USA: Die Neokonservative Agenda
Donnerstag, 11. März 2010 von Adelinde
Das Buch
THE TRANSPARENT CABAL
von Stephen J. Sniegoski kam 2008 im Verlag Enigma Editions, Norfolk, Virginia heraus, auf der Titelseite der Vermerk von Mark Bruzonski vom World Jewish Congress:
absolutely essential.
Dieses also absolut notwendige Buch bespricht hier der
Adelinde-Autor Helmut Wild,
seit vielen Jahren wohnhaft in den USA.

Der Autor Stephen Sniegoski bringt endlich Klarheit in die Hintergründe der verheerenden zeitgeschichtlichen Ereignisse, die für die acht Jahre unter George W. Bushs Regierung kennzeichnend waren.
Sie waren bestimmt von israelischen Interessen, sprich von der Ideologie und Praxis der sogenannten „Neokonservativen“ in der amerikanischen Politszene, deren Auswirkungen keineswegs zu Ende sind.
Er zeigt den klaren Bruch mit den bis zur Machtübernahme der Neokonservativen geltenden Richtlinien der amerikanischen Außen- und Weltmachtpolitik. Diese ursprüngliche amerikanische Weltmachtpolitik war keineswegs primär an den Machtinteressen Israels orientiert, sondern an den klassischen Weltmachtinteressen der USA.
Mit Bush dem Jüngeren änderte sich das grundlegend. Nach dem 9-11-Anschlag auf das World Trade Center in New York bestimmten die Neokons die Gestaltung der amerikanischen Außen-, Militär- und Kriegspolitik: Sie stellten die amerikanische Militärmacht in den Dienst der radikalsten und rücksichtslosesten zionistischen Parteien Israels.
Wer sind die Neokonservativen?
In seinem Buch stellt Sniegoski die gesamte historische Entwicklung der Neokons seit den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts dar:
- die Ursprünge der neokonservativen Ideologie,
- deren Thinktanks,
- deren enge Beziehungen zu den radikalsten zionistischen Parteien Israels,
- deren strategische und taktische Planungen – ausschließlich im israelischen Macht- und Sicherheitsinteresse -,
- deren schrittweiser politischer Aufstieg, der während der jüngsten Bushregierung ihren vorläufigen Höhepunk in der Gestaltung der amerikanischen Kriegs- und Außenpolitik fand -
all das belegt Sniegoski ausführlich als das Werk fanatischer Zionisten, denen die Interessen Israels weit wichtiger sind als die Interessen Amerikas. Für den Krieg gegen Irak und für die Planungen zum kriegerischen Angriff auf Iran macht Sniegoski ausschließlich die jüdisch-neokonservative Bewegung verantwortlich.
Der Krieg gegen den Irak war von den Neokonservativen von langer Hand vorbereitet und ein Ziel, das sie seit Jahrzehnten hartnäckig verfolgten.
Programmatisches Ziel der Zionisten ist es, die Israel umgebenden arabischen Staaten aufzuspalten, religiöse und ethnische Differenzen in diesen Staaten zu schüren, um diese Staaten zu schwächen und durch Israel beherrschbar zu machen, um damit die israelische Vorherrschaft über den gesamten Raum des Nahen Ostens zu verwirklichen.
Als Beispiel führt er die Studie „Clean Break“ an, in der Irak als der strategische Schlüsselstaat zur Kontrolle des gesamten Mittleren Ostens dargestellt wird.
Für die Errichtung der Vorherrschaft Israels im Mittleren Osten sind Kriege absolut erforderlich. Diese Kriege müssen – von den USA, versteht sich – ohne Rücksicht auf massenhafte Verluste der Zivilbevölkerungen geführt werden. Als Vorbild für das militärische Vorgehen Amerikas bei der Führung dieser Kriege werden Hiroschima, Nagasaki und Dresden benannt.
Sniegoski zitiert Artikel von Neokonservativen aus den 90er Jahren, aus der Zeitschrift Commentary und anderen neokonservativen Presseorganen, in denen offen ausgesprochen wird, daß die amerikanische Öffentlichkeit nur durch ein Ereignis wie Pearl Harbor zur Kriegsbereitschaft im Nahen Osten gebracht werden könne. Er betont auch wiederholt, daß ohne den Terroranschlag vom 11. September 2001 die Kriege in Afghanistan und Irak nicht möglich gewesen wären.
Aber auf eine Untersuchung der Vorkommnisse, die 9-11 ermöglicht haben – etwa durch eine geheime Beteiligung amerikanischer oder israelischer Geheimdienste bei der Vorbereitung und Durchführung dieser Terroranschläge – geht er nicht ein. Diese Frage läßt er offen.
Sniegoskis Anliegen ist es, die Führungsrolle der Neokonservativen wie Wolfowitz, Wurmser, Perle, Feith, Krauthammer, Kristol und vieler anderer, in Presse und in der Regierungsadministration unter Bush darzustellen.
Trotz der Gegnerschaft der klassischen Vertreter des amerikanischen Imperialismus ist es den Neokons gelungen, den zweiten Krieg gegen den Irak durchzusetzen.
Der erste Irakkrieg wurde nach Einschätzung der Neokons von Bush dem Älteren zu einem stümperhaften Ende gebracht, weil Saddam Hussein an der Macht geblieben ist. Den amerikanischen Neokonservativen geht es um die
Errichtung von Israels Vorherrschaft im Mittleren Osten.
Aber einen Mittleren Osten unter Israels Vorherrschaft mittels der amerikanischen Militärmacht zu schaffen ist nicht gerade nach dem Geschmack der nicht-jüdischen Fraktionen der amerikanischen Polit- und Finanzeliten.
- Natürlich würde Israel bei einer Verwirklichung der Vorherrschaft in diesem Raum der Zugriff auf den Ölreichtum automatisch in den Schoß fallen.
- Die amerikanische Ölindustrie ist im Gegensatz dazu vor allem an einem stabilen Mittleren Osten interessiert, in Konformität mit der klassischen imperialen Weltmachtpolitik Amerikas.
Die amerikanische imperiale Strategie hat weitergefaßte Ziele, wobei Israel keineswegs als das Zentrum des Weltgeschehens gesehen wird. Asien spielt dabei eine entscheidende Rolle.
Zbigniew Brzezinski,
der intellektuelle Vertreter des klassischen amerikanischen Imperialismus, ist stets als führender Gegner des Irakkrieges hervorgetreten. Für ihn ist Afghanistan aus weltmachtstrategischen Erwägungen weit wichtiger.
Sniegoski arbeitet diesen Gegensatz sehr klar heraus. Auch der Krieg gegen den Iran wird von Bzrezinski scharf abgelehnt.
Ginge es voll nach dem Plan der Neokons, dann hätte der Angriff auf den Iran bereits unter Bush erfolgen müssen, um seinem Nachfolger keine andere Wahl mehr zu lassen.
Trotz dieses schwelenden Gegensatzes ist es den Neokons gelungen, Nichtjuden wie Bush, Cheney, Rumsfeld, Rice, sowie Teile der Exekutivorgane wie Militär und CIA und darüber hinaus die überwiegende Mehrheit der amerikanischen Bevölkerung in eine verbrecherische Kriegspolitik hineinzuziehen. Bush selbst dient dabei als gutes Beispiel, wie religiöse Suggestionen Menschen zu verbrecherischem Handeln bringen können.
Bzezinski hatte sich während der letzten Präsidentschaftswahlen offen für Obama eingesetzt. Es ist kein Wunder, daß es jetzt zur Kriegspolitik Obamas gehört, den Krieg in Afghanistan auszuweiten und möglicherweise Pakistan mit hineinzuziehen.
Jedem, der an einem gründlichen Studium zeitgeschichtlicher Realitäten interessiert ist und um ein besseres Verständnis des Irrsinns bemüht ist, von dem das Weltgeschehen gestaltet wird, kann dieses gründlich recherchierte Buch des amerikanischen Historikers Dr. Stephen Sniegoski wärmstens empfohlen werden. Es öffnet die Augen dafür, wie verbrecherisch es ist, wenn deutsche oder andere europäische Regierungen sich in die eine oder andere Version des imperialistischen
amerikanischen Molochs (Zitat Deschner)
hineinziehen lassen.
Nachbemerkungen:
1.
Kurz zur Information:
- David Wurmser war Dick Cheneys engster Berater; früher unter Bush dem Älteren Undersecretary of Defense.
- Richard Perle war neben Wolfowitz assistant Secretary of Defense und ist Begründer und Mitglied von mehreren Neocon Thinktanks;
- Charles Krauthammer: politisch einflußreicher Kommentator in der Washington Post;
- Irving Kristol: genannt “Godfather of Neoconservatism” (geb. 1904)
- William Kristol: founder of Weekly Standard und einigen Neocon Thinktanks
2.
Ich habe selbst Brzezinski mindestens ein Dutzend mal am amerikanischen Fernsehen in Interviews erlebt. Er gehörte zu den schärfsten und gleichzeitig sicherlich inelligentesten Kritikern des Irak-Krieges. Warum wohl? Genauso Eagleburger. Beide waren offene Gegener von Bushs Nahost- und Kriegspolitik und geradzu in Panik vor einer Kriegsausweitung in Richtung Iran, ein Krieg, der von den Neokons und von Israel offen erstrebt wird.
Zbigniew Brzezinski gehörte immer schon den Rockefellerschen Thinktanks an und war Mitbegründer der Trilateralen Kommission. Auch Eagleburger gehört zum Rockefeller-Club, genauso wie Kissinger. Kissinger ist vielleicht das beste Beispiel für die These, daß es in der amerikanischen Oligarchie keine Spaltung gäbe, denn er kann ja auch ganz gut mit den Neocons, vertritt aber letzlich doch primär die sog. Sieben Töchter, also die Ölinteressen des Rockefeller Clans.
Was ebenfalls verwirrend sein kann ist die Figur Condolezza Rice, die ursprünglich ein Eagleburger Protegee war, aber dann unter Bush von den Neocons umgedreht wurde zu einer fanatischen Verfechterin der Interessen Israels.
Brezinski und Eagleburger gehören nicht zur Fraktion der Neocons. Sie sind Vertreter des – wie ich es nenne – Klassischen amerikanischen Imperialismus. Obama ist und war von Anfang an deren Mann, besser Marionette. Zur
Asienstrategie und Einkreisungspolitik gegenüber Rußland und China
sind Afghanistan und Pakistan für die ”klassische” amerikanische Asienstrategie von größter Bedeutung. Die Neokons dagegen wollen zuallererst die amerikanische Militärmacht zur brutalen Niederwerfung aller Völker des Nahen Ostens einsetzen, um Israels Vormacht und Herrschaft über seelenlose und gebrochene Völker zu errichten.
Helmut Wild
Der wichtigste Satz ist der letzte Satz zum besprochenen Buch:
“Es öffnet die Augen dafür, wie verbrecherisch es ist, wenn deutsche oder andere europäische Regierungen sich in die eine oder andere Version des imperialistischen ‘amerikanischen Molochs’ (Zitat Deschner) hineinziehen lassen.”
Das heißt mit Bezugnahme auf Adelindes Per-saldo-Lob von Angela Merke in der letzten Veröffentlichungl:
“Es öffnet die Augen dafür, wie verbrecherisch es ist, wenn [bzw. dass] Angela Merkel sich in die eine oder andere Version des imperialistischen „amerikanischen Molochs“ hineinziehen lässt [schlimmer noch: diesen in Staatsraison-Identität voll unterstützt, und das schon seit Jahren und mit billigender Inkaufnahme der Ermordung von Afghanen sowie Irakis, der Verheizung deutscher Soldaten und deutscher Steuermilliarden].”
Wer Helmut Wilds unterstützenswerte Kommentare zum Merkel-Adelinde-Beitrag liest, kann die Ernennung von Helmut Wild zum “Adelinde-Autor” nur als Wiedergutmachung verstehen, mit dem Adelinde-Merkel-Artikel einen Fehler gemacht zu haben und Helmut Wilds Position nunmehr zu unterstützen.
Gratulation! Noch besser wäre es, diesen unseligen Merkel-Artikel zu entfernen oder eine Korrekturfassung zu bringen.
Eine Bundeskanzlerin in zwei Artikeln hintereinander einmal per saldo in den Himmel zu loben und einmal in den Grenzbereich verbrecherischen Handelns abzusenken, wirkt abstoßend und vertrauensmindernd.
pvcm = pro veritate, contra mendacium, für die Wahrheit, gegen die Lüge! Die Wahrheit ist, dass die im Merkel-Artikel genannten Kissinger und Knobloch als Förderer Merkels bestimmende Figuren des amerikanisch-israelischen Molochs sind: Das fordert geradezu heraus, Helmut Wilds Schlussaussage nochmals zu wiederholen:
“Es öffnet die Augen dafür, wie verbrecherisch es ist, wenn deutsche oder andere europäische Regierungen sich in die eine oder andere Version des imperialistischen ‘amerikanischen Molochs’ (Zitat Deschner) hineinziehen lassen.”
Nachbemerkung: … leider eben erst bemerkt, dass Helmut Wild noch eine Nachbemerkung drangehängt hat. Auch hier steht das Wichtigste am Ende:
Obama bezeichnet er als “Marionette des klassischen Us-amerikanischen Imperialismus”. Marionette war und ist genau so Merkel, erst stramm an der Seite von Dabbeljuw Bush, jetzt von Obama. Vasallen der Macht Seit’ an Seit’!
Dabei ist es ziemlich zweitrangig, welche Variante des US-Imperialismus gerade die Macht in der Hand hält. Bzezinski war über seine beiden Kinder während des letzten Präsidentschaftswahlkampfes über Kind 1 Berater von Mc Cain, über Kind 2 Berater von Obama.
Da ist es ganz egal, wer gewinnt. So läuft das eben in diesem System einer Scheindemokratie. Die Volksmasse merkt gar nicht, wie sie manipuliert wird.
Ihr Haß gegen das Verbrechertum in allen Ehren. Den teile ich.
Aber ich versuche, nur die verbrecherischen Taten, nicht den Menschen selbst zu hassen.
Sie scheren alles über einen Kamm und haben die Botschaft des Adelinde-Beitrags nicht erkannt. Daher kommt er Ihnen – wie Sie an anderer Stelle sagen – wie “Lobhudelei” vor.
Differenziertes Sehen war gefragt.
Ich habe lange ueber Adelindes Merkel-Artikel nachgedacht und bin zu dem Schluss gekommen, dass es ein nach beiden Seiten hin zur Diskussion geradezu herausfordernder Artikel ist. Mit dieser Herausforderung zur Diskussion, dialektisch aufgebaut und fuer mich jedenfalls in vieler Hinsicht informativ — ich krieg ja sehr vieles nicht mit, was da in Deutschland so alles vor sich geht.
Was meinen eigenen Artikel betrifft, so bin ich ueberrascht, wie schnell Adelinde daraus eine Praesentation mit Bildern gemacht hat und zu dieser anspechenden Darstellung alles zusammenkomponiert hat. Gratuliere zu dieser Darstellung.
Zum Inhalt mussen jetzt andere Stellung beziehen.
Zu bedenken moechte ich auch geben — was den Merkel Artikel betrifft — dass sich alle Kanzler bisher der amerikanischen Vorherrschaft unterworfen haben. Die einzige Ausnahme war, bis zu einem gewissen Grad, Herr Schroeder. Wenn also ein Protegee von so einem … Menschen … (beinah haette ich “Monster” geschrieben) … wie Helmut Kohl an die Macht gebracht wird, … was kann man sich da schon anderes erwarten.
Danke, Herr Wild!
Der beinahe Monster Genannte hat aber auch seine Verdienste. Natürlich ist das, was er im 2+4-Vertrag aushandeln konnte, alles andere als in Ordnung, ganz im Gegenteil. Schlimm! Siehe die ganze Litanei von Faktoren staatsrechtlicher Unordnung, die pvcm als Kommentar bei Adelinde aufgezeichnet hat.
Aber immerhin hat Kohl mit der Art von selbstsüchtigen Kontrahenten, die ihm ja leider nur zur Verfügung stand, die Vereinigung der beiden deutschen Staaten hinbekommen, und zwar mit ungewohnter Entschlossenheit.
Wie wenige Menschen, vor allem Politiker hatten noch an die Wiedervereinigung geglaubt, und wieviele wollten sie nicht! Ich war damals – soweit ich das als Fernsehzuschauerin mitbekam – ganz auf Kohls Seite, der aufs Tempo drückte, weil er die Gefahr sah, daß sehr bald das Zeitfenster des Handelns wieder geschlossen sein würde.
Später hat er das Bild, das einmal in die Geschichtsbücher gelangen würde, selbst verunstaltet.
Noch eine kleine Bemerkung zu Adelindes ambivalentem
Urteil über Angela “Mutti” Merkel:
Mein Standpunkt ist, daß uns vor vier Jahren eigentlich noch eine weitere vierjährige Regierungsära Schröder gebührt hätte, weil Schröder – im Gegensatz zu Merkel – politisch dachte (und denkt) und ein Gespür für unsere Interessen im Konzert der Weltmächte entwickelt hatte, wie es den politischen Köpfen nicht durchweg gegeben ist. Aber die Ära Schröder ist im Wesentlichen Geschichte. Er mischt jetzt nur noch im schweizerischen Ringier-Verlag mit, der das Magazin “Cicero” macht.
Statt Schröder haben wir also Angela Merkel als Kanzlerin bekommen. Warum?
Weil deutsche Politik nicht nur Außenpolitik sein kann, sondern auch Innenpolitik sein muß. Auf der Agenda von Merkel (und damit auf der Agenda unserer Nation) steht
die Deutsche Einheit, auch wenn Merkel davon – formal – nicht all zu viel Aufhebens macht.
Angela Merkel ist eine Schülerin Helmut Kohls. Kohl hat die Einheit “gemacht”, obwohl er sie nicht wollte. Er hat die “geistig-moralische” Wende verkündet, ohne sie zu machen.
Kurz: Unter die Bilanz der Ära Kohl kann man einen dicken Strich ziehen und in Summe erscheint darunter eine kräftige Null. (Wie gesagt, für die Einheit 1989 kann Kohl nichts. Er hat sich davon überraschen lassen; gemessen daran hat er freilich 1989/90 einigermaßen folgerichtig gehandelt.)
Es gibt Persönlichkeiten, die sich um die Einheit wirkliche Verdienste erworben haben wie Hans-Joachim Arndt oder Waldemar Daschitschew. Aber über die wird im Land nicht geredet.
Wie wird es nun in vier Jahren mit der Bilanz der Angela Merkel aussehen? Sie ist eine Ossi-Frau, die es – wie in einer Raumkapsel – an die Spitze eines der wichtigen westlichen Syteme (BRD, NATO-Mitglied, EU) hochgeschleudert hat. Sie ist als Ossi-Frau oben angekommen. Sie zeigt, daß sie als Ossi genügend Stil hat, sich den westlichen Gepflogenheiten anzupassen. Allein schon ihr Friseur ist ein Meister seiner Klasse. Honnecker hätte all das nicht gekonnt.
Fast alle kleineren Ossis in Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Meck-Pom und Thüringen – egal ob Stadt- oder Landbevölkerung – haben ein Problem mit “unserem” kalten gesellschaftlichen West-System der BRD. Nun steht also eine Ossi-Frau an der Spitze dieses kalten Systems. Sie führt es in einer Weise, die keine Antipathie gegen dieses System erkennen läßt (obwohl fast alle kleineren Ossis, wie gesagt, mit diesem West-System innerlich auf Kriegsfuß stehen, es jedenfalls – zu Recht – nicht lieben).
Frau Merkel wird in den kommenden vier Jahren ein ihr von Schröder ins Nest gelegtes großes Paket an sozialem Sprengstoff zu “handeln” bzw. zu entschärfen haben. Die Agenda 2010 ist ein soziales Torpedo von 10 Millionen Arbeitslosen, das heute schon (noch heftiger in den vor uns liegenden Jahren) an das noch wohlhabende Gesellschaftssystem der BRD anrennt, anrumpst.
Noch haben wir 20 Millionen wohlhabende Deutsche, die ihr gutes Auskommen auf ein relativ hohes Arbeitseinkommen gründen. 10 Millionen Arbeitnehmer beziehen dagegen recht geringe Einkommen; annähernd so geringe wie es die Hartz-IV-ler ohne Arbeit bekommen. Und dann haben wir, wie gesagt, die 10 Millionen Hartz-IV-ler ohne Arbeit.
Die (ökonomisch) oberen 20 Millionen sind nicht geneigt zu teilen. Sie fordern vielmehr die 10 Millionen Niedrig-Einkunftsbezieher, die gerade eben noch Arbeit haben und sich im Monat so 200 oder 300 oder 400 Euro Luxus leisten können (oder diese Mittel für schlechtere Zeiten sparen), dazu auf, mit den Hartz-IV-lern zu teilen.
Wenn die das täten, hätten wir anschließend 20 Millionen ziemlich Arme auf der einen Seite, die sich die Armut also teilen, und 20 Millionen Reiche, die überwiegend nicht ans Teilen denken, weil sie in gesellschaftlichen (westlichen) Kategorien denken. Für sie ist das Verbindende nicht das Volk oder die Nation (als die Gemeinschaft), dem/der sie eigentlich entstammen. Nein: Sie haben ein Bündnis mit Geld und Geldmächten geschlossen, das sie juristisch (mit dem in jeder Gesellschaft so wichtigen Mittel des Vertrages bzw. von Verträgen) mit allen Mitteln absichern. Es handelt sich bei diesen 20 Millionen im Wesentlichen um die Klientel der FDP und der oberen Schichten der “Konservativen” (CDU).
So ist unsere soziale Lage. Die Wertschöpfung der BRD geht stetig in den Keller. Die Märkte wandern von uns weg zu den sog. Schwellenländern (Rußland, China, Indien, Iran u.a.). Unsere Handelsbilanzüberschüsse aus DM-Zeiten sind vollständig verbraucht. Die BRD hat 7 Billionen Euro Staatsschulden (Quelle: Horst Köhler, Arnulf Baring) bei 3,5 Billionen Sparguthaben. Gleichzeitig fließen die letzten Aktivposten, die unsere einstige Nationalökonomie noch erwirtschaftet, die wir zur Rettung der Situation und für innovative Aufgaben dringendst einsetzen sollten, in Zinsesdienste für Staatsschuldverschreibungen. Also an die Reichen (die durch Ankauf von Schatzbriefen Geld an den Staat verleihen – gegen Zinsen. 50 % der deutschen Staatsschuldverschreibungen liegen in Händen von inländischen “Holdern”.
Dieses Geschäft betreiben bei uns die kleinen Privatbanken für ungefähr 3 Millionen Anleger aus der “Oberschicht”. Die übrigen 50 % der Staatsschulden werden von der sog. “Hochfinanz” – vom Ausland – gehalten, wo man da die deutsche Vertragstreue noch schätzt. Man kauft in diesen Milieus lieber deutsche Staatsanleihen als griechische.)
Frau Merkel wird den sozialen Sprengstoff, den diese Situation in sich birgt, nicht entschärfen können. Am Ende ihrer Regierungsära oder am Anfang der nächsten Ära, die dann meinetwegen Guttenberg leitet, wird die Situation eskalieren. Die Folge: Die Ära Merkel wird mit einer Null-Bilanz enden. Angela Merkel wird in vier Jahren den Beweis geführt haben, d.h. den unumstößlichen historischen Erweis erbracht haben, daß auch eine Ossi-Politikerin (mit ihrer anständigeren, sozialeren, eigentlich deutscheren Sozialisation; die wir Wessis in der Regel nicht haben) an den Aufgaben dieser Zeit gescheitert ist. So wie Kohl geistig-moralisch gescheitert ist, wird Merkel nationalökonomisch und sozialpolitisch gescheitert sein.
Drücken wir es kurz in einem Bild aus: In Kohl (West) sieht das deutsche “Volksbewußtsein”, so wie wir es heute haben, gerne den “Papa” (der deutschen Einheit). Und in Merkel sieht man die “Mutti”. Sie hätte es, wenn sie denn könnte, – schauen wir vier Jahre voraus – in der Hand gehabt, das Soziale in Deutschland zu regeln. Sie wird mit Bomben und Granaten scheitern, weil sie eben nicht kann, was sie verspricht. – Ich behaupte sogar: Sie will noch nicht einmal erfüllen, was sie verspricht. Peer Steinbrück etwa, der Finanzminister in der vorigen Koalition hatte eindeutig mehr Willen und Charakter und Realitätssinn als Angela Merkel (das gilt selbst dann noch, wenn man Merkel drei Mal klonen würde und sie in einer Potenz Merkel/hoch 3 antreten würde!)
Merkel genügt es im Grunde, so meine Einschätzung, daß sie den Aufstieg in die Rolle der “Mutti” von uns Deutschen (der Nation) geschafft hat. In dieser Rolle gibt sie die Löffel (ihre Verantwortung) in Washington und an der Ostküste ab. Was aus ihren Kindern werden wird, das ist ihr relativ egal. Sie hat in ihrer Biographie zu Kindern sowieso Null Reflektionen. Ginge es ihr um die Zukunft unserer Heimat und nicht um das Zu-Tode-Verwalten der BRD-Gesellschaft, ließe sie sich politisch besser beraten. Aber, wie gesagt, das ist in ihrer Agenda nicht angesagt. (Vergleiche zum Thema Politik-Beratung den Beitrag bei Adelinde von “Wieso”).
Dennoch wird Merkel natürlich als “Große” Kanzlerin in die Analen der BRD eingehen. Schon ihre Rede vor dem US-Kongreß in Washington, wo sie 2009 Tränen ausschüttete, weil die armen Ossis (sie, Merkel ganz persönlich) so lange keine Chancengleichheit gegenüber dem Westen hatten, weil sie sich einfach keine Jeans von Levy-Strauß kaufen konnten: Das hat den ganzen amerikanischen Kontinent zu Tränen gerührt. Nie zuvor ist eine geistige Jeansträgerin aus dem früher kommunistisch beherrschten Osten nach Washington gekommen, um den USA dieses Leid zu klagen. Unsere BRD-Medien und der ganze US-Kongreß spendeten stehende Ovationen!!!
Sehen wir ganz ab von Merkels Rede-Passus in Washington, als sie da den Eindruck erweckte, sie, Angela, nähme die ganze Schuld und Verantwortung für 6 Millionen vergaste Juden auf sich. Das fällt ihr in Washington auch gar nicht schwer. Sie spricht, als wäre sie (bei den Vergasungen) dabei gewesen. Da kann man sich gut schuldig fühlen. 3,4 Millionen 1945/46 auf der Flucht ermordete Vertriebene aus den deutschen Ostgebieten haben dagegen für “Mutti” kaum Gewicht. – Ich sage nur eins: Die Frau ist eine Große!
Was Biene Merkel durch ihre “Politik” gelingen wird, ist Folgendes: Nach ihrer “Politik”-Ära haben wir die Deutsche Einheit. Es wird garantiert nicht mehr ein oder zwei Generation dauern. Nein: Unter dem Bilanzkonto von 50 Jahren BRD-West – mit dem großen 16-jährigen Schlußakkord Dr. Helmut Kohl – steht eine große Null. (Wie gesagt die Einheit fiel uns sozusagen zu. Sie danken wir in erster Linie dem Aufstehen des Volkes in Leipzig und Dresden und Berlin-Ost und dem geordneten Rückzug der Stasi-Battaillone; insofern also auch der Gruppe, die sich zuletzt PDS nannte). – Unter dem Bilanzkonto von 8 Jahren Dr. Angela Merkel wird in vier Jahren eine ebensogroße Null stehen. Damit ist die Einheit Ost und West perfekt. (Ich meine das ernst!) – Noch länger als acht Jahre sollten wir uns “Mutti” Merkel (MM) freilich nicht antun. Vielmehr sollten wir in der darauf folgenden Ära, wie gesagt, vielleicht macht das dann Guttenberg; er hat die richtigen Schulen dafür besucht, an die Sanierung unserer Heimat machen. Die etablierten BRD-Politiker (Ost und West) vermögen dazu in der Tat nicht viel beizutragen, weil sie seelisch und in Realo hochgradig korrupt sind. Vor allem MM.
Wir brauchen in einigen Jahren eine Mischung aus einer Erhebung des eigentlichen Volkes einerseits. Die ancien Politik wird demnächst nicht mehr so die große Rolle spielen. Auch die Parteien bzw. das, was man hier im Westen die “gesellschaftlichen Gruppen” nennt, werden nicht mehr die große Rolle spielen. Und – auf der anderen Seite – echte politische Führung. Das geht durchaus demokratisch!
Ein Musterbeispiel, wie es politisch-personell laufen könnte, zeigt am heutigen 14. März 2010 (einen Tag vor den berühmten Iden des März!!) die Stadt Frankfurt an der Oder. Dort wird heute bis 20 Uhr Abends (jetzt ist es 19 Uhr) für acht Jahre ein neuer Oberbürgermeister gewählt. Der alte von der CDU erwies sich in den letzten acht Jahren als relativ unfähig. – Nun auf ein Neues: Eine Allparteien-Koalition (mit Ausnahme der PDS) hat dem Volk vor acht Wochen einen Wahlvorschlag gemacht. Einen parteilosen Kandidaten: Dr. Wilke soll das Volk wählen, sagen alle Parteien (außer der PDS). Dieser Dr. Wilke hat das Zeug dazu, für die Region wirklich politisch zu handeln bzw. zu regieren. Gegen ihn tritt der schwächste Kandidat der PDS-Formation an, den diese Gruppe (mit bisher 36 % Stimmenanteil) rekurieren konnte. Und dann tritt noch eine “freie” Einzelkandidatin (Frau Wolle) an, die seit der Wende Spitzenfrau der SPD in FFO war. Nun hat sich die SPD von Frau Wolle verabschiedet und läßt sie als i-Tüpfelchen auf dem Wahlzettel alleine antreten. Alle Parteien einschließlich der SPD (ohne PDS) empfehlen dem Volk die Wahl des parteilosen Dr. Wilke. Der Mann ist bodenständig. Er ist nicht geflüchtet, als die SED und die Russen in der DDR regierten. Er hat etwas Gescheites gelernt. Und er kann etwas. Seiner Heimatregion fühlt er sich verbunden, wie man es sich von einem Oberbürgermeister einer 60.000-Einwohnerstadt wünscht.
So wie das ab sofort (20 Uhr) in FFO läuft, kann man es machen. Dr. Wilke wird heute vielleicht so um die 65 % der Stimmen bekommen; so wie das früher bei der CSU in Bayern üblich war. Er hat im Vorfeld der Wahl versprochen, daß er sich “vertragstreu” verhalten werde. Freilich nicht gegenüber den Parteien, die ihn empfohlen haben, sondern gegenüber dem Volk, das ihn heute wählt. Dr. Wilke gedenkt, den Vertrag, den die Frankfurter Wähler heute mit ihm abschließen, einzuhalten. So sollte es in der Politik sein. Früher sprach man von der notwendigen und besonderen Beziehung zwischen Volk und Führung.
Frankfurt im Osten (mit heute 26 % Arbeitslosen) macht uns das jetzt vor.
FFO: Ein neues Politikmodell. Anders geht es m.E. gar nicht mehr. Die Parteien spielen in diesem neuen Modell nur noch eine untergeordnete Rolle. Gewissermaßen die Rolle des Steigbügelhalters. Sie empfehlen Dr. Wilke (parteiübergreifend; unter Ausschluß der Stasi-Partei PDS). Mehr Partei findet in diesem neuen System kaum noch statt.
Deutschland ist, manche spüren es schon, bereits jetzt im Erwachen begriffen. Deutschland (unser Volk) wird sich, soweit das für eine gedeihliche Entwicklung und die Gestaltung unserer Zukunft notwendig ist, sich in einigen Jahren erheben. So wie sich 1988/89 die Bürger der DDR erhoben haben. So wie in diesen Tagen die Griechen auf die Barrikaden gehen. Oder so, wie sich – damals noch militärisch – unter Arndt und Stein 1813 die Deutschen gegen Napoleon erhoben haben.
Im Grunde genommen wird der politische Atem des Volkes schon ziemlich weit reichen, wenn wir das Frankfurter Modell – wie oben beschrieben (Modell FFO) – als zukunftsträchtig erkennen, indem wir qualifizierten Charaktären in den Sattel verhelfen und ihm (durch das Volk für das Volk) den Rücken decken und stärken. Tausend vergleichbare Wahltage wie der heutige in FFO und wir leben in einer neuen Epoche (übrigens mit einer Zukunft für unsere Kinder, für die sich MM nicht interessiert). Das ancien regime der BRD jedenfalls hat keine Zukunft.
Bis diese Situation von allen Deutschen begriffen wurde, wird es noch ein paar Jahre dauern. Bis dahin haben wir Guido Westerwelle. Westerwelle (nomen est omen) bildet im alten System so etwas, wie einst im Krieg der Westwall. Guido “rettet”, derweil Angela mit ihrer Sozialpolitik scheitert, die Oberschicht der BRD über die Runden. Er bildet einen stabil erscheinenden Anker, an dem alle, die hierzulande etwas zu verlieren haben, sehr hoffen, sich festhalten zu können. Auch Westerwelle wird versagen, so wie uns im Krieg der Westwall nicht retten hat können. Aber wovon rede ich … Von WIR … Von UNS … Von REICH … Von ARM … Von OST … Von WEST. Von ZUKUNFT. Ich rede einfach Deutsch.
Hier endet meine knappe Analyse zur gegenwärtigen und künftigen Lage der Nation. “Auf gut deutsch …” hat einmal einer geschrieben. Es ist lange her. Mein Freund Jürgen W. Möllemann schrieb zuletzt: “Klartext”. Jürgen hat mit dem Leben dafür bezahlt. Er wollte es so. Er hoffte, uns alle aufzuwecken. Er war ein Held. Jürgen wollte uns wieder mit dem Prinzip vertraut machen: “Einer für Alle, Alle für Einen!”
Ich ziehe keine Reißleine nicht. Wir alle werden dennoch wach werden. Alternativlos.
Herzlich Ihr / Euer ARKO
P.S. Ich werde mich jetzt längere Zeit in diesem Forum nicht mehr zu Wort melden, weil ich noch anderes zu tun habe.
Es ist 19.59 Minuten und 59 Sekunden. Nach Korrekturlesung. Ade.
Nachtrag:
Ich habe Dr. Wilke – dem Wahlsieger in FFO – den Vortritt
gelassen. Seine Stunde begann heute um 20.00 Uhr. Mein
vorstehender Kommentar wurde im Weltnetz erst um 20.01 platziert, obwohl vorher vollendet. So viel Demokratie muß sein. Herzlich, ARKO.
Gute Gedanken, viel Wissen! Dafür Dank, lieber ARKO!
Mit einigen billigen Herabsetzungsversuchen vom hohen Roß herunter allerdings bin ich nicht einverstanden: “Mutti”, “Papa”, “Biene Merkel”, ihre Frisur u. a.
Daß Merkel sich angeblich nicht um die Kinder kümmert ist das Gegenteil von dem, was wahr ist. Ihre sämtlichen Vorgänger haben sich um eine Politik für den Nachwuchs nicht gekümmert. Für Schröder war das Resort Familienpolitik “Gedöns”. Erstmalig unter Bundeskanzlerin Merkel wurden Maßnahmen auf den Weg gebracht.
Allerdings auch wieder begleitet vom Geschrei des “rechtskonservativen” Lagers, das nun den Untergang der mütterlichen Fürsorge und damit das Verkommen unserer Kinder kommen sah.
Mir war es ein ausgesprochenes Vergnuegen, diesen Arko-Beitrag zu lesen. Trotz der Laenge habe ich waehrend des Lesens immer gehofft: Hoffentlich hoert das noch nicht auf!
Das war gut fuer meinen Nachholbedarf, mehr darueber zu erfahren, was in Deutschland vor sich geht. Und das in diesem glaenzenden Stil serviert! Einfach wunderbar.
Herzlichen Dank!
Adelinde, ich möchte mich korrigieren: Wenn Jürgen W. Möllemann die freie Wahl gehabt hätte, wäre er m.E. nicht gesprungen. Mind-Control.
Herzlich, Wieland A. Körner
Zur Person:
Wieland Adalbert Körner, geboren am 7. Januar 1958 in Wien, wohnhaft zur Zeit in D-28355 Bremen, Im Holze 64 A
Die sieben sozialen Sünden so wie sie Mahatma Gandhi aufgeschrieben hat:
- Politik ohne Prinzipien
- Wirtschaft ohne Moral
- Wohlstand ohne Arbeit
- Erziehung ohne Charakter
- Wissenschaft ohne Humanität
- Genuß ohne Gewissen
- Kult ohne Opfer
übersetzt von Jehudi Menuhin.