Königsberg in Ostpreußen
Freitag, 28. November 2025 von Adelinde
Karsten Oelkers
sandte die folgende Abhandlung in Erinnerung an Königsberg/Ostpreußen ein:
Königsberg in Ostpreußen – Die Zeit vor und nach dem Ersten Weltkrieg
Königsberg war 1910 an die 17. Stelle der deutschen Großstädte aufgerückt. Werften, Waggon–, Maschinen–, Textilfabriken,
Ziegeleien, Holz– und Agrarproduktver-arbeitung, Nahrungs– und Genußmittel-industrie, nicht zu vergessen die Bernstein-manufaktur, führten die Stadt zum Wohlstand.Die Isolierung vom Reich nach dem Ersten Weltkrieg machte 1919 den Ausbau eines Hochseehafens notwendig. Königsberg war das kulturelle und wirtschaftliche Zentrum der Provinz mit Albertus–Universität, staat-licher Kunstakademie, Konservatorium, Ver-waltungsakademie, Museen, Archiven, Schulen, Rundfunksender und wunderschö-nem Tiergarten.
1939 wohnten in der Stadt 372.000 Personen.
Der Zweite Weltkrieg: Inferno über Königsberg und Zerstörung der Stadt (Zeitzeugen).
Vom Zweiten Weltkrieg blieb die Stadt bis August 1944 unberührt, sie galt sogar als sicher vor Bomben, so daß viele Menschen aus dem Westen Deutschlands, aus Berlin und anderen Großstädten, nach Ostpreußen ka-men, um sich hier von den Bombennächten zu erholen.
Es hatte zwar seit 1941 immer wieder rus-sische Angriffe gegeben, einzelne Häuser waren zerstört worden, für die Betroffenen schrecklich, doch in der Bevölkerung herrschte die Meinung vor, daß russische Angriffe ungefährlich seien.
„Wir in unserem Vorort, hörten bei Alarm immer erst im Radio, woher die Flug-zeuge kamen und blieben, wenn sie aus dem Osten anflogen, im Haus.“
„Kein Geschehen hat sich tiefer in mein Gedächtnis eingeprägt als das jener Augusttage im Kriegsjahr 1944, das durch zwei verheerende britische Luft-angriffe die weitgehende Zerstörung meiner Vaterstadt Königsberg brachte.
Als 16–jähriger Luftwaffenhelfer erlebte ich diese Bombarde-ments in der Groß-kampfbatterie Goldschmiede, zehn Kilometer nordwestlich der Stadt gelegen.“
Auszüge aus Seiten 463 – 464.– Autor: Pit Pietersen.
In dieser waren 12 Flakgeschütze 8,8 Zen-timeter stationiert, eine Doppelbatterie. Ich gehörte zur Schw. Hei. 224/1. Erst wenige Wochen zuvor war ich dieser Einheit zugeteilt worden.
Die Kurzausbildung war abgeschlossen. Stichwortartige Tagebuchnotizen haben ein halbes Jahrhundert überdauert.
Königsberg war bis zu diesem Zeitpunkt von schweren Luftangriffen verschont geblieben.
Die ersten russischen Fliegerbomben fielen am frühen Morgen des 23. Juni 1941 im Bereich der Hornstraße auf die Stadt. Viele Mitbürger werden sich noch daran erinnern, daß der Fliegeralarm fast gleichzeitig mit dem Detonieren der Bomben ausgelöst
wurde.Der unselige Ostfeldzug hatte am Tage zuvor seinen Anfang genommen. Es folgten in den nächsten Jahren eine ganze Reihe von nächt-lichen sowjetischen Fliegerangriffen, die aber relativ glimpflich verliefen. Dennoch gab es dabei Todesopfer und beträchtliche Sach-schäden.
In der Nacht zum 27. August 1944 hörten wir das Krachen der Bombeneinschläge sofort nach dem Heulen der Sirenen. Wir griffen unser Notgepäck und liefen aus dem Haus.
Der Himmel war taghell von den so genann-ten „Christbäumen“, die zur Markierung abgeworfen wurden. Im Laufschritt erreichten wir den Bunker, der auf der freien Wiese stand und als sicher galt.
Nicht lange dauerte der Spuk, da gab es Entwarnung. Wir sahen, daß es in der Stadt brannte. Mein Vater fuhr mit dem Rad los, um nach den Verwandten zu sehen, die in der Nähe des Bahnhofs wohnten.
Aber Gott sei Dank war bei ihnen alles in Ordnung, die Brände wüteten weiter in der Stadt.
Dann kam die Nacht des 29./30. August 1944. Wieder schlugen die Bomben ein, bevor wir aus dem Haus liefen. Luftschutzhelfer kamen uns bereits entgegen.
Diesmal meinte ich, das Beben der Einschläge im Boden des Bunkers zu spüren und erwar-tete, unsere Umgebung zerstört vorzufinden.
Aber die Vororte waren auch diesmal ver-schont worden. Über der Stadt war der Himmel blutrot, eine dicke Qualmwolke zog über uns hinweg, wir konnten kaum atmen.
Von unserem Dachfenster aus sahen wir auf ein Flammenmeer. Mein Vater schwang sich wieder auf sein Rad und fuhr stadteinwärts, doch er war bald wieder zurück. Die Stadt
brannte und die Hitze erlaubte kein Durch-kommen.Eine blühende Metropole hatte ich vor einigen Tagen verlassen. Nun blickte ich nur auf Ruinen und Trümmerberge, je weiter ich mich der Innenstadt näherte.
Die Luft war voll beißenden Qualms und der Brandgeruch war unerträglich. Mir kamen Bewohner mit aufgesetzten Gasmasken entgegen, andere trugen Schutzbrillen oder hatten sich ein feuchtes Tuch vor den Mund gepreßt.
Ein Weiterkommen über den Steindamm in Richtung Kaiser–Wilhelm–Platz war nicht möglich. So wählte ich den Weg über den
Wallring bis zum Roßgarten, der passierbar war.Mir begegneten Bürger, die auf Handkarren oder Kinderwagen ihre letzte Habe bargen. Überall Ruinen, verkohlte Balken und rau-chende Schutthalden. Trümmer, so weit das Auge blicken konnte.
Ich gelangte an die zerstörte alte Universität und den ausgebrannten Dom, verkohlte Leichen lagen vor der Honigbrücke. Mit Horchgeräten wurde in Kellern noch immer nach Verschütteten gesucht.
Über die Stadt schien das Jüngste Gericht gekommen zu sein. Plötzlich hatte ich das Bild der zerstörten Synagoge in der Lin-denstraße vor Augen.
Als Junge hatte ich nach der „Reichskristall-nacht“ bedrückt und fassungslos vor der Ruine gestanden. Diese begegnete mir viele Jahre anklagend auf meinem Schulweg.
Dieses unheilvolle Brandschatzen war der Auftakt zum Tode von Königsberg.
Die ganze Innenstadt war ein Trümmerfeld. Das Schloß, der Dom, die beiden Universi-täten, alle Kirchen in der Altstadt, die alten Speicher auf der Lastadie, das Opernhaus, die Hauptpost am Gesekusplatz, die großen Ban-ken und die Hotels waren ausgebrannt.
Noch monatelang rauchten und stanken die Trümmer. Zehntausende von Königsbergern konnten nur das nackte Leben retten. Viele kamen in den Flammen um, waren in den Kellern erstickt oder verschüttet worden.
Nach offizieller Verlautbarung waren damals zirka 4200 Tote zu beklagen.
In zwei Nächten wurde eine blühende Stadt im August 1944 nahezu vernichtet, die ganze Innenstadt ausgelöscht, die Außenstadt teil-weise zerstört.
Bei den Angriffen durch die R. A. F. am 26./27. und 29./30. August 1944 luden 561 Maschinen 2.873 Tonnen Bomben ab. Es wurden zusammen etwa 4.200 Menschen getötet. 200.000 wurden obdachlos.
Durch die Bombardierung wurden viele wertvolle Baudenkmäler, unter anderen die reiche Ausstattung des Schlosses und des Domes sowie viele Museumsbestände, die nicht ausgelagert waren, unwiederbringlich zerstört.
Das Ende Königsbergs. Am 12. Januar 1945 begann der russische Großangriff.
Schon nach wenigen Tagen drangen sow-jetische Heeresverbände in Ostpreußen ein.
Am 31. Januar 1945 schloß die Sowjetarmee den Ring um die „Festung Königsberg“, doch deutschen Truppen gelang es, einen Korridor nach Pillau freizukämpfen. –
Auf der so genannten „Straße des Todes“ konnte ein Großteil der Bevölkerung Ost-preußens entkommen.
Am 6. April 1945 trat die Rote Armee zum Sturm auf Königsberg an. Drei Tage später, am 9. April, unterzeichnete der deutsche Kommandeur General Otto Lasch die Kapi-tulation und wurde deswegen von Hitler in Abwesenheit zum Tode verurteilt.
Aus Königsberg wird Kaliningrad. Die Potsdamer Konferenz der drei Siegermächte USA, Großbritannien und Sowjetunion vom 17. Juli–2. August 1945 sah unter anderem die verwaltungsmäßige Zuordnung des nördlichen Ostpreußen bis zur endgültigen
Regelung durch eine Friedenskonferenz zur Sowjetunion vor.Am 17. Oktober 1945 gliederte die UdSSR dieses Gebiet der Sowjetrepublik Rußland an, Königsberg wurde Hauptstadt dieses Gebiets.
Noch im Herbst trafen die ersten Neubürger aus verschiedenen Sowjetrepubliken ein, doch nur ein Teil von ihnen kam freiwillig.
1947 erhielt „Königsberg“ den neuen Namen „Kaliningrad“. Der Kommunist und Stalin-freund Kalinin (1875–1946) war das erste Staatsoberhaupt der Sowjetunion.
Wer an Königsberg denkt, denkt an Bernstein, Königsberger Klopse und Marzipan, an die Weite der Landschaft und die hohen Wolken am blauen Himmel.
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Anmerkungen
1. Auszug aus dem Buch „Kriegsverbrechen der alliierten Siegermächte“ Autor: Pit Pietersen, Books on Demand GmbH, Norderstedt, ISBN 3–8334–5045–2
Der Panslawismuskongreß von 1848 beschloß die Vertreibung aller Deutschen aus dem Osten
1848 – PANSLAWISMUSKONGRESS
Unser Pommernland war in fremder Hand. Wer denkt heute schon daran, daß die Vertreibung der ostdeutschen Bevölkerung schon 1848 auf dem Panslawistischen Kongreß in Prag für die nächsten 100 Jahre als Zielvorstellung propagiert wurde? Pommern war „befreit“ – von den Deutschen – oder das „Wiedergewonnene Westgebiet“, wie die Polen behaupten. Diese Propagandalügen wurden nicht nur von den Kommunisten, Nationalisten, sondern gerade auch von der katholischen Staatskirche Polens verbreitet. So wird der untaugliche Versuch unternommen, das Jahrhundertverbrechen der Vertreibung – ein Nachkriegsverbrechen – und den größten Landraub unserer Geschichte zu bemänteln, ja zu rechtfertigen.
Den vertriebenen Pommern blieb nur die Erinnerung und die Sehnsucht nach der alten Heimat – und ein harter Existenzkampf in den ersten Nachkriegsjahrzehnten in einem demontierten, geteilten, besetzten und zerbrochenen Deutschland.
Dieser Beitrag wurde geschrieben, um den leider üblichen Verfälschungen und Verharmlosungen des Vertreibungsgeschehens als „Wanderung“, „Bevölkerungstausch“, „Bevölkerungstransfer“ oder „Umsiedlung“ die erlebte Wirklichkeit entgegenzustellen. Gleichzeitig soll die junge Generation damit an den Leidensweg ihrer pommerschen, sowie ihrer ost- und sudetendeutschen Vorfahren erinnert werden.
Weiter wird der Panslawismus von Friedrich Engels 1855 beschrieben: In dem Buch von Prof. Konrad Löw „Das Rotbuch der kommunistischen Ideologie – Marx u. Engels, die Väter des Terrors“ das Zitat Engels 17.April 1855 über den Panslawismus (Deutschland und der Panslawismus):
Die slawische Race, lang geteilt durch innere Zwiste, nach dem Osten zurückgetrieben durch die Deutschen, unterjocht, zum Teil von Deutschen, Türken und Ungarn, still ihre Zweige wiedervereinend, nach 1815, durch das allmähliche Wachstum des Panslawismus, sie versichert nun zum erstenmal ihre Einheit und erklärt damit Krieg auf den Tod den römisch-keltischen und deutschen Racen, die bisher in Europa geherrscht haben. Panslawismus ist eine Bewegung nicht nur für nationale Unabhängigkeit; er ist eine Bewegung, die ungeschehen zu machen strebt, was eine Geschichte von tausend Jahren geschaffen hat, die sich nicht verwirklichen kann, ohne die Türkei, Ungarn und eine Hälfte Deutschlands von der Karte von Europa wegzufegen, die, sollte sie dies Resultat erreichen, seine Dauer nicht sichern kann außer durch die Unterjochung Europas.
Panslawismus hat sich jetzt umgewandelt aus einem Glaubensbekenntnis in ein politisches Programm, mit 800.000 Bajonetten zu seiner Verfügung. Er läßt Europa nur eine Alternative: Unterjochung durch die Slawen oder Zerstörung für immer des Zentrums ihrer Offensivkraft – Rußlands… (ganz am Anfang)
(zu vermuten, ohne mehr zu lesen, daß Marx/Engels hier spekulierten, wie sie mit ihrem Klassenkampf einen Platz finden könnten im Weltzerstörungstheater.)
Also, diese politischen Bewegungen waren da um 1850, schwieriger ist dann herauszufinden, von wem sie geschürt wurden und wer sich die Lage zu Nutze machte, wie es etwa Marx/Engels vorhatten.
Hier noch ein Ausschnitt aus einem Artikel von Webster Tarpley zu den Aufständen im Nahen Osten 2011:
Wendepunkt Juni/Juli, wie im Jahr 1848
Die Welle von britisch-amerikanischen Putschen von 2011 erinnert an ein historisches Modell: die Aufstände von 1848 in Europa. Sie begannen mit einer Revolte in Sizilien (nicht weit von Tunesien), sie führten zum Sturz des französischen Königs Louis Philippe im Februar und des mächtigen österreichischen Kanzlers Prinz Metternich im März. In diesen Aufständen entluden sich die Spannungen, die sich unter dem System der Heiligen Allianz von 1815 über Jahrzehnte hinweg aufgebaut hatten. Ausgelöst wurden sie jedoch von den Netzwerken des italienischen ultra-nationalistischen Aufwieglers Giuseppe Mazzini, einem Agenten der britischen Admiralität. Die Unruhen erfaßten ganz Zentraleuropa.
Der Wendepunkt lag im Juni/Juli 1848, es begann mit einem Aufstand tschechischer Nationalisten in Prag, der nach dem 12. Juni von der österreichischen Armee unter General Windischgrätz blutig niedergeschlagen wurde. Ein Putschversuch radikaler Arbeiter und Einwohner von Paris, die in Louis Blancs Nationalwerkstätten organisiert waren, wurde in den sogenannten Junitagen, der Zeit vom 24. bis 26 Juni 1848, von dem reaktionären General Cavaignac erstickt. In Norditalien wurde die Armee des italienischen Königreichs Sardinien – das Wien den Krieg (2) erklärt hatte, um eine Rebellion in Mailand zu unterstützen, und darauf hoffte, diesen Aufstand dazu nutzen zu können, die Österreicher aus Italien zu vertreiben und einen geeinten Staat zu errichten – am 25. Juli bei Custozza von Marshall Radetzky geschlagen.
Im September und Oktober begannen ungarische Nationalisten unter dem Mazzini-Schüler Kossuth einen Bürgerkrieg gegen die Kroaten, was soziales Chaos und (wie R. R. Palmer sagt) »den Krieg jeder gegen jeden« zur Folge hatte. Etwas später wurden russische Truppen aufgerufen, den Aufstand in Ungarn niederzuschlagen. Die Unruhen flammten im Frühjahr 1849 erneut auf, insbesondere mit der Schaffung von Mazzinis Römischer Republik, bevor die Aufstände am Ende des Sommers 1849 abflauten und eine Phase von Unterdrückung, Zynismus und Reaktion begann.
Es könnte nützlich sein, bei der Einschätzung der heutigen Ereignisse diesen Zeitrahmen als groben Anhalt im Hinterkopf zu behalten, auch wenn man sich natürlich darüber im Klaren sein muß, daß es keine mechanische oder zyklische Wiederholung geben wird. kopp-verlag.de
Ein wichtiges zeithistorisches Dokument, geschrieben aus der Erlebnisperspektive, die deutlich die brutale Vernichtungspolitik Churchills zeigt, jedoch mit Mängeln in der strategischen Einschätzung (Stichwort: „unseliger Krieg gegen Rußland“; als wenn Deutschland in dieser Frage die Wahl gehabt hätte!). Von dem damals Sechszehnjährigen allerdings entschuldbar.
Dies ist überhaupt die ganze Crux unserer Deutschen: Ihr parzelliertes Bewußtsein – systematisch gehegt durch die üble Propagandamaschine der Hintergrundmächte und alten Feinde Deutschlands –, die es ihnen nicht gestattet, die Einzelheiten zusammenzubringen und sie immer genau an dem Punkt abbiegen läßt, wo die wirkliche Erkenntnis und die entscheidende Lösung auf sie wartet. Dies ist allerdings auch der unterschwelligen kollektiven Angst geschuldet, wieder in solche Erlebnisse hineinzugeraten. Nur wegschauen hilft ja leider nicht.
Für die Aufklärer eine heikle Gratwanderung. Zusätzlich erschwert durch die wachsende politische Verfolgung aller Dissidenten. Denn natürlich muß einerseits die Vergangenheit in der richtigen Form aufgearbeitet werden, damit der psychologischen Kriegsführung gegen die Deutschen die Grundlage entzogen werden kann, andererseits müssen die Probleme, die den Leuten aktuell auf den Nägeln brennen, aufgegriffen und pragmatische Lösungen angeboten werden, die freilich, so lange die Fragen der Vergangenheit nicht geklärt sind, nur in Halbheiten stecken bleiben.
Haben wir also nur die Wahl zwischen Pest und Cholera? So scheint es zunächst. Das schwerst traumatisierte Deutsche Volk hat allerdings Besseres verdient.