Das Martyrium der Prager Deutschen im Mai 1945

Eigentlich sind die Deutschen
die einzigen anständigen Menschen,
die es in Europa noch gibt.
US-4-Sterne-General George Patton 1945

„Lauft, ihr Schweine!“

Die Weltpresse war schon lange vor Ausbruch des Weltkrieges gleichgeschaltet, da in EINER Hand, nämlich derer der geheimen Weltherrscher, denen der Aufruf ihres „Gottes“  Jahwe eine wichtige Ge-horsamspflicht bedeutete, die Völker zu vernichten, um als Auserwählte des HErrn allein die Welt zu beherrschen. Diese Weltpresse war im Sinne Jahwes außerordentlich wirksam und erfolgreich:

Aller Welt war als Kriegswaffe des Weltkrieges der Haß gegen das zu vernichtende Deutsche Reich und die Deutschen ins Gehirn gewaschen. Das ging auch dem US-General Patton so, bis er die Deutschen als Besatzungsoldat in ihrem Lande selbst kennenlernte.

Der Haß der Tschechen, mit denen die Deutschen im Sudetenland, in Prag und in Böhmen und Mähren friedlich zusammengelebt hatten, war plötzlich zu grausamsten Fantasien aufgestachelt.

Zum historischen Hintergrund lesen wir die fünf-teiligen Ausführungen von

Thomas Engelhardt

In der Zeit des sog. Prager Aufstands (5. bis 9.05.1945) hielten sich 200.000 Deutsche in Prag auf. Etwa 40.000 waren alteingessene Prager Deutsche, weitere etwa 50.000 waren zugezogene Reichsdeutsche (Verwaltungsbe-amte, Militärs, Polizeiangehörige usw.).

Darüber hinaus handelte es sich um i. d. Z. ab 1938 aus den deutsch besiedelten Gebieten Böhmens und Mährens Zugezogene bzw. um Flüchtlinge aus den Sprachinseln und den deutschen Siedlungsgebieten Nordmährens und Nordböhmens (Schönhengstgau, Iglauer Sprachinsel, Zwittauer Sprachinsel, Kuhländ-chen) sowie aus Sudeten-Schlesien (bis 1918 Österreichisch-Schlesien) und Ober- und Niederschlesien.

Nach offiziellen Angaben sind in den drei Tagen vom 5. bis 8. Mai 15.000 Deutsche (Zivilisten) massakriert worden. Diese Opfer-zahl muß angesichts des Ausmaßes des Terrors jedoch angezweifelt werden.

Typisch seit Kriegsende 1945 ist es, Opfer-zahlen von Deutschen zu minimieren, das Ausmaß der Verbrechen zu marginalisieren und die Anzahl der Opfer von Übergriffen und Verbrechen stets herunter zu rechnen.

Verwiesen sei in diesem Zusammenhang insbesondere auf die Veröffentl. von E. J. Reichenberger: Die Prager „Revolution“ In: Emmanuel Johannes Reichenberger: Ost-deutsche Passion, München 1948, ebda., S. 101-113.

Die genauen Todesopfer der Massaker in Prag lassen sich heute nicht mehr feststellen. Es ist jedoch von einer Zahl zwischen 25.000 und 40.000 innerhalb weniger Tage auszu-gehen.[1]

„Lauft, ihr Schweine!“

SPIEGEL-Serie über Flucht und Vertreibung der Deutschen aus dem Osten von Thomas Darnstädt und Klaus Wiegrefe.

Das Ende von allem war ganz genau bedacht. Die Schlüssel:

„Sie sind von allen Türen abzuziehen“ und „mit Schnur zusammenzubinden“. Sodann sind sie „mit der genauen An-schrift auf starkem Papier zu versehen, das mittels Schnur zu befestigen ist“.

Und noch was:

„Vor dem Verlassen der Wohnzimmer und der Gebäude muß jede Eingangstür ver-schlossen und mit einem Streifen Papier so verklebt werden, daß dieser beide Türflügel verbindet und das Schlüssel-loch überdeckt. Böhmisch Leipa, 14. Juni 1945, der Militärortskommandant.“

„Lauft, ihr Schweine!“

Das Leben, von Amts wegen beschlossen: Die Schlüssel gefädelt, die Türen zum eigenen Haus gehorsam verklebt, ein Koffer rechts, ein Koffer links, ohne Ziel, ohne Obdach morgens um fünf Uhr auf der Landstraße, weil der Militärortskommandant eines Städt-chens irgendwo in den Sudeten das so ange-ordnet hat.

Die Vertreibung: Kann sich jemand das vorstellen?

Die Vertreibung – nach Krieg und Flucht die dritte Katastrophe im Leben der Deutschen im Osten. Mehr als 14 Millionen Menschen werden aus der Tschechoslowakei, aus Polen, Jugoslawien, Ungarn und Ostdeutschland hinausgeworfen.

Vor den Bomben waren sie in die Keller gekrochen, vor den heranrückenden Besat-zern konnten sie weglaufen und dabei doch ihr eigenes Leben, wenn auch elendig, in die eigene Hand nehmen.

Was für ein Gefühl aber muß das gewesen sein: mit jedem Lidschlag vom Willen anderer Menschen abhängig zu sein, die bei ihren blindwütigen Aktionen entweder gar nichts empfinden – oder nackten Haß.

Es begann mit nacktem Haß. Beim Prager Aufstand im Mai 1945 wurde den Deutschen im Osten blutig gezeigt, was die bis gestern von Hitlers Hilfsdiktatoren geknechteten Tschechen und Polen nun mit dem Volk der Unterdrücker vorhatten.

4. Mai, Nähe Wenzelsplatz, der Krieg ist noch nicht einmal ganz zu Ende: Eine kleine Grup-pe Prager hat sich vor einem Friseursalon versammelt und klatscht johlend Beifall. Der Friseur überpinselt das deutsche Firmen-schild an seinem Laden. Ein Polizist hält ihm dabei die Leiter.

Im „Reichsprotektorat Böhmen und Mähren“ waren deutsche Schilder Pflicht. Doch nun ist die Macht der Deutschen gebrochen. Seit Monaten haben sich im Untergrund Wider-standsgruppen formiert, Nationalisten und Kommunisten Hand in Hand arbeitend; die schlagen nun los.

Am Morgen des folgenden Tages tobt an den Moldaubrücken der Aufstand. Tschechen, mit Revolvern, Messern und Beilen bewaffnet, ziehen durch die Straßen. SS-Mannschaften schießen auf die Rebellen.

Den Aufständischen gelingt es, den Sender Prag II zu kapern, dort verkünden sie die Parole, die in den nächsten Tagen in allen Straßen der Goldenen Stadt zu hören sein wird: „Tod den Deutschen“.

Eine Menschenjagd beginnt.

„Alle Bürger, die Deutschen Schutz gewähren, werden zur Verantwortung gezogen“,

heißt es im Radio. An den Bäumen hängen die ersten SS-Leute. Als die Russen anrücken, den Aufständischen mit Panzern zu helfen, kapitulieren die bisherigen Besatzer. Militärs und wenige Zivilisten können sich im letzten Augenblick Richtung Westen durchschlagen.

Doch die meisten der rund 200 000 Deut-schen in Prag sind hilflos der Wut der revo-lutionären Miliz ausgeliefert. Von den sow-jetischen Soldaten können sie keinen Schutz erwarten; die plündern und vergewaltigen. Die wilden Garden filzen Häuser und Woh-nungen und schleifen ihre Opfer – oft genug mit dem Kopf nach unten – in Gefängnisse und Keller.

Ein deutsch-tschechischer Banker, gestern noch in leitender Position, wird verhaftet und landet im alten Palais Auersperg. Seine Erin-nerungen an die furchtbaren Wochen, die für ihn folgen, gibt er später, wie viele andere, für die Dokumentation des Bonner Vertrie-benenministeriums zu Protokoll:

„Eine versoffene Stimme brüllte fast ohne Unterbrechung. Dazwischen knallte es, und ich hörte menschliches Stöhnen und Schmerzensschreie. Auf alle Fälle be-fühlte ich meine Giftampulle in der Ta-sche, die mir unterwegs der Apotheker zugesteckt hatte.“

Im Hof des Hauses, in das sie ihn eingesperrt haben, ein schwer beschreibbarer Anblick:

„Ich sah einige alte Herren wie Gamsböcke springen, Holzscheite sammeln und wieder hüpfend wegtragen.“

Das sei „die KZ-Schule“, erklärt ein Mit-häftling – eine Vermutung, die sich bestätigt:

„Da habe ich euch, ihr Hurensöhne, vier Jahre habt ihr mich im KZ gequält, jetzt seid ihr an der Reihe“,

schreit ein Aufseher wutentbrannt.

Den internierten Deutschen stand Schreck-liches bevor. Im Stechschritt mußten sie unter Beschimpfungen der Passanten durch die Straßen zu Arbeitseinsätzen ausrücken. Den Frauen wurden die Haare geschoren, und sie hatten Steine zu schleppen. Kranke oder Ver-letzte wurden auf offener Straße erschossen.

Fortsetzung folgt

____________

Anmerkung

[1]  Qu.: https://www.spiegel.de/spiegel/print/d-21963826.html