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Deine Weisheit sei die Weisheit der grauen Haare,
aber dein Herz – dein Herz
sei das Herz der unschuldigen Kindheit.
Friedrich Schiller

Berthold Arndt

äußert sich zum „Spektrum Wissenschaft“ kritisch:

in dem Heft edition 10, „Das Gehirn: Ur-sprung unseres Denkens und faszinierend flexibel“ vom Spektrum Verlag heißt es im Inhaltsverzeichnis, das Gehirn wäre eine biologische Maschine.

Diese Vorstellung ist grundfalsch und schädlich für das Denken.

Es sieht so aus, daß das Bewußtsein des Menschen durch die Physis des Gehirns erzeugt wird. Wir denken nur bei Bewußtsein. Wir haben beim Wahrnehmen mithilfe der Sinnesorgane keinen Freiraum. Eine rote Fläche nehmen wir stets als rot wahr, wenn wir nicht halluzinieren.

Den Freiraum beim Denken nutzen wir, um zu überlegen, was wahr, was falsch, was gut und was böse ist.

Die Nervenzellverbände berechnen nicht irgendwie die Wahrheit.

Die Resultate des Denkens im Bewußtsein wirken auf die Physis zurück. Es handelt sich um eine Rückkopplung.

– Wir sollten, um unser Gehirn richtig zu gebrauchen, uns unserer Umstände, in denen wir leben, bewußt werden,
– wir sollten uns der Notwendigkeiten, die auf uns wirken, bewußt sein,

– wir sollten uns unserer Überzeugungen, unseres Wissens und unserer Art zu denken bewußt sein.

Bewußtheit ist eine Lebenseinstellung, sie hält das Schicksalhafte von uns fern. Eng mit dem Bewußtsein verbunden, ist der freie Wille.

Einige Hirnforscher, die sich als Biologen begreifen, halten den freien Willen für eine Illusion, weil sie ihn nicht erklären können.

Durch diese theoretische Objektivierung des Gehirns droht uns eine ungünstige praktische Objektivierung, wenn wir an sie glauben. Wir werden dann zu Manipulationsobjekten der Hirnforscher.

Wer glaubt, keinen freien Willen zu besitzen, der wird fatalistisch werden.

– Der wird seinen Willen nur selten zur Anwendung bringen, dessen Wille wird verkümmern.

– Der wird sein Gehirn nicht mehr bewußt gebrauchen, sondern Probleme der Physis seines Gehirns übergeben, ohne sich anzustrengen.

– Der wird seinen freien Willen stark einschränken, denn eine willentliche Handlung widerspricht der theoretischen Objektivierung.

Das Gehirn ist keine biologische Maschine, weil die Erkenntnisgewinnung nicht kausal aus der Umwelt folgt.

Der beschriebene Freiraum beim Denken widerspricht jeder Kausalität.

Auf Zellebene gibt es vermutlich Kausalität. Doch dadurch ist das Denken nicht festge-legt. Wenn wir gesund sind, können wir denken, was wir wollen. Die Naturgesetze wirken nicht auf die Resultate unseres Denkens! Es liegt an uns selbst, die Gesetze der Logik zu befolgen.

Sie werden nicht durch die Physis des Gehirns erzeugt. Sie beruhen auf Einsicht.

So bedürfen wir der Selbstgesetzlichkeit beim Denken! Das Bewußtsein steuert die Physis des Gehirns und nutzt dabei die Kausalität auf Zellebene, so wie ein jeder Fahrzeugfüh-rer die innere Kausalität seines Gefährts nutzt.

Wir sollten unsere Denkgewohnheiten immer wieder überdenken, da sie auch unbewußt beim Denken angewendet werden. Nur so entgehen wir dem Schicksal.

Mit freundlichen Grüßen Ihr Berthold Arndt

Adelinde: Nicht jeden Denkvorgang steuern wir bewußt. Manches Mal lassen wir‘s einfach denken, d.h. wir lassen die Gedanken ohne unseren Willen laufen. Das mündet dann nicht selten in Träumerei. Ein schöner, gehaltvoller Vorgang, der bereits an das Wirken der Intuition erinnert.

Auch die Intuition, die selbstlaufende Schau bringt Erkenntnis, und zwar des in allem waltenden Gött-lichen. Alles Seelische – also das nicht in Raum und Zeit Eingeordnete Leben in uns – können wir er-schauen, auch im anderen Menschen, allein schon von seinen Gesichtszügen abgelesen.

Mit dem Willen und der Vernunft, dem Logos, richten wir da nichts aus. Es kommt von selbst, oder es kommt nicht.

Erkennen des Seelischen, auch das Gotterleben können wir nicht herbeirufen, herbeizwingen. Es kommt von allein, spontan, d.h. ohne Willensantrieb. Allein Empfangsbereitschaft ist Voraussetzung. Solange eine Menschenseele ganz und gar im Denken und Trachten nach materiellen „Schätzen“ befangen ist, wird sich kein Erleben des Göttlichen bei ihm einstellen.

Er hat keinen Blick für die Schönheit der Natur um uns herum, er sieht nur den Nutzen, den er daraus ziehen könnte. Er betäubt sich mit „Beat“, anstatt sich von der Schönheit der klassischen Musik unserer großen Musiker bis hin zu Emilie Mayer gefangennehmen zu lassen.

Nur die kindhaft unverdorbene Seele erfreut sich der Schönheiten, mit denen Mutter Natur uns umgibt, falls wir nicht abgesperrt von ihr in der Großstadt oder anderen naturfernen Umgebungen leben müssen. Unsere Einsichten und Weisheiten werden sich dann schon von selbst einstellen. Das kann im Alter sein, kann aber auch in jüngeren Jahren eintreten. Schiller ist das beste Beispiel dafür.

 

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1 Kommentar
Waffenstudent
Waffenstudent
2 Stunden zuvor

Die Welt iſt Gottes unausdenklicher Gedanke,
Und goͤttlich der Beruf zu denken ohne Schranke.
Nichts in der Welt, das nicht Gedankenſtoff enthaͤlt,
Und kein Gedanke, der nicht mitbaut an der Welt.
Drum liebt mein Geiſt die Welt, weil er das Denken liebt,
Und ſie ihm uͤberall ſoviel zu denken giebt.
Rückert, Friedrich: Die Weisheit des Brahmanen. Bd. 4. Leipzig, 1838.

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