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	<title>Kommentare zu: Wie hast du&#8217;s mit der Religion?</title>
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	<description>Was mich bewegt, bewegt vielleicht auch andere.</description>
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		<item>
		<title>Von: Ingo Bading</title>
		<link>http://www.adelinde.net/157/wie-hast-dus-mit-der-religion/comment-page-1/#comment-58</link>
		<dc:creator>Ingo Bading</dc:creator>
		<pubDate>Mon, 04 Feb 2008 20:09:50 +0000</pubDate>
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		<description>Herr Wild,

(ich wünsche einen guten Flug! ;-) )

möglicherweise legen Sie wert darauf, daß wir derzeit nicht kurz davor stehen, zum Nietzsche&#039;schen &quot;Übermenschen&quot; zu &quot;mutieren&quot;, also irgendwelche makroevolutionären Schritte zu vollziehen. Das sehe ich genauso. Das heißt aber nicht, daß mikroevolutionäre Vorgänge gänzlich ohne Bedeutung für das Bewußtsein des Menschen wären.

Ob man wie die Buschleute in der Kalahari einen Intelligenz-Quotienten von knapp 60 oder wie die aschkenasischen (ursprünglich deutschsprachigen) Juden einen solchen von 115 hat, ist sehr wohl von sehr wesentlichen Folgen dafür, welche jeweilige Kultur von einer Gruppe von Menschen ausgebildet wird und ausgebildet werden kann.

Wir haben in der Forschung noch keinen Konsens über wichtigere IQ- oder Verhaltens-Gen-Forschung. Aber wenn ich unseren derzeitigen Kenntnisstand über die anderen genetischen Bereiche weiter schlußfolgere, dann komme ich sehr wohl dazu, daß wir heutigen Menschen in Industriegesellschaften auch genetisch an unsere hochgradig arbeitsteilige GEsellschaft angepaßt sind.

Das heißt nicht, daß wir eine &quot;bessere&quot; Religiosität haben müssen als die Buschleute - aber auf jeden Fall eine andere.

Im übrigen gibt es keine menschliche Eigenschaft, schon gar nicht die einzigartigen menschlichen Eigenschaften der Großhirnrinde und des Stirnhirnes, die NICHT von Genen kodiert werden. Die Forschung sucht derzeit sehr intensiv nach den genetischen Unterschieden zwischen Mensch und Schimpanse. Und man wird sie natürlich finden. 

Es gibt mancherlei Hinweise darauf, daß es sich nicht nur um ein paar &quot;Punktmutationen&quot; handeln kann, da merkwürdigerweise im Hoden mehr unterschiedliche Gene bei Schimpansen und Mensch abgerufen werden als im Gehirn (so die Forschungen von Svaante Pääbo).

Also ich möchte daran festhalten: Es gibt auch keine Eigenschaften des Bewußtseins, die keine genetische Grundlage haben und darum nicht der Selektion unterliegen würden. Wir wissen doch alle, daß persönlichste, individuelle Charaktereigenschaften in der Familie weitervererbt werden. Und sie bestimmen nun einmal sehr deutlich die Art, wie unser Bewußtsein reagiert - auch in den Bereichen der Religiosität.

Also ganz konkret: bei den Buschleuten wäre aller Wahrscheinlichkeit ein Mozart nicht möglich gewesen - allein von den genetischen Voraussetzungen her. Ebensowenig ein Albert Einstein. Ebenso wenig wie es den Buschleuten möglich ist, Rohmilch zu verdauen, eine genetische Eigenschaft, die auch erst sehr spät in Nordeuropa entstanden und sich von dort ausgebreitet hat.

Michael Blume (und andere Tier- und Humansoziobiologen) können übrigens schon gut erklären, warum viele Menschen auf Fortpflanzung verzichten. Es kann zum Beispiel durch Verwandten-Altruismus erklärt werden. Das heißt: die sterile Ameisen-Arbeiterin verbreitet dennoch ihre eigenen Gene dadurch, daß sie mit dem Nachwuchs der Königin, der sie hilft, zumeist sehr, sehr eng verwandt ist. (Es gibt noch weitere Erklärungen - aber das einmal in Kurzfassung.)

Ich stimme insoweit zu, daß der Mensch zumeist dümmer handelt im Sinne der Erhaltung der eigenen Art als die Tiere. Ob er besser handelt als diese, das muß sich erst noch erweisen. Ich denke, ein konsequent naturalistisches Menschenbild wird uns sehr dabei helfen.

Mein Bewußtsein ist übrigens sehr oft getrübt durch medizinische und biologische Vorgänge. ;-) ....</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Herr Wild,</p>
<p>(ich wünsche einen guten Flug! <img src='http://www.adelinde.net/wp-includes/images/smilies/icon_wink.gif' alt=';-)' class='wp-smiley' />  )</p>
<p>möglicherweise legen Sie wert darauf, daß wir derzeit nicht kurz davor stehen, zum Nietzsche&#8217;schen &#8220;Übermenschen&#8221; zu &#8220;mutieren&#8221;, also irgendwelche makroevolutionären Schritte zu vollziehen. Das sehe ich genauso. Das heißt aber nicht, daß mikroevolutionäre Vorgänge gänzlich ohne Bedeutung für das Bewußtsein des Menschen wären.</p>
<p>Ob man wie die Buschleute in der Kalahari einen Intelligenz-Quotienten von knapp 60 oder wie die aschkenasischen (ursprünglich deutschsprachigen) Juden einen solchen von 115 hat, ist sehr wohl von sehr wesentlichen Folgen dafür, welche jeweilige Kultur von einer Gruppe von Menschen ausgebildet wird und ausgebildet werden kann.</p>
<p>Wir haben in der Forschung noch keinen Konsens über wichtigere IQ- oder Verhaltens-Gen-Forschung. Aber wenn ich unseren derzeitigen Kenntnisstand über die anderen genetischen Bereiche weiter schlußfolgere, dann komme ich sehr wohl dazu, daß wir heutigen Menschen in Industriegesellschaften auch genetisch an unsere hochgradig arbeitsteilige GEsellschaft angepaßt sind.</p>
<p>Das heißt nicht, daß wir eine &#8220;bessere&#8221; Religiosität haben müssen als die Buschleute &#8211; aber auf jeden Fall eine andere.</p>
<p>Im übrigen gibt es keine menschliche Eigenschaft, schon gar nicht die einzigartigen menschlichen Eigenschaften der Großhirnrinde und des Stirnhirnes, die NICHT von Genen kodiert werden. Die Forschung sucht derzeit sehr intensiv nach den genetischen Unterschieden zwischen Mensch und Schimpanse. Und man wird sie natürlich finden. </p>
<p>Es gibt mancherlei Hinweise darauf, daß es sich nicht nur um ein paar &#8220;Punktmutationen&#8221; handeln kann, da merkwürdigerweise im Hoden mehr unterschiedliche Gene bei Schimpansen und Mensch abgerufen werden als im Gehirn (so die Forschungen von Svaante Pääbo).</p>
<p>Also ich möchte daran festhalten: Es gibt auch keine Eigenschaften des Bewußtseins, die keine genetische Grundlage haben und darum nicht der Selektion unterliegen würden. Wir wissen doch alle, daß persönlichste, individuelle Charaktereigenschaften in der Familie weitervererbt werden. Und sie bestimmen nun einmal sehr deutlich die Art, wie unser Bewußtsein reagiert &#8211; auch in den Bereichen der Religiosität.</p>
<p>Also ganz konkret: bei den Buschleuten wäre aller Wahrscheinlichkeit ein Mozart nicht möglich gewesen &#8211; allein von den genetischen Voraussetzungen her. Ebensowenig ein Albert Einstein. Ebenso wenig wie es den Buschleuten möglich ist, Rohmilch zu verdauen, eine genetische Eigenschaft, die auch erst sehr spät in Nordeuropa entstanden und sich von dort ausgebreitet hat.</p>
<p>Michael Blume (und andere Tier- und Humansoziobiologen) können übrigens schon gut erklären, warum viele Menschen auf Fortpflanzung verzichten. Es kann zum Beispiel durch Verwandten-Altruismus erklärt werden. Das heißt: die sterile Ameisen-Arbeiterin verbreitet dennoch ihre eigenen Gene dadurch, daß sie mit dem Nachwuchs der Königin, der sie hilft, zumeist sehr, sehr eng verwandt ist. (Es gibt noch weitere Erklärungen &#8211; aber das einmal in Kurzfassung.)</p>
<p>Ich stimme insoweit zu, daß der Mensch zumeist dümmer handelt im Sinne der Erhaltung der eigenen Art als die Tiere. Ob er besser handelt als diese, das muß sich erst noch erweisen. Ich denke, ein konsequent naturalistisches Menschenbild wird uns sehr dabei helfen.</p>
<p>Mein Bewußtsein ist übrigens sehr oft getrübt durch medizinische und biologische Vorgänge. <img src='http://www.adelinde.net/wp-includes/images/smilies/icon_wink.gif' alt=';-)' class='wp-smiley' />  &#8230;.</p>
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	<item>
		<title>Von: Helmut Wild</title>
		<link>http://www.adelinde.net/157/wie-hast-dus-mit-der-religion/comment-page-1/#comment-54</link>
		<dc:creator>Helmut Wild</dc:creator>
		<pubDate>Mon, 04 Feb 2008 15:16:41 +0000</pubDate>
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		<description>Herr Bading,
Ihre sehr interessanten Ausfuehrungen, denen ich zum grossen Teil zustimme, haben mich weiter zum Nachdenken angeregt. 
Ich schlage deshalb vor, dass wir bei der Diskussion von Fortpflanzung und Evolution zwei Dinge unterscheiden sollten. Einmal, das genetisch vererbbare &quot;Merkmal&quot;, zum anderen - und das ist mir schwerer begrifflich fassbar (vielleicht koennen Sie mir da weiterhelfen) - eine genetische Mutation im Sinne von Hoeherentwicklung des Gehirn- und Nervensystems, das ich jetzt mal einfach als infrastrukturelle Voraussetzung fuer Bewusstsein oder Bewusstheit bezeichnen moechte.

Um mein Beduerfnis zur Unterscheidung dieser beiden Phaenomene besser zu verdeutlichen, moechte ich Mozarts musikalische Begabung &quot;lediglich&quot; als Merkmal charakterisieren und behaupten, dass er nicht Erbtraeger einer infrastukturellen (i.e., Gehirnstruktur und Nervensystem) Weiterentwicklung des Bewusstseins verkoerperte. In diesem Sinne waeren Begabungen immer &quot;Merkmale&quot; die vererbbar sind, aber neutral bleiben im Hinblickauf die Bewusstseinspotenz des Menschen.

Die Untersuchung, ob die Neigung zur Religiositaet ein Merkmal darstellt, das mit dem Merkmal des Beduerfnisses nach Forpflanzung gepaart ist, ist deshalb schwierig, weil  bei beiden, (Religiositaet und Fortpflanzungsneigung), auch Charaktereigenschften eine Rolle spielen, neben vielen anderen Dingen.

Die Tatsache, dass sich beim Menschen Bewusstseinspotenz evolutionaer gebildet hat, wuerde ich als Evolution bezeichen, (und nicht als Weitergabe von Merkmal), weil dieses Potential beim hoechstentwickelten Tier noch nicht vorhanden war. Die Bewusstseinsinstanz ist das einzige, was dem Menschen die Faehigkeit gibt, sich NICHT  fortzupflanzen, eine Faehigkeit, die das Tier nicht aufweist.

In diesem Sinne betrachte ich die Bewusstseinspotenz als Merkmal (urspruenglich durch Evolution in die Welt getreten).
Dieses Merkmal spielt bei der Entscheidung des Menschen pro oder kontra Fortpflanzung eine wichtige Rolle, beim Tier aber nicht. Andere Faktoren, medizinische und biologische, sind natuerlich dem Bewusstein nicht zugaenglich.

(Ich haemmere hier auf einer amerikanischen Tastatur und bin unter Zeitdruck, weil ich bald nach Deutschalnd fliege und bitte deshalb um pauschale Vergebung fuer alle Rechtschreibungsprobleme).</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Herr Bading,<br />
Ihre sehr interessanten Ausfuehrungen, denen ich zum grossen Teil zustimme, haben mich weiter zum Nachdenken angeregt.<br />
Ich schlage deshalb vor, dass wir bei der Diskussion von Fortpflanzung und Evolution zwei Dinge unterscheiden sollten. Einmal, das genetisch vererbbare &#8220;Merkmal&#8221;, zum anderen &#8211; und das ist mir schwerer begrifflich fassbar (vielleicht koennen Sie mir da weiterhelfen) &#8211; eine genetische Mutation im Sinne von Hoeherentwicklung des Gehirn- und Nervensystems, das ich jetzt mal einfach als infrastrukturelle Voraussetzung fuer Bewusstsein oder Bewusstheit bezeichnen moechte.</p>
<p>Um mein Beduerfnis zur Unterscheidung dieser beiden Phaenomene besser zu verdeutlichen, moechte ich Mozarts musikalische Begabung &#8220;lediglich&#8221; als Merkmal charakterisieren und behaupten, dass er nicht Erbtraeger einer infrastukturellen (i.e., Gehirnstruktur und Nervensystem) Weiterentwicklung des Bewusstseins verkoerperte. In diesem Sinne waeren Begabungen immer &#8220;Merkmale&#8221; die vererbbar sind, aber neutral bleiben im Hinblickauf die Bewusstseinspotenz des Menschen.</p>
<p>Die Untersuchung, ob die Neigung zur Religiositaet ein Merkmal darstellt, das mit dem Merkmal des Beduerfnisses nach Forpflanzung gepaart ist, ist deshalb schwierig, weil  bei beiden, (Religiositaet und Fortpflanzungsneigung), auch Charaktereigenschften eine Rolle spielen, neben vielen anderen Dingen.</p>
<p>Die Tatsache, dass sich beim Menschen Bewusstseinspotenz evolutionaer gebildet hat, wuerde ich als Evolution bezeichen, (und nicht als Weitergabe von Merkmal), weil dieses Potential beim hoechstentwickelten Tier noch nicht vorhanden war. Die Bewusstseinsinstanz ist das einzige, was dem Menschen die Faehigkeit gibt, sich NICHT  fortzupflanzen, eine Faehigkeit, die das Tier nicht aufweist.</p>
<p>In diesem Sinne betrachte ich die Bewusstseinspotenz als Merkmal (urspruenglich durch Evolution in die Welt getreten).<br />
Dieses Merkmal spielt bei der Entscheidung des Menschen pro oder kontra Fortpflanzung eine wichtige Rolle, beim Tier aber nicht. Andere Faktoren, medizinische und biologische, sind natuerlich dem Bewusstein nicht zugaenglich.</p>
<p>(Ich haemmere hier auf einer amerikanischen Tastatur und bin unter Zeitdruck, weil ich bald nach Deutschalnd fliege und bitte deshalb um pauschale Vergebung fuer alle Rechtschreibungsprobleme).</p>
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	<item>
		<title>Von: Ingo Bading</title>
		<link>http://www.adelinde.net/157/wie-hast-dus-mit-der-religion/comment-page-1/#comment-53</link>
		<dc:creator>Ingo Bading</dc:creator>
		<pubDate>Sun, 03 Feb 2008 14:34:03 +0000</pubDate>
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		<description>Herr Wild, 

Sie schreiben: &quot;Evolution ist keineswegs gleichbedeutend mit “Kinderkriegen” oder Fortpflanzung.&quot; - Richtig! Aber keine Evolution OHNE Kinderkriegen und Fortpflanzung! Sollte einem das nicht zu denken geben?
In der Natur, auch in der menschlichen Natur, sind eben nicht alle Bereiche fein säuberlich voneinander getrennt. Ein Bereich geht in den anderen über. Und wenn Evolution nicht ohne Fortpflanzung funktioniert, dann wird *auch* Fortpflanzung irgendetwas mit Evolution zu tun haben.
Die Evolution hat die Psyche der Frauen keinesweg *allein gelassen* bei den Entscheidungen zur Familiengründung, zum Kinderkriegen. Das ist inzwischen von der Soziobiologie und Evolutionären Psychologie tiefgehend erforscht. Frauen achten insgesamt MEHR auf die Qualität des Familienvaters, da sie nicht so viele Möglichkeiten haben, sich fortzupflanzen, während Männer MEHR auf die Quantität der Fortpflanzungsmöglichkeiten achten, weil sie eben MEHR Möglichkeiten zur Fortpflanzung haben.
Schon in diesen Grundgesetzmäßigkeiten könnte man ANGELEGT vermuten insgesamt auch eine größere SORGFALT, Vorsicht der Frauen bei der Wahl des Ehepartners. Und sollte diese größere Sorgfalt, Vorsicht, Behutsamkeit, Verletzbarkeit nicht auch etwas mit dem Sorgen um und für die höheren Werte des Menschseins zu tun haben? Ist nicht Mensch sein an sich im tieferen Innern: Sorge zu haben um Werte im zwischenmenschlichen Zusammenhang, sorge um - - - &quot;Humanität&quot;?

Ich berichte auf meinem Blog immer wieder über die neuesten humangenetischen Erkenntnisse, nach denen man immer mehr jüngstselektierte Gene im menschlichen Genom findet, das heißt Gene und damit menschliche angeborene Eigenschaften, die erst in den letzten Jahrzehntausenden, womöglich erst in den letzten Jahrhunderten eine größere Verbreitung in bestimmten Völkern oder der ganzen Menschheit gefunden haben. Die Wissenschaft spricht auch von &quot;lokaler Humanevolution&quot;, da viele Gene es inzwischen noch nicht &quot;geschafft&quot; haben, sich über die ganze Erde auszubreiten, sondern - bisher - nur &quot;lokal&quot; evoluiert sind. Das gilt nicht nur für Verdauungsgene, Hautfarben-, Augenfarben-, Körpergrößen, Krankheits-Verteidigungs-Gene, Geschmacks-Gene und vieles andere mehr, sondern das gilt auch für Verhaltens-Gene, ja, höchstwahrscheinlich sogar für Intelligenz-Gene.

Der neueste Forschungsstand dazu ist z.B. ganz gut dargestellt in dem Buch von Nicholas Wade &quot;Before the Dawn&quot;. Auch Wade kommt zu dem Ergebnis - wie schon Friedrich Nietzsche: Evolution findet statt. Hier und heute. Und jede unserer Entscheidungen hat Einfluß auf die weitere Evolution! Welche Perspektiven!

Die Tatsache, daß es sich bei Religiosität um innerseelische Entscheidungen handelt, widerspricht keineswegs der Tatsache, daß auch diese durch angeborene seelische Verhaltensneigungen vorgebahnt sind, wahrscheinlich oder weniger wahrscheinlich gemacht sind. Die jeweils vorherrschende Kultur verstärkt oder mindert ab jeweilige Entscheidungs-Wahrscheinlichkeiten.

Wohlgemerkt, auch schon die traditionelle Soziobiologie spricht nicht von rein &quot;rationalen&quot; Entscheidungen auf dem Gebiet der Fortpflanzung, sondern von eher unbewußt oder unterbewußt angelegten Neigungen zu bestimmten Verhaltensweisen, sie spricht von einem &quot;Raunen&quot;, &quot;Flüstern&quot; in uns, was uns dazu veranlaßt, häufiger Dinge so als so zu tun. (bspw. schon David P. Barash in seinem Buch &quot;Soziobiologie und Verhalten&quot; von 1980, das im englischen Original hieß: &quot;The Whisper within us&quot; oder so ähnlich.) Da sind wir doch schon sehr dicht an einer Art von Religiosität dran, wie auch Sie sie als Wirklichkeit empfinden werden, oder nicht?

Und dieses Rauenen, Flüstern, das folgt eben - letztlich - doch Nützlichkeits-Rücksichten. Es stellt sicher, daß die rein rationale &quot;Dummheit&quot; der Menschen nicht gänzlich auf Fortpflanzung verzichtet, da es sich ja ohne Kinder oder nur mit wenig Kindern viel schöner und bequemer leben läßt als mit viel Kindern.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Herr Wild, </p>
<p>Sie schreiben: &#8220;Evolution ist keineswegs gleichbedeutend mit “Kinderkriegen” oder Fortpflanzung.&#8221; &#8211; Richtig! Aber keine Evolution OHNE Kinderkriegen und Fortpflanzung! Sollte einem das nicht zu denken geben?<br />
In der Natur, auch in der menschlichen Natur, sind eben nicht alle Bereiche fein säuberlich voneinander getrennt. Ein Bereich geht in den anderen über. Und wenn Evolution nicht ohne Fortpflanzung funktioniert, dann wird *auch* Fortpflanzung irgendetwas mit Evolution zu tun haben.<br />
Die Evolution hat die Psyche der Frauen keinesweg *allein gelassen* bei den Entscheidungen zur Familiengründung, zum Kinderkriegen. Das ist inzwischen von der Soziobiologie und Evolutionären Psychologie tiefgehend erforscht. Frauen achten insgesamt MEHR auf die Qualität des Familienvaters, da sie nicht so viele Möglichkeiten haben, sich fortzupflanzen, während Männer MEHR auf die Quantität der Fortpflanzungsmöglichkeiten achten, weil sie eben MEHR Möglichkeiten zur Fortpflanzung haben.<br />
Schon in diesen Grundgesetzmäßigkeiten könnte man ANGELEGT vermuten insgesamt auch eine größere SORGFALT, Vorsicht der Frauen bei der Wahl des Ehepartners. Und sollte diese größere Sorgfalt, Vorsicht, Behutsamkeit, Verletzbarkeit nicht auch etwas mit dem Sorgen um und für die höheren Werte des Menschseins zu tun haben? Ist nicht Mensch sein an sich im tieferen Innern: Sorge zu haben um Werte im zwischenmenschlichen Zusammenhang, sorge um &#8211; - &#8211; &#8220;Humanität&#8221;?</p>
<p>Ich berichte auf meinem Blog immer wieder über die neuesten humangenetischen Erkenntnisse, nach denen man immer mehr jüngstselektierte Gene im menschlichen Genom findet, das heißt Gene und damit menschliche angeborene Eigenschaften, die erst in den letzten Jahrzehntausenden, womöglich erst in den letzten Jahrhunderten eine größere Verbreitung in bestimmten Völkern oder der ganzen Menschheit gefunden haben. Die Wissenschaft spricht auch von &#8220;lokaler Humanevolution&#8221;, da viele Gene es inzwischen noch nicht &#8220;geschafft&#8221; haben, sich über die ganze Erde auszubreiten, sondern &#8211; bisher &#8211; nur &#8220;lokal&#8221; evoluiert sind. Das gilt nicht nur für Verdauungsgene, Hautfarben-, Augenfarben-, Körpergrößen, Krankheits-Verteidigungs-Gene, Geschmacks-Gene und vieles andere mehr, sondern das gilt auch für Verhaltens-Gene, ja, höchstwahrscheinlich sogar für Intelligenz-Gene.</p>
<p>Der neueste Forschungsstand dazu ist z.B. ganz gut dargestellt in dem Buch von Nicholas Wade &#8220;Before the Dawn&#8221;. Auch Wade kommt zu dem Ergebnis &#8211; wie schon Friedrich Nietzsche: Evolution findet statt. Hier und heute. Und jede unserer Entscheidungen hat Einfluß auf die weitere Evolution! Welche Perspektiven!</p>
<p>Die Tatsache, daß es sich bei Religiosität um innerseelische Entscheidungen handelt, widerspricht keineswegs der Tatsache, daß auch diese durch angeborene seelische Verhaltensneigungen vorgebahnt sind, wahrscheinlich oder weniger wahrscheinlich gemacht sind. Die jeweils vorherrschende Kultur verstärkt oder mindert ab jeweilige Entscheidungs-Wahrscheinlichkeiten.</p>
<p>Wohlgemerkt, auch schon die traditionelle Soziobiologie spricht nicht von rein &#8220;rationalen&#8221; Entscheidungen auf dem Gebiet der Fortpflanzung, sondern von eher unbewußt oder unterbewußt angelegten Neigungen zu bestimmten Verhaltensweisen, sie spricht von einem &#8220;Raunen&#8221;, &#8220;Flüstern&#8221; in uns, was uns dazu veranlaßt, häufiger Dinge so als so zu tun. (bspw. schon David P. Barash in seinem Buch &#8220;Soziobiologie und Verhalten&#8221; von 1980, das im englischen Original hieß: &#8220;The Whisper within us&#8221; oder so ähnlich.) Da sind wir doch schon sehr dicht an einer Art von Religiosität dran, wie auch Sie sie als Wirklichkeit empfinden werden, oder nicht?</p>
<p>Und dieses Rauenen, Flüstern, das folgt eben &#8211; letztlich &#8211; doch Nützlichkeits-Rücksichten. Es stellt sicher, daß die rein rationale &#8220;Dummheit&#8221; der Menschen nicht gänzlich auf Fortpflanzung verzichtet, da es sich ja ohne Kinder oder nur mit wenig Kindern viel schöner und bequemer leben läßt als mit viel Kindern.</p>
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	</item>
	<item>
		<title>Von: Helmut Wild</title>
		<link>http://www.adelinde.net/157/wie-hast-dus-mit-der-religion/comment-page-1/#comment-52</link>
		<dc:creator>Helmut Wild</dc:creator>
		<pubDate>Sun, 03 Feb 2008 03:14:22 +0000</pubDate>
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		<description>Ich fand die Kommentare alle sehr anregend, moechte aber doch auf eine begriffliche Problemaktik in Dr. Blumes Thesen zurueckkommen. Ausgangspunkt ist ja der statistisch erwiesene Zusammenhang zwischen Kinderreichtum und religioeser Bindung bei Frauen.
Zuerst: Evolution bedeutet Weiter- oder Hoeherentwicklung im biologischen Sinn. Evolution ist keineswegs gleichbedeutend mit &quot;Kinderkriegen&quot; oder Fortpflanzung. Ich glaube nicht, dass es wissenschaftlich zulaessig waere, die groessere Ausbreitung bestimmter Gene als evolutionaere Weiterentwicklung zu bezeichnen.
Wuerde man die beiden Eigenschaften: Gebaerfaehigkeit und Religioese Bindungstendenz als genetisch bedingt betrachten, so koennte man schlussfolgern, dass saemtliche Voelker des Menschengeschlechts inzwischen von  Geburtenreichtum und religioeser Bindung charakterisiert sind. Zumindest die europaeischen Voelker, wie auch speziell das deutsche Volk, widerlegen diese Annahme.

Ich glaube auch nicht, dass die Entscheidung zum Kind mit &quot;Daseinskampf&quot; gleichzusetzen waere. Vielmehr finde ich, dass es sich bei uns menschlichen Wesen bei solchen Entscheidungen immer um innerseelische Vorgaenge handelt, wobei unbewusste, unterbewusste und bewusste seelische Instanzen zusammenspielen. Im Gegensatz zum Tier hat bei uns Menschen die bewusste Instanz bei solchen Entscheidungen das letzte Wort. Wird das Bewusstsein lediglich von Rationalitaet bestimmt, dann kommt es sicherlich zu der nuechternen Erkenntnis, dass ein Kind den Daseinskampf nicht erleichtert, sondern erschwert. Die pro-Kind Entscheidung muss also von tieferen Beweggruenden getragen sein, als von blosser Rationalitaet des Daseinskampfes.
Trotzdem finde ich die Fragestellung nach dem Zusammenhang zwischen Religion und Kinderzahl sehr wichtig und sicherlich wert, weiterverfolgt zu werden.

Helmut Wild</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Ich fand die Kommentare alle sehr anregend, moechte aber doch auf eine begriffliche Problemaktik in Dr. Blumes Thesen zurueckkommen. Ausgangspunkt ist ja der statistisch erwiesene Zusammenhang zwischen Kinderreichtum und religioeser Bindung bei Frauen.<br />
Zuerst: Evolution bedeutet Weiter- oder Hoeherentwicklung im biologischen Sinn. Evolution ist keineswegs gleichbedeutend mit &#8220;Kinderkriegen&#8221; oder Fortpflanzung. Ich glaube nicht, dass es wissenschaftlich zulaessig waere, die groessere Ausbreitung bestimmter Gene als evolutionaere Weiterentwicklung zu bezeichnen.<br />
Wuerde man die beiden Eigenschaften: Gebaerfaehigkeit und Religioese Bindungstendenz als genetisch bedingt betrachten, so koennte man schlussfolgern, dass saemtliche Voelker des Menschengeschlechts inzwischen von  Geburtenreichtum und religioeser Bindung charakterisiert sind. Zumindest die europaeischen Voelker, wie auch speziell das deutsche Volk, widerlegen diese Annahme.</p>
<p>Ich glaube auch nicht, dass die Entscheidung zum Kind mit &#8220;Daseinskampf&#8221; gleichzusetzen waere. Vielmehr finde ich, dass es sich bei uns menschlichen Wesen bei solchen Entscheidungen immer um innerseelische Vorgaenge handelt, wobei unbewusste, unterbewusste und bewusste seelische Instanzen zusammenspielen. Im Gegensatz zum Tier hat bei uns Menschen die bewusste Instanz bei solchen Entscheidungen das letzte Wort. Wird das Bewusstsein lediglich von Rationalitaet bestimmt, dann kommt es sicherlich zu der nuechternen Erkenntnis, dass ein Kind den Daseinskampf nicht erleichtert, sondern erschwert. Die pro-Kind Entscheidung muss also von tieferen Beweggruenden getragen sein, als von blosser Rationalitaet des Daseinskampfes.<br />
Trotzdem finde ich die Fragestellung nach dem Zusammenhang zwischen Religion und Kinderzahl sehr wichtig und sicherlich wert, weiterverfolgt zu werden.</p>
<p>Helmut Wild</p>
]]></content:encoded>
	</item>
	<item>
		<title>Von: Mithus</title>
		<link>http://www.adelinde.net/157/wie-hast-dus-mit-der-religion/comment-page-1/#comment-50</link>
		<dc:creator>Mithus</dc:creator>
		<pubDate>Sat, 02 Feb 2008 08:15:07 +0000</pubDate>
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		<description>Zum Thema Religion noch ein Gedicht der Navajo-Indianer:

Frieden zieht in die Seelen der Menschen ein, wenn sie ihr Einssein mit dem Universum erkennen und wissen, dass sie mit allem verbunden sind und dass die Mitte tatsächlich überall ist: Sie ist in jedem von uns.

Mithus</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Zum Thema Religion noch ein Gedicht der Navajo-Indianer:</p>
<p>Frieden zieht in die Seelen der Menschen ein, wenn sie ihr Einssein mit dem Universum erkennen und wissen, dass sie mit allem verbunden sind und dass die Mitte tatsächlich überall ist: Sie ist in jedem von uns.</p>
<p>Mithus</p>
]]></content:encoded>
	</item>
	<item>
		<title>Von: Mithus</title>
		<link>http://www.adelinde.net/157/wie-hast-dus-mit-der-religion/comment-page-1/#comment-49</link>
		<dc:creator>Mithus</dc:creator>
		<pubDate>Thu, 31 Jan 2008 17:41:03 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://www.adelinde.net/157/wie-hast-dus-mit-der-religion/#comment-49</guid>
		<description>in meinem &quot;Vademecum&quot; las ich gestern folgendes zur Religion:
&quot;Die Religion ist wie ein einzelner Baum mit vielen Zweigen. Sieht man nur die Zweige, ist man geneigt zu glauben, es gäbe viele Religionen; doch sieht man den ganzen Baum an, versteht man, dass es nur eine einzige Religion gibt.
Mahatma Gandhi
 
der damit m.E. sagt, dass das, was wir als Religionen bezeichnen, nur die unterschiedlichen Codifizierungen eines alle Menschen betreffenden inneren Spürens - und wie Du es so schön sagst - Sehnens nach dem göttlichen All-Einen sind.  Religionen in verfasster Form sind für mich Folge, niemals Ursache dieses inneren Bewußtseins.

Mithus</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>in meinem &#8220;Vademecum&#8221; las ich gestern folgendes zur Religion:<br />
&#8220;Die Religion ist wie ein einzelner Baum mit vielen Zweigen. Sieht man nur die Zweige, ist man geneigt zu glauben, es gäbe viele Religionen; doch sieht man den ganzen Baum an, versteht man, dass es nur eine einzige Religion gibt.<br />
Mahatma Gandhi</p>
<p>der damit m.E. sagt, dass das, was wir als Religionen bezeichnen, nur die unterschiedlichen Codifizierungen eines alle Menschen betreffenden inneren Spürens &#8211; und wie Du es so schön sagst &#8211; Sehnens nach dem göttlichen All-Einen sind.  Religionen in verfasster Form sind für mich Folge, niemals Ursache dieses inneren Bewußtseins.</p>
<p>Mithus</p>
]]></content:encoded>
	</item>
	<item>
		<title>Von: Ingo Bading</title>
		<link>http://www.adelinde.net/157/wie-hast-dus-mit-der-religion/comment-page-1/#comment-48</link>
		<dc:creator>Ingo Bading</dc:creator>
		<pubDate>Wed, 30 Jan 2008 13:29:03 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://www.adelinde.net/157/wie-hast-dus-mit-der-religion/#comment-48</guid>
		<description>Nicht alle Menschen, die die darwinischen Evolutions-Mechanismen in den Mittelpunkt ihres Forschens stellen, sind damit zugleich auch schon davon überzeugt, daß sie allein ausreichen, all das zu erklären, was über Evolution bekannt ist. 

Das war vielleicht vor mehreren Jahrzehnten das vorherrschende Weltbild unter den Biologen, heute ist es das nicht mehr.  Die rein naturwissenschaftliche Kritik an einem krude neodarwinischen Weltbild hat viele Argumente und bekommt ständig neue dazu.

Bestes und jüngstes Beispiel bleibt für mich die positive Aufnahme, die die Forschungen von Simon Conway Morris in der Fachwelt gefunden haben - und sogar bei einem  sehr überzeugten Verfechter eines &quot;kruderen&quot; darwinischen Weltbildes, nämlich bei Richard Dawkins. 

Selbst ein Richard Dawkins hält sich auch sonst - wie das jeder ordentliche Wissenschaftler tut - die Möglichkeit offen, daß viele wesentliche Ursachen für Evolution heute noch NICHT erkannt sind. Andere naturwissenschaftliche Kritiken des Neodarwinismus sind die &quot;Neutrale Theorie der Selektion&quot;  von Mooto Kimura, die auch inzwischen völlig selbstverständlicher Bestandteil des Wissens der Genetiker ist und im Widerspruch steht zu der kruden These, &quot;Punktmutation und Selektion&quot; hätten alles hervorgebracht, was die Biologie kennt. Und auf dieser Linie wäre noch viel zu nennen, auch die &quot;punctuated equilibria&quot;-Thesen etwa eines Stephen Jay Gould. Es ist hier so viel im Fluß und in der Entwicklung.

Auch Michael nimmt die rein naturwissenschaftlichen Forschungen-Diskussionen, die über ein krude neo-darwinisches Weltbild hinausgehen, z.B. die von Conway Morris oder die zum Anthropischen Prinzip wie jeder ordentliche Wissenschaftler, mit sehr großem Interesse zur Kenntnis und findet es ebenso schlimm wie ich, wenn Menschen, die derartige Dinge erforschen - so wie jüngst dem Astrophysiker Guillermo Gonzales - aus ideologisch-atheistischer Motivierung heraus Forschungsgelder gestrichen werden.

Ich halte es nicht für richtig, bei der Betrachtung von Naturwissenschaft ausgerechnet die &quot;mephistophelisch(st)en&quot; Aspekte allein oder vorwiegend in den Blick zu nehmen (die es natürlich wie überall auch dort gibt). Ein solches Vorgehen fördert nicht Erkenntnis, sondern hemmt sie. Denn Mephistopheles kann gewöhnlich die Welt und das Leben nur zerstören, er kann sie nicht schaffen. Naturwissenschaftler wollen aber wie wissen, wie unsere heutige Welt und der heutige Mensch ENTSTANDEN sind. Das ist keine mephistophelische Fragestellung, da wir heute schon dazu viel umfassendere Antworten vorliegen haben, als das noch zu Goethes oder Darwins oder Zeiten der Fall war.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Nicht alle Menschen, die die darwinischen Evolutions-Mechanismen in den Mittelpunkt ihres Forschens stellen, sind damit zugleich auch schon davon überzeugt, daß sie allein ausreichen, all das zu erklären, was über Evolution bekannt ist. </p>
<p>Das war vielleicht vor mehreren Jahrzehnten das vorherrschende Weltbild unter den Biologen, heute ist es das nicht mehr.  Die rein naturwissenschaftliche Kritik an einem krude neodarwinischen Weltbild hat viele Argumente und bekommt ständig neue dazu.</p>
<p>Bestes und jüngstes Beispiel bleibt für mich die positive Aufnahme, die die Forschungen von Simon Conway Morris in der Fachwelt gefunden haben &#8211; und sogar bei einem  sehr überzeugten Verfechter eines &#8220;kruderen&#8221; darwinischen Weltbildes, nämlich bei Richard Dawkins. </p>
<p>Selbst ein Richard Dawkins hält sich auch sonst &#8211; wie das jeder ordentliche Wissenschaftler tut &#8211; die Möglichkeit offen, daß viele wesentliche Ursachen für Evolution heute noch NICHT erkannt sind. Andere naturwissenschaftliche Kritiken des Neodarwinismus sind die &#8220;Neutrale Theorie der Selektion&#8221;  von Mooto Kimura, die auch inzwischen völlig selbstverständlicher Bestandteil des Wissens der Genetiker ist und im Widerspruch steht zu der kruden These, &#8220;Punktmutation und Selektion&#8221; hätten alles hervorgebracht, was die Biologie kennt. Und auf dieser Linie wäre noch viel zu nennen, auch die &#8220;punctuated equilibria&#8221;-Thesen etwa eines Stephen Jay Gould. Es ist hier so viel im Fluß und in der Entwicklung.</p>
<p>Auch Michael nimmt die rein naturwissenschaftlichen Forschungen-Diskussionen, die über ein krude neo-darwinisches Weltbild hinausgehen, z.B. die von Conway Morris oder die zum Anthropischen Prinzip wie jeder ordentliche Wissenschaftler, mit sehr großem Interesse zur Kenntnis und findet es ebenso schlimm wie ich, wenn Menschen, die derartige Dinge erforschen &#8211; so wie jüngst dem Astrophysiker Guillermo Gonzales &#8211; aus ideologisch-atheistischer Motivierung heraus Forschungsgelder gestrichen werden.</p>
<p>Ich halte es nicht für richtig, bei der Betrachtung von Naturwissenschaft ausgerechnet die &#8220;mephistophelisch(st)en&#8221; Aspekte allein oder vorwiegend in den Blick zu nehmen (die es natürlich wie überall auch dort gibt). Ein solches Vorgehen fördert nicht Erkenntnis, sondern hemmt sie. Denn Mephistopheles kann gewöhnlich die Welt und das Leben nur zerstören, er kann sie nicht schaffen. Naturwissenschaftler wollen aber wie wissen, wie unsere heutige Welt und der heutige Mensch ENTSTANDEN sind. Das ist keine mephistophelische Fragestellung, da wir heute schon dazu viel umfassendere Antworten vorliegen haben, als das noch zu Goethes oder Darwins oder Zeiten der Fall war.</p>
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	</item>
	<item>
		<title>Von: Adelinde</title>
		<link>http://www.adelinde.net/157/wie-hast-dus-mit-der-religion/comment-page-1/#comment-47</link>
		<dc:creator>Adelinde</dc:creator>
		<pubDate>Wed, 30 Jan 2008 08:36:59 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://www.adelinde.net/157/wie-hast-dus-mit-der-religion/#comment-47</guid>
		<description>Ihre Fragen sind in den obigen Texten eigentlich beantwortet, Herr Bading. Vielleicht lesen Sie sie noch mal in Ruhe durch. 

Niemand hat etwas gegen die Forschungen, die Dr. Blume betreibt und veröffentlicht. Ich bin ganz im Gegenteil sehr dankbar dafür.

Die Evolutionstheorie nach Darwin stellt die Hypothese auf - und sie scheint zur Glaubensgewißheit, sprich zum Dogma, geworden zu sein -, daß die Evolution nach Poppers &quot;Versuch und Irrtum&quot; allein mit Mutation und Auslese der &quot;Fittesten&quot; vorangeschritten sei. Das Prinzip Nützlichkeit spielt dabei die große Hauptrolle.

Wenn nun herausgefunden wurde, daß Menschen in Glaubensgemeinschaften mehr Kinder aufziehen als Menschen, die in keiner solchen Gemeinschaft leben, so ist das eine feststellbare Tatsache. Die kann man nun auslegen, deuten. Am besten, man fragt die Leute selbst nach ihren Gründen. Da kommt man der Wahrheit sicher am nächsten.

Nun sollte man aber die Religiosität, das Gottahnen im Menschen, nicht mit der Zugehörigkeit zu einem Glaubenssystem gleichsetzen. Das Glaubenssystem kann sehr dürftig, sehr herrschaftsbezogen sein und sehr wenig mit dem wahren Göttlichen zu tun haben. Und die Gläubigen können sehr ichbezogen sich Hilfe und Nutzen von ihrem erdachten personalen Gott erhoffen. Mit echter, von innen kommender Religiosität hat das aber wenig zu tun.

Religiosität, das Ahnen eines göttlichen Urgrundes des Universums und die Liebe und Achtung dazu liegt ganz unabhängig von Glaubensvorstellungen in jedem Menschen  von Geburt an bereit und will nur entfaltet werden, was aber der Wahlfreiheit des Ichs überlassen ist, es zu tun oder zu unterlassen.

Eine so verstandene Religiosität als &quot;nützlich für den Daseinskampf der Art&quot; anzusehen, zu trivialisieren, davor warne ich. Das Gottahnen im Ich der Menschenseele läßt sich nicht zwingen und auch nicht als zwingende Ursache zu erfolgreichem Durchsetzen der eigenen Gene degradieren.

Sollten das Menschen dennoch tun, so würde - um im sagenhaften Bild zu bleiben - der Teufel grinsen über seinen Erfolg. Es wäre ihm gelungen, die Menschen vom Göttlichen zu entfernen. 

So hatte es Mephisto in Goethes Faust ja vor.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Ihre Fragen sind in den obigen Texten eigentlich beantwortet, Herr Bading. Vielleicht lesen Sie sie noch mal in Ruhe durch. </p>
<p>Niemand hat etwas gegen die Forschungen, die Dr. Blume betreibt und veröffentlicht. Ich bin ganz im Gegenteil sehr dankbar dafür.</p>
<p>Die Evolutionstheorie nach Darwin stellt die Hypothese auf &#8211; und sie scheint zur Glaubensgewißheit, sprich zum Dogma, geworden zu sein -, daß die Evolution nach Poppers &#8220;Versuch und Irrtum&#8221; allein mit Mutation und Auslese der &#8220;Fittesten&#8221; vorangeschritten sei. Das Prinzip Nützlichkeit spielt dabei die große Hauptrolle.</p>
<p>Wenn nun herausgefunden wurde, daß Menschen in Glaubensgemeinschaften mehr Kinder aufziehen als Menschen, die in keiner solchen Gemeinschaft leben, so ist das eine feststellbare Tatsache. Die kann man nun auslegen, deuten. Am besten, man fragt die Leute selbst nach ihren Gründen. Da kommt man der Wahrheit sicher am nächsten.</p>
<p>Nun sollte man aber die Religiosität, das Gottahnen im Menschen, nicht mit der Zugehörigkeit zu einem Glaubenssystem gleichsetzen. Das Glaubenssystem kann sehr dürftig, sehr herrschaftsbezogen sein und sehr wenig mit dem wahren Göttlichen zu tun haben. Und die Gläubigen können sehr ichbezogen sich Hilfe und Nutzen von ihrem erdachten personalen Gott erhoffen. Mit echter, von innen kommender Religiosität hat das aber wenig zu tun.</p>
<p>Religiosität, das Ahnen eines göttlichen Urgrundes des Universums und die Liebe und Achtung dazu liegt ganz unabhängig von Glaubensvorstellungen in jedem Menschen  von Geburt an bereit und will nur entfaltet werden, was aber der Wahlfreiheit des Ichs überlassen ist, es zu tun oder zu unterlassen.</p>
<p>Eine so verstandene Religiosität als &#8220;nützlich für den Daseinskampf der Art&#8221; anzusehen, zu trivialisieren, davor warne ich. Das Gottahnen im Ich der Menschenseele läßt sich nicht zwingen und auch nicht als zwingende Ursache zu erfolgreichem Durchsetzen der eigenen Gene degradieren.</p>
<p>Sollten das Menschen dennoch tun, so würde &#8211; um im sagenhaften Bild zu bleiben &#8211; der Teufel grinsen über seinen Erfolg. Es wäre ihm gelungen, die Menschen vom Göttlichen zu entfernen. </p>
<p>So hatte es Mephisto in Goethes Faust ja vor.</p>
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	<item>
		<title>Von: Ingo Bading</title>
		<link>http://www.adelinde.net/157/wie-hast-dus-mit-der-religion/comment-page-1/#comment-46</link>
		<dc:creator>Ingo Bading</dc:creator>
		<pubDate>Wed, 30 Jan 2008 07:40:50 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://www.adelinde.net/157/wie-hast-dus-mit-der-religion/#comment-46</guid>
		<description>Wie kann es der Wissenschaft an Religiosität FEHLEN, wenn sie dieselbe in den Mittelpunkt ihres Forschens stellt?

An dieser Frage werde ich wohl noch allerhand zu knabbern haben.

Ich glaube tatsächlich, daß immer noch viel zu viele Menschen fürchten, die Naturwissenschaft würde ihre Welt &quot;entzaubern&quot;. Das Gegenteil aber ist doch in nur allzu offensichtlichster Weise der Fall. Zumindest für die Menschen, die sich intensiv dem Gesamtbestand des naturwissenschaftlichen Wissens unserer Zeit zuwenden. 

Frau Bauer müßte meiner Meinung nach erst einmal genau aufzeigen, WO in den Deutungen der Forschungsergebnisse von Michael die Kant&#039;schen Vernunftgrenzen überschritten worden sind. In der Regel sind naturwissenschaftlich denkende Menschen vor solchen Fehltritten noch am besten bewahrt. Gerade darin liegt ja die Stärke der Naturwissenschaft heute.

Von einer menschlichen (oder weiblichen) Eigenschaft, von der aufgezeigt wird, daß sie AUCH das genetische Überleben positiv beeinflußt, zu behaupten, sie sei *nur* DESHALB evoluiert, UM genetisches Überleben sicherzustellen, ist es ein weiter Schritt. Ich kann mich nicht erinnern, irgendwo gelesen zu haben, daß Michael diesen Schritt getan hätte.

Der Mensch war immer schon - auf die eine oder andere Weise - &quot;Macher&quot; seiner Religiosität. Aber warum nehmen Sie ein so abwertendes Wort? Sind nicht auch andere Worte möglich? Im günstigsten Fall sind es doch Künstler, die sich mit der Gestaltung und Deutung von Religiosität befassen. Wollen Sie nicht ein solcher sein? Und wollen Sie dazu dann NICHT auch ihre &quot;kalte&quot;, unbestechliche Vernunft verwenden, so wie jeder Künstler eben auch sein Handwerkszeug möglichst vollständig und gekonnt beherrschen muß?</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Wie kann es der Wissenschaft an Religiosität FEHLEN, wenn sie dieselbe in den Mittelpunkt ihres Forschens stellt?</p>
<p>An dieser Frage werde ich wohl noch allerhand zu knabbern haben.</p>
<p>Ich glaube tatsächlich, daß immer noch viel zu viele Menschen fürchten, die Naturwissenschaft würde ihre Welt &#8220;entzaubern&#8221;. Das Gegenteil aber ist doch in nur allzu offensichtlichster Weise der Fall. Zumindest für die Menschen, die sich intensiv dem Gesamtbestand des naturwissenschaftlichen Wissens unserer Zeit zuwenden. </p>
<p>Frau Bauer müßte meiner Meinung nach erst einmal genau aufzeigen, WO in den Deutungen der Forschungsergebnisse von Michael die Kant&#8217;schen Vernunftgrenzen überschritten worden sind. In der Regel sind naturwissenschaftlich denkende Menschen vor solchen Fehltritten noch am besten bewahrt. Gerade darin liegt ja die Stärke der Naturwissenschaft heute.</p>
<p>Von einer menschlichen (oder weiblichen) Eigenschaft, von der aufgezeigt wird, daß sie AUCH das genetische Überleben positiv beeinflußt, zu behaupten, sie sei *nur* DESHALB evoluiert, UM genetisches Überleben sicherzustellen, ist es ein weiter Schritt. Ich kann mich nicht erinnern, irgendwo gelesen zu haben, daß Michael diesen Schritt getan hätte.</p>
<p>Der Mensch war immer schon &#8211; auf die eine oder andere Weise &#8211; &#8220;Macher&#8221; seiner Religiosität. Aber warum nehmen Sie ein so abwertendes Wort? Sind nicht auch andere Worte möglich? Im günstigsten Fall sind es doch Künstler, die sich mit der Gestaltung und Deutung von Religiosität befassen. Wollen Sie nicht ein solcher sein? Und wollen Sie dazu dann NICHT auch ihre &#8220;kalte&#8221;, unbestechliche Vernunft verwenden, so wie jeder Künstler eben auch sein Handwerkszeug möglichst vollständig und gekonnt beherrschen muß?</p>
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		<title>Von: hidden</title>
		<link>http://www.adelinde.net/157/wie-hast-dus-mit-der-religion/comment-page-1/#comment-45</link>
		<dc:creator>hidden</dc:creator>
		<pubDate>Tue, 29 Jan 2008 21:56:19 +0000</pubDate>
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		<description>Der Wissenschaft fehlt es an Religiosität, so schreiben Sie in der Stellungnahme zu Michael Blume.
Das ist genau der Punkt, den der Professor Deppert in seinem Vortrag über Wissenschaft vor der Universitätsgesellchaft Husum Anfang Januar angesprochen hat.
Er hat sozusagen von der Wissenschaft, den Wissenschaftlern eine Stellungnahme zu ihrer Religion/Weltanschauung angemahnt.
Ein Kontakt mit Deppert wäre vielversprechend.

PS
Das ist doch eine tolle Sache mit dem Adelinde-Gespräch!

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		<content:encoded><![CDATA[<p>Der Wissenschaft fehlt es an Religiosität, so schreiben Sie in der Stellungnahme zu Michael Blume.<br />
Das ist genau der Punkt, den der Professor Deppert in seinem Vortrag über Wissenschaft vor der Universitätsgesellchaft Husum Anfang Januar angesprochen hat.<br />
Er hat sozusagen von der Wissenschaft, den Wissenschaftlern eine Stellungnahme zu ihrer Religion/Weltanschauung angemahnt.<br />
Ein Kontakt mit Deppert wäre vielversprechend.</p>
<p>PS<br />
Das ist doch eine tolle Sache mit dem Adelinde-Gespräch!</p>
<p>hidden</p>
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