Die Kirche bleibt sich gleich!

Ein Bericht von

Laszlo Trankovits

über „Veränderungen“ in der

EVANGELISCHEN KIRCHE IN DEUTSCHLAND

zeigt, daß die Kirche seit eh und je mit jedem Machthaber „ins Bett“ geht. Sie ist ein machtgeiles Organ, das seine leichtgläubigen, im Denken un-selbständigen Kirchensteuer zahlenden Schäflein wie ein Hirte zur eigenen Mächtigkeit mißbraucht, gleich ob katholisch oder evangelisch.

Erich Ludendorffs Empfehlung scheint in Erfüllung zu gehen:

„Nehmt ihnen die Kampfscharen!“

Er hatte mit der Philosophie seiner Frau Mathilde Ludendorff etwas grundlegend Besseres zu bieten, eine Philosophie, die sich ausrichtet an der Wirklich-keit des Göttlichen, der Naturgesetze, des Sinnes der menschlichen Unvollkommenheit und des Men-schenlebens überhaupt.

Doch nun Taslo Trankovits:

Die evangelische Kirche in Deutschland hält unbeirrbar an ihrem politischen, am linken Zeitgeist orientierten Kurs fest. Glaube und Religion werden immer mehr zu Rand-themen. Dabei hat auch sie mit der Aufarbei-tung von sexuellem Mißbrauch zu kämpfen. Eine Bestandsaufnahme

Was er uns beweisen will:

Mit einer Strategie der Erneuerung will die evangelische Kirche in Deutschland (EKD) der stetig sinkenden Zahl von Protestanten in den zwanzig lutherischen, reformierten und unierten Landeskirchen begegnen. Seit 1990 hat die Zahl der Kirchenmitglieder um etwa 30 Prozent abgenommen. Allein 2022 ver-ließen 380.000 Menschen die Kirche.

Es ist nur ein schwacher Trost (für wen?), daß trotz sinkender Mitgliederzahlen die spru-delnden Steuereinnahmen (2022 waren es 6,2 Milliarden Euro) für die ohnehin reiche Kirche in keiner Weise beeinträchtigt sind …

da die hohen Lohn- und Einkommenssteuern an die Kirchensteuern angekoppelt sind.

Kirchentage symbolisieren den Wandel

Besonders die teilweise schrillen und provo-zierenden evangelischen Kirchentage legen seit vielen Jahren deutlich Zeugnis von dem Willen der Kirche zu fragwürdiger Modernität und gesellschaftspolitischer Parteilichkeit ab.

Auf dem Kirchentag im Juni 2023 in Nürnberg standen vor allem die Themen Klimawandel, Kolonialismus und Rassismus im Zentrum des Programms; viel Aufmerksamkeit galt den Aktivisten der „Letzten Generation“.

Die EKD-Synode, das Kirchenparlament der evangelischen Christen, hatte sich schon im November 2022 mit den Klima-Aktivisten solidarisiert. Manche Pressekonferenz der „Letzten Generation“ fand in evangelischen Kirchen statt. 

Der Nürnberger Kirchentag endete mit der Predigt des aus Südafrika stammenden Pastors Quinton Ceasar, der sich klar zum Kampf gegen Klimawandel und Rassismus bekannte.

„Jetzt ist die Zeit, zu sagen, wir sind alle die Letzte Generation. Jetzt ist die Zeit zu sagen, black lives always matter. Jetzt ist die Zeit zu sagen, Gott ist queer.“

Dann küßte der Pastor eine Transfrau. Worte und Gesten des temperamentvollen Geistli-chen wurden bei dem Gottesdienst mit Ap-plaus und Freudenrufen gefeiert.

Die Anpassung der Kirche an die jeweilige Politik sieht man auch an der sog. Kirche „Deutsche Christen“ in der NS-Zeit.

Tiefer Antisemitismus der evangelischen Kirche

Führende evangelische Theologen wie Prof. Walter Grundmann (Mitglied der NSDAP) und Prof. Hans Erich Eisenhuth wollten alles Jüdische aus der Bibel tilgen. Zu Füßen der Wartburg in Eisenach arbeiteten jahrelang etwa 200 evangelische Theologen an einem „Entjudungsinstitut“.

Ziel war es, jüdische Hinweise aus der Bibel oder den Gesangbüchern zu tilgen. Hebräi-sche Begriffe wie „Amen“ und „Halleluja“ wurden gestrichen. Jesus wurde als arischer Galiläer umgedichtet. Angesichts des radi-kalen Antisemiten Martin Luther (der die Schrift „Von den Juden und ihren Lügen“ schrieb) konnten sich die Protestanten auf ihren Kirchengründer berufen.

Welch ein Krampf! Die Bibel ist durch und durch hebräischen Geistes. Als hätten wir Deutsche nicht selbst eine hohe Kultur, wurde versucht, die uns aufgezwungene Fremdreligion einzudeutschen! Und wiederum:

Die protestantische Nähe zum Zeitgeist – reloaded?

… EKD mit eigenem „Gender-Sprachhand-buch“

Dazu gehört beispielsweise die unkritische Akzeptanz „moderner Ideen“ wie die Anstren-gungen, Literatur und Kunst „politisch kor-rekt“ anzupassen oder ein irres, häßliches Gender-Deutsch durchzusetzen … Nachdem die EKD 2020 den Gläubigen ein „Gender-Sprachhandbuch“ präsentierte, lästerte der frühere Lehrerverbandspräsident Josef Kraus bei „Tichys Einblick“ über „die Kirche als Gender-Sekte“

In diese Reihe paßt auch die Akzeptanz aktueller Wissenschaftsmoden wie die über eine angebliche Vielzahl der Geschlechter, der „post-kolonialen Studien“ oder einer Weißen-feindlichen Identitätspolitik …

Tiefe Scham über den Sündenfall der Kirche

Die evangelische Kirche konfrontierte sich nach 1945 beschämt mit dem Sündenfall der Protestanten in der NS-Zeit und verpflichtete sich, künftig gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen und christliche Werte zu ver-teidigen. Nie wieder sollte in Deutschland Unrecht geschehen, ohne daß evangelische Christen ihre Stimme erheben.

Protestantismus im Norden: lebendig und ohne Gläubige

Wer wissen möchte, wie die Zukunft der Evangelischen Kirche aussehen könnte, sollte ins traditionell zutiefst protestantische Skandinavien schauen. Kirchen sind dort wie die Monarchie glanzvolle Relikte früherer Feudalzeiten, durchaus noch immer respek-tiert und geachtet, aber eher machtlos und letztendlich mit wenig Bedeutung für die Gesellschaft.

Die Schweden kokettieren damit, daß sie das am stärksten säkularisierte Land der Welt seien. Umfragen zufolge glauben nur noch 18 Prozent der Schweden an einen Gott. In Euro-pa gibt es demnach nur noch in Estland und Tschechien weniger Gottesgläubige, in Deutschland soll noch jeder zweite gläubig sein. Die Zahl sonntäglicher Gottesdienstbe-sucher in ganz Schweden würde locker in ein großes Fußballstadion passen.

Die „Schwedische Kirche“ muß dennoch kaum um ihre Existenz bangen. Sie wird vor allem als Bewahrer lutherischer Traditionen ge-schätzt, die noch immer als Teil nationaler Identität wahrgenommen werden. Dazu ge-hören schließlich auch säkulare Werte wie Arbeitsethos, Bescheidenheit und Gemein-sinn, hoch gehalten auch von den Sozialde-mokraten, die das moderne Skandinavien geprägt haben. Zudem ist die „Svenska Kyrka“ wichtiger Zeremonienmeister an christlichen Festtagen, bei Taufen, Hochzeiten und Beerdigungen.

Der schwedische Religionswissenschaftler David Thurfjell (Universität Södertörn) be-gründete den Verlust der Religiosität in seinem Buch „Das gottlose Volk“ mit der Dominanz einer „nachchristlichen Mittel-klasse“, die ein säkulares Selbstbild habe.

Die EKD vor einer skandinavischen Zukunft

Ungeachtet aller Erfahrungen des gesell-schaftlich weitgehend marginalisierten Christentums in Skandinavien befindet sich die EKD auf dem offenbar sehr verführeri-schen Weg in die weitere Säkularisierung und Politisierung. Allerdings reichen die Wurzeln der evangelischen Sehnsucht, auch in der Moderne noch eine gewichtige politische Rolle zu spielen, tief in die Geschichte Deutschlands. 

Schon zu Zeiten von Reichskanzler Otto von Bismarck im 19. Jahrhundert fühlten sich manche evangelische Geistliche angesichts des großen sozialen Elends zu Beginn des Industriezeitalters von sozialistischen Fan-tasien angezogen. Später traten evangelische Theologen und Pfarrer in die SPD ein. „Ich bin Anhänger Christi. Christus aber war Sozia-list“, formulierte 1900 Pfarrer Christoph Blumhardt.

In der Weimarer Republik entstand aus der Bewegung der Religiösen Sozialisten die sozialistische Partei „Bund der religiösen Sozialisten Deutschland“, der eine Überwin-dung des Kapitalismus anstrebte. Der Vorsit-zende des Bundes, Pfarrer Erwin Eckert, ver-trat marxistische Positionen und wurde nach dem Krieg Mitglied der Kommunistischen Partei Deutschlands.

Kirche in der DDR zwischen Anpassung und Widerstand

Nach dem II. Weltkrieg fanden sich die evangelischen Landeskirchen in der DDR in einem marxistischen, offen religionsfeind-lichen Staat wieder. Der „Bund evangelischer Kirchen“ wurde im Namen der verfassungs-mäßig garantierten Religionsfreiheit dennoch toleriert. Immerhin gab es bei der Wende 1989 noch 5,4 Millionen Protestanten.

Die SED suchte die Kirchen nicht ohne Erfolg mit angeblich gemeinsamen „humanisti-schen“ Idealen, dem Streben nach Frieden, Gerechtigkeit und Solidarität zu vereinnah-men. Religiosität und Gottesglaube wurden von den Kommunisten als reaktionäre Relikte angesehen, schließlich war Religion in -Augen „Opium des Volkes“.

Manches deutet darauf hin, daß der DDR-Atheismus letztendlich durchaus Wirkung erzielt hatte. Religion hat in den neuen Bun-desländern einen schweren Stand, nur 15 Prozent der Bürger sind noch in der Kirche, weit weniger als in den alten Bundesländern.

EKD positioniert sich politisch klar links

Evangelische Gemeinden und Pfarrer haben wesentlich zu der  Willkommenskultur“ für Flüchtlinge und Migranten beigetragen. Dabei leisten sie mit großem Einsatz und viel Geld allerorten Hilfe für die Menschen aus Afrika, Asien und Osteuropa. Mit „Kirchenasyl“ und der Finanzierung von Schiffen zur Seenotret-tung im Mittelmeer macht die EKD deutlich, daß sie einer Begrenzung der Migration mit Mißtrauen gegenübersteht.

Die Grenze der „Aufnahmekapazität“ Deutschlands und Europas sei erst dort erreicht, „wo es zur Selbstaufgabe“ komme, und diese Grenze sei „noch lange nicht erreicht“, hatte die Ex-Ratsvorsitzende Kurschus 2021 betont. Offene Grenzen seien ein Gebot der Barmherzigkeit.

EKD und Grüne Seite an Seit’

Kein Problem mit der Positionierung hatte die EKD auch, als während der Corona-Pandemie die Grundrechte der Bürger und die Ver-sammlungsfreiheit der Kirche deutlich einge-schränkt wurden. Die EKD unterstützte die Maßnahmen der Regierung: 

„Impfen ist eine Pflicht aus christlicher Nächstenliebe heraus,“

meinte Bischöfin Kurschus.

In der Sozial- und Wirtschaftspolitik orientiert sich die EKD weitgehend am Weltbild der Linken und Grünen aller Parteien: 

„Unser kapitalgetriebenes und gewinn-orientiertes Wirtschaftssystem ist in seiner ungezügelten Form ein Raubtier geworden“,

formulierte es Kurschus … Konsequenter-weise fordert die EKD auch die Einführung einer „Reichensteuer“.

Naive Gutgläubigkeit gegenüber dem Islam

Mit dem Mißtrauen gegen den Kapitalismus und dem Vertrauen in staatliches Planen, Dirigieren und Kontrollieren verbindet sich ein bei Grünen und Linken weit verbreiteter Anti-Amerikanismus.

Die Präsidentschaft von Donald Trump (2017-2021) bezeichnete Bedford-Strohm einmal als einen „Albtraum“. Die Kirche kri-tisierte auch scharf Trumps Entscheidung, Jerusalem als Hauptstadt Israels anzuerken-nen und die US-Botschaft von Tel Aviv dorthin zu verlegen.

Diese Kritik spiegelt auch das gebrochene, zuweilen feindselige Verhältnis der EKD zu Israel wider. Zwar propagiert die Kirche vehement den Kampf gegen jegliche Form von Antisemitismus und das Existenzrecht Israels. Aber gleichzeitig beharrt die Kirche auf eine weitgehend unkritische Unterstüt-zung der „palästinensischen Sache“, der Palästinenser in „Flüchtlingslagern“ und vor allem aller möglichen „Friedens-Organisa-tionen“.

Gleichzeitig sind die Protestanten Deutsch-lands beim Thema Islam und der muslimi-schen Minderheit im Land von einer naiven Gutgläubigkeit und weltfremdem Wunsch-denken geprägt. Kritik am Islam wird in der Regel in guter linker Tradition als „Islamophobie“ diskeditiert.

Mit diesem Kampfbegriff wird aber oft auch die nüchterne Analyse der islamischen Ge-schichte und Werte oder die sachliche Kritik am muslimischen Frauenbild oder der Scharia abgetan. Die Sorge über die anhaltende Aus-breitung des Islam in Westeuropa und der zunehmende islamische Einfluß in allen Be-reichen der Gesellschaft scheint die EKD kaum zu beunruhigen.

Verfolgung der Christen weltweit ein Randthema

Sehr viel gravierender scheinen die Themen, über die die EKD nur marginal spricht. So gibt es kaum eine adäquate Antwort auf die of-fensive islamische Missionsarbeit in Deutsch-land oder den zuweilen bedrohlichen Einfluß islamischer Werte und Traditionen in Kinder-gärten oder Schulen

Pro-Life-Positionen wackeln

Es gibt kaum einen Bereich, in dem sich die EKD nicht eindeutig und vernehmlich zu linken, grünen und woken Idealen bekennt. Sogar bei christlich essenziell wichtigen Themen wie Abtreibung und Sterbehilfe gibt es viel Unterstützung für „liberale“ Sichtwei-sen.

Traditionell konservative Standpunkte über die Heiligkeit des Lebens, die weder eine Abtreibung noch ein selbstgesetztes Lebens-ende akzeptieren kann, spielen in der evangelischen Kirche keine große Rolle.

Die katholische Kirche, die durchaus auch mit Phänomenen wie Säkularisierung, Politisie-rung und Mitgliederschwund zu kämpfen hat, zeigt sich allerdings zunehmend befremdet über den Kurs der EKD. Der Tübinger katho-lische Moraltheologe Franz-Josef Bormann sprach jüngst sogar von einem EKD-„Generalangriff“ auf katholische Standpunkte.

Es sei eine „ökumenische Provokation“, daß sich evangelische Theologen für Suizidas-sistenz in kirchlichen Einrichtungen einset-zten. Bei zentralen ethischen Fragen wie Sterbehilfe und Abtreibung habe sich die EKD „vom Konsens mit der katholischen Kirche verabschiedet“, so das Mitglied des Deut-schen Ethikrats im theologischen Portal communio.de.

Die Protestanten akzeptierten inzwischen, daß der strafrechtliche Schutz des Ungebo-renen erst etwa ab der 22. Schwanger-schaftswoche greifen soll. Folgerichtig be-teilige sich die EKD auch nicht mehr – wie seit 1994 üblich – an der jährlichen „Woche für das Leben“. Auch sei für die evangelische Kirche das „therapeutische Klonen“ inzwi-schen kein Tabu mehr, beklagte Bormann.

Sexueller Mißbrauch keineswegs „ein katholisches Problem“

Ein unabhängiges Forscherteam präsen-tierte im Januar ihre schockierende Studie und sprach von etwa 2.200 Mißbrauchsopfern und fast 1.300 mutmaßlichen Tätern. Das alles sei zudem auch noch – angesichts der vermuteten Dunkelziffer nur „die Spitze der Spitze des Eisbergs“, sagt der Sozialpädagoge und Teamleiter Martin Wazlawik. Den For-schern habe nur eine begrenzte Zahl von Kirchendokumenten vorgelegen.

Auf Basis der Daten der einzigen Landes-kirche, die ihre Personalakten vollständig preisgab, erstellten die Wissenschaftler eine beunruhigende Hochrechnung. Demnach wären in Schleswig-Holstein seit 1946 bun-desweit mehr als 9.000 Kinder und Jugend-liche sexuell mißbraucht worden. Etwa ein Drittel seien Mädchen und Frauen gewesen, zwei Drittel männlich. Von den mutmaßlich rund 3.500 Tätern – so gut wie alle Männer – seien ein Drittel Pfarrer oder Vikare.

Wegen eines vermutlich vertuschten Miß-brauchsfalls war im November 2023 die damalige Ratsvorsitzende, Annette Kurschus, zurückgetreten. Sie war 1990 als Pfarrerin mit einem Fall von homosexuellen Übergrif-fen in ihrer Gemeinde nicht transparent und angemessen genug umgegangen, hieße es. Dem Rücktritt vorangegangen war ein „Kom-munikationsdebakel“ („Die Welt“), das wochenlang für Schlagzeilen sorgte.

Kirche in der Krise

Das Erscheinungsbild der EKD in der Öffent-lichkeit kann die Kirchenleitungen wenig freuen. „Die evangelische Kirche im Nieder-gang“, titelte „Die Welt“ angesichts der jüngsten Entwicklungen und Turbulenzen in der Kirche.

„Die EKD hat sich von Luther und von substanzieller theologischer Argumen-tation verabschiedet“,

schrieb der Mainzer Theologieprofessor Walter Dietz.

Zuweilen wirken die Versuche der evange-lischen Kirche geradezu verzweifelt, inmitten der digitalen Revolution, globaler Krisen, wachsender Säkularisierung, der wachsenden Verunsicherung der Menschen und der spür-baren Polarisierung im freien Westen Orien-tierung zu finden und selbst Orientierung zu geben.

Rheinländische Landeskirche schafft Sonntagsgottesdienst ab

Der Wille zu Veränderung und Moderni-sierung kennt in der evangelischen Kirche wenige Grenzen. Die rheinländische Landes-kirche (EKiR) beschloß auf ihrer Synode im Januar eine Reform, die sie selbst als „histo-risch“ bezeichnete:

Als erste evangelische Landeskirche in Deutschland schafft die EKiR (mit 2,2 Millionen Mitgliedern die zweitgrößte Lan-deskirche) den Sonntagsgottesdienst ab. Ab März muß der Gottesdienst nicht mehr am Sonntag stattfinden, sondern kann an jedem anderen beliebigen Wochentag gefeiert werden.

Diesem gravierenden Traditionsbruch folgten gleich mehrere andere Beschlüsse, denen zu-folge künftig Taufen, Trauungen und Konfir-mation nicht mehr in der Kirche, sondern überall zelebriert werden können. Der Rhei-nische Präses Thorsten Latzel meinte im Interview mit dem Domradio, die Kirche kehre zur „urchristlichen Praxis“ zurück.

Künftig sollen in der Landeskirche auch Eltern, die nicht Mitglieder der evangelischen Kirche sind, ihre Kinder taufen können.

„Überfinanzierte Nichtregierungsorganisation“

Die EKD hält seit vielen Jahren unbeirrt an ihrem politischen, am Zeitgeist orientierten Kurs fest.

„Eine überfinanzierte Nichtregie-rungsorganisation mit Restbeständen religiöser Folklore“,

schrieb polemisch der Schriftsteller Klaus-Rüdiger Mai. Die EKD

„schippert inzwischen irgendwo im großen grünen Meer des Wohlfühlpro-testantismus, der Unterstützung des Schleuserunwesens, der rotgrünen Gesinnung, der Geringschätzung der Gemeinden herum.“

Auch in der evangelischen Kirche gibt es zu-weilen Einsicht in eine mögliche Fehlent-wicklung. 

„Manchmal reden wir in unseren Predig-ten vielleicht ein bißchen zu wenig über Gott“,

sagte der Theologe Thies Gundlach, der bis 2021 ein besonders reformfreudiger Vize-präsident im EKD-Kirchenamt war …

Abgesehen von der Willfährigkeit, ohne zu zögern auf den Zug der lauten Moderne auf-zuspringen, spricht vieles dafür, daß die „Offenheit“ gegenüber gesellschaftlichen Entwicklungen und die deutliche Politisierung der Kirche den Bedeutungsverlust von Reli-gion und Kirche in der zunehmend säkula-risierten Moderne noch beschleunigt.