz und für meine Arbeit gezollt. Uns trenn der Wahlspruch der Hohenzollern: „Suum cuique“. Das heißt: „Jedem das Seine“, aber nicht, wie die Sozialdemokraten wollen: „Allen das dasselbe“!

… Es kamen Kommissionen nach Deutsch-land, auch solche von Arbeitern. Sie be-suchten unter Führung von deutschen Vertretern, auch von Sozialisten, die Industriegebiete, Fabriken, Wohltätig-keitsanlagen, Heilstätten der Versicherungs-gesellschaft usw. und waren überrascht von allem, was sie sahen …

Über das auch schon früher von Engländern beobachtete Fortschreiten der Sozialfürsorge in Deutschland sei nach London Bericht erstattet worden;

allein „because they came from Germany, nobody ever read them …“

So lagen sie denn einfach ungelesen in den britischen Aktenschränken … Wilhelm:

Weder König noch Parlament besaßen das Gewissen oder Zeit oder Lust, sich mit der Hebung der Arbeiterklasse zu beschäftigen. Die „Einkreisungspolitik“ zur Vernichtung Deutschlands, vor allem seiner Industrie und damit seiner Arbeiterbevölkerung, war ihnen viel wichtiger und lohnender.

Am 9. November 1918 schlossen sich die radikalen deutschen Sozialistenführer mit ihrer gleichgearteten Gefolgschaft diesem britischen Vernichtungswerke an.

Bismarck und Wilhelm erstrebten beide das Wohl des Deutschen Volkes, doch jeder ging entgegengesetz-te Wege. Das brachte sie schließlich zur Trennung, die aber nicht für immer anhielt. Sie haben ihre Achtung voreinander stets bewahrt.

 

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