1683: Die Türken, noch einmal zurückgeschlagen!
Dienstag, 29. September 2026 von Adelinde
Dr. Gunther Kümel
erinnert an 1683, als die Europäer die Türken noch einmal zurückgeschlagen haben:
Im September jährt sich der Angriff der Weltmacht Osmanisches Reich auf Wien, die Residenz des römisch-deutschen Reiches.
Die Wiener wehrten sich monatelang eisern und mit dem Mut der Verzweiflung gegen eine gewaltige Übermacht. Das Reichsheer, verstärkt durch tausende polnisch-litauische Panzerreiter, konnte Wien im letzten Augen-blick entsetzen.
Das Gedenken dieser welthistorisch bedeut-same Entsatzschlacht sollte unsere Abwehrbereitschaft heute stärken!
Die Araber hatten mit dem Islam seit dem 7. Jh. binnen 100 Jahren Arabien, Ägypten, die Levante, das Zweistromland, Persien, Nord-afrika, Afghanistan mit Samarkand bis an die indische und chinesische Grenze und 711 Spanien erobert.
Ein weiteres Ausgreifen auf Europa konnte erst mitten in Frankreich (Tours, Poitiers, 732) und vor Konstantinopel zum Halten gebracht werden.
Spanien wird durch die Reconquista befreit, die fast 8 Jahrhunderte (bis 1492) dauerte.
Als die islamische Expansion im 11. Jh. Byzanz bedroht, ruft der Papst zu den Kreuzzügen auf, die wenig bewirken. Von Kleinasien ausgehend erobert der Islam Stück für Stück das oströmische Reich, 1453 fällt die Hauptstadt Konstantinopel (Byzanz).
Die Turkstämme der Osmanen (Türken) errichten ein mächtiges islamisches Welt-reich, das Kleinasien und nahezu den gesamten Balkan bis Galizien umfaßt, Ägypten, Maghreb und Levante, arabische und Gebiete am Roten Meer und rund um das Schwarze Meer.
Ziel der Expansion war jetzt Mitteleuropa. Bereits 1529 hatten die Türken Wien, die Hauptstadt des Deutschen Reiches belagert, konnten aber abgewiesen werden.
Im 17. Jahrhundert wurde das Reich durch den 30-jährigen Krieg und die Pestepidemie von 1679 in seiner Substanz getroffen und war nicht weit von vollständiger Vernichtung entfernt. Das weckte die Begehrlichkeit der Großmacht im Osten.
Ein gewaltiges Heer, 200.000 Mann, zog mit Pferden und Kamelen unter Großwesir Kara Mustafa aus Anatolien durch den Balkan, 1300 km weit, in nur hundert Tagen. Kon-tingente aus Istanbul, Anatolien, der Wala-chei, Siebenbürgen, von aufständischen Ungarn und Kroaten und von der Krim bilden den Kern der Truppen.
Die Armee verfügt über einen gewaltigen Troß mit Tausenden von Ochsenwagen, die mit 300 Kanonen, Lebensmitteln, Schieß-pulver, Blei und Lunten beladen sind, mit Schanzwerkzeug, Pioniergerät für den Brückenbau und schweren Holzpfeilern für Belagerungsarbeiten.
Herden von Rindern als Lebensmittelvorrat begleiten den Troß. Etwa 15.000 Kamele tragen Getreide und Ausrüstung über rauhes Gelände, auf denen für die Wagen kein Durchkommen wäre.
Entlang der Route sind im voraus große Depots mit Lebensmitteln angelegt. Über Flüsse werden mit Ingenieurskunst Ponton-brücken angelegt, über die Tausende von Wagen, die Herden, die Kamele und die gesamte Armee ziehen.
Der größte Übergang erfolgt bei Belgrad über die Donau, einen der breitesten Flüsse Euro-pas. Die Kriegserklärung an das Heilige Römische Reich lautet:
„Wir sind im Begriffe, Dein Ländchen mit Krieg zu überziehen (…). Vor allem be-fehlen wir Dir, uns in Deiner Residenz-stadt zu erwarten, damit wir Dich köpfen können (…) und … von der Erde ver-schwinden lassen; wir werden Groß und Klein zuerst den grausamsten Qualen aussetzen und dann dem schändlichsten Tod übergeben.“
Papst Innozenz 11. hat mit Sorge das jahr-zehntelange Ausgreifen des osmanischen Reiches betrachtet. Mit zäher Diplomatie und großen Subsidien hat er ein Bündnissystem des christlichen Europa zusammengebracht, die Heilige Liga, die den Schlag auffangen soll.
Frankreich, die stärkste Militärmacht, lehnte rundweg ab. Der französische König Ludwig 14. betrieb eine brutale Expansionspolitik und betrachtete das Reich als Hindernis für die Ländergier Frankreichs.
Er hatte am Rhein gegen das geschwächte Reich schwere Kriege geführt, auch nach dem Frieden von Münster. Er stärkte die Kriegs-kasse der Türken mit großen Summen und ließ alle Freiwilligen einkerkern, die sich den kaiserlichen Truppen anschließen wollten. Die Notlage des Reiches, und damit des Abendlandes, betrachtete er als strategisches Geschenk.
Die verbündeten Bayern; die Franken, Schwaben, Baden, Oberhessen, Sachsen, und Truppen aus Braunschweig-Lüneburg, Bran-denburg und südwestdeutschen Fürstentü-mern, italienische und französische Frei-willige verstärkten die kaiserlichen Truppen unter dem militärisch hochtalentierten Karl von Lothringen.
Auch die Republik Venedig leistete Unter-stützung mit Truppen. Damit erreichten die deutschen Verbände 50.000 Mann mit 300 Kanonen.
Polen-Litauen war ein europäischer Großstaat mit einer durch Kämpfe mit Russen, Krimtar-taren und Osmanen gestählten Armee. Kern dieser Armee war die schwere Kavallerie der Panzerreiter.
Die päpstliche Diplomatie hatte durch hohe Zahlungen ein Bündnis zwischen Kaiser Leopold I. und König Sobieski von Polen-Litauen zustande gebracht. Polen-Litauen stellte 24.000 Mann, darunter Panzerreiter, deren Sold durch Venedig bezahlt wurde.
Das Reichsheer vereinigte sich mit den anderen deutschen und den polnischen Truppen in Mähren, zog dann donauabwärts Richtung Wien.
Der Marsch durch den Wienerwald erwies sich als gefährliches Hindernis, die schweren Rei-ter mußten andere Wege nehmen als der Rest des Heeres. Hätte Kara Mustafa die beiden Heere auf dem Marsch angegriffen, so hätte er sie wohl aufgerieben.
Die deutschen Verbände zogen unter großem Aufwand auf Waldwegen über Hügel und Täler. Kanonen mußten zerlegt und über die Berge geschleppt werden.
Die Türken führten den Krieg gegen Wien durch Beschießung, vor allem aber durch Minenkrieg mit 5000 Mineuren. Sie errich-teten ein gedecktes Grabensystem bis an die Mauern Wiens, trieben Stollen unter die Basteien, in denen sie dann große Mengen Schießpulver zur Explosion brachten.
Sie konzentrierten sich auf die Burgbastei, die direkt der Residenz Hofburg vorgelagert war. Zuletzt war die Stellung der Verteidiger unter dem tüchtigen und stahlharten Kom-mandanten Rüdiger von Starhemberg ver-zweifelt. Zwei Basteien waren nahezu zer-stört; gefährliche Breschen waren entstanden, die von den Truppen der Belagerten vertei-digt und mit spanischen Reitern und Sand-säcken notdürftig ausgefüllt werden mußten.
Von den ursprünglich 16.000 Verteidigern waren nur noch 4000 kampffähig, die 50-fache Übermacht der 200.000 Angreifer war überwältigend. Dennoch wurde der Feind immer wieder durch Ausfälle angegriffen.
Die Vorräte an Schießpulver und Lebensmit-teln waren fast zur Neige gegangen, die Eroberung der Stadt mit einem Massaker an den Wienern und den verbliebenen Truppen stand unmittelbar bevor: Wien konnte sich nur noch Stunden oder Tage verteidigen!
Diese Lage veranlaßte den Großwesir, auf die frühzeitige Bekämpfung des Entsatzheeres zu verzichten, Wien sollte vor dessen Eingreifen fallen.
So konnte sich der Aufmarsch des Entsatz-heeres fast ungestört entfalten. Das kaiser-liche Heer besetzte eine halbkreisförmige Front von Nußdorf bis Neuwaldegg, die polnischen Panzerreiter die Höhen zwischen Kahlenberg und Leopoldsberg.
Am 12. September griff die christliche Armee in konzentrischem Vorrücken auf Wien die türkischen Belagerer an. Herzog Karl V. von Lothringen zerschlug den schwachen rechten Flügel der Osmanen. Es folgt das ganze Zen-trum des Heeres, die Abhänge vom Leopolds- und Kahlenberg hinunter, von Artillerie unterstützt.
Daraufhin unternehmen die Wiener Truppen einen Ausfall, der die Belagerer in einen Zweifrontenkrieg zwingt. König Sobieski hielt seine Panzerreiter den ganzen Tag in ihren Ausgangsstellungen. Erst am späten Nach-mittag donnerten sie unaufhaltsam hügel-abwärts und zerschlugen im ersten Anlauf die türkischen Elitetruppen der Sipahi und Janit-scharen. Die Reiter drangen ins feindliche Lager ein, die Türken flohen in wildem Durcheinander. Wien war gerettet.
Mit dem Sieg in der „Schlacht am Kahlenberg“ begann die Befreiung des Balkans, die bis ins 20. Jahrhundert andauerte. Wesentliche Er-folge erzielte der Feldherr „Prinz Eugen“ von Savoyen, einer der französischen Freiwilligen.
Zum Dank errichteten ihm die Wiener das Schloß Belvedere und errichteten auf dem Wiener Heldenplatz vor der Hofburg ein Reiterdenkmal, das die Aufschrift trägt:
„Dem beharrlichen Kämpfer für Deutschlands Ehre!“
